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PNE bringt M&A-Deal vor Gericht

PNE Wind fordert bis zu 6,2 Millionen Euro Schadensersatz aus dem 93 Millionen Euro schweren M&A-Deal mit WKN.
PNE Wind AG

PNE Wind drohen Abschreibungen in Millionenhöhe auf Projekte, die sich der Cuxhavener Windparkentwickler im vergangenen Jahr im Rahmen der 93 Millionen Euro schweren Übernahme des Konkurrenten Windkraft Nord (WKN) in den Konzern geholt hat. Diese könnten laut Vorstand das Konzern-Ebit des laufenden Geschäftsjahres in der Größenordnung eines „niedrigen bis mittleren einstelligen Millionenbetrags“ belasten. Das für die Jahre 2014 bis 2016 angestrebte Ebit in Höhe von kumuliert 110 bis 130 Millionen Euro sei jedoch nicht in Gefahr.

Offen ist, ob PNE Wind einen schlechten Deal gemacht beziehungsweise eine unzureichende Due Diligence absolviert hat oder betrogen wurde. PNE Wind scheint von Letzterem auszugehen und kündigt an, gegen den damaligen Verkäufer von WKN, Volker Friedrichsen, Schadenssatzforderungen von bis zu 6,2 Millionen Euro geltend zu machen.

Pikant wird die Angelegenheit auch dadurch, dass Friedrichsen, mit einem Anteil von knapp 20 Prozent ein gewichtiger Aktionär, inzwischen im Aufsichtsrat von PNE Wind sitzt und sich offenbar weigert, sein Mandat niederzulegen. Deshalb versucht der Aufsichtsrat nun, Friedrichsen gerichtlich abberufen zu lassen. Als Begründung wird ein vermeintlicher Interessenkonflikt genannt, den der Aufsichtsrat auf Grund der von PNE Wind gegen Friedrichsen erhobenen Schadensersatzforderungen zu erkennen glaubt. Abgelehnt wurde dagegen die geplante Abberufung des Aufsichtsvorsitzenden Dieter Kuprian.

PNE Wind prüft Richtigket damaliger Informationen

Auch den M&A-Deal hat PNE Wind noch einmal genau unter die Lupe genommen. Laut eines Unternehmenssprechers hatte der neue WKN-CFO Jürgen Dambrowski die Wirtschaftsprüfer KPMG für eine Überprüfung der Informationen, die der damaligen Due Dilligence zugrundelagen, mandatiert. Es gilt zu prüfen, ob einzelne Projekte beim Kauf nicht dem Wert entsprochen haben, wie sie in den Büchern abgebildet waren.

Sollten dabei Punkte auftauchen, die den Verdacht gegen Friedrichsen erhärten, behält sich der Windparkentwickler vor, weitere Schadensersatzansprüche geltend zu machen – wenn nötig auch durch eine Schiedsklage.

Aktienkurs von PNE Wind auf Talfahrt

Der Aktienkurs von PNE Wind reagiert auf die Enthüllung mit Kursverlusten von mehr als 6 Prozent auf 2,25 Euro. Noch im Sommer hatte das Papier bei über 3 Euro notiert, war anschließend aber unter Druck geraten, weil PNE Wind eine Kapitalerhöhung und eine Wandelanleihe platziert hatte, um mehr Windparks auf eigene Rechnung vorfinanzieren zu können.

PNE Wind hat derzeit zwei konventionelle Anleihen und eine Wandelanleihe ausstehen. Die klassischen Papiere sind mit 8 und 6,5 Prozent verzinst  und verlieren am heutigen Tag bis zu 2 Prozent, notieren aber dennoch weiterhin über Par. Die im September emittierte Wandelanleihe besitzt einen Kupon von 3,75 Prozent, der Strike-Preis liegt bei 3,30 Euro. Die Ratingagentur Euler Hermes ratet PNE Wind derzeit mit BB+, jedoch mit einem negativen Zwölfmonatsausblick.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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