Politische Gremien wie das US-amerikanische CFIUS sind ein Transaktionsrisiko, mit dem sich Unternehmen im Vorfeld befassen müssen.

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14.06.17
Deals

Politisches Risiko bei M&A-Deals steigt

Mit Aixtron und Infineon mussten zwei namhafte deutsche Unternehmen jüngst erkennen, dass die Behörden ein echtes Risiko für M&A-Deals darstellen können. Das macht auch andere Firmen vorsichtig, zeigt das neue FINANCE M&A Panel.

Deutsche Unternehmen beschäftigen sich im Vorfeld von M&A-Transaktionen intensiver mit dem Risiko politischer Intervention. Das zeigt das aktuelle FINANCE M&A Panel, für das FINANCE zusammen mit der internationalen Wirtschaftskanzlei CMS leitende M&A-Profis deutscher Unternehmen befragt hat.

Unter den befragten M&A-Verantwortlichen gaben mehr als 60 Prozent an, dass die politisch-regulatorischen Risiken für M&A-Deals in den vergangenen fünf Jahren leicht gestiegen sind. 11 Prozent machten sogar einen sehr starken Anstieg aus. Gut ein Viertel hat in den vergangenen fünf Jahren keine nennenswerte Veränderung feststellen können. Eine sinkende Einflussnahme sah dagegen keiner der Panelisten.

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US-Behörden haben M&A-Deals von Aixtron und Infineon verhindert

Ein besonderes Augenmerk liegt derzeit auf dem US-Ausschuss CFIUS. Hinter dem „Committee on Foreign Investment in the United States“ stehen insgesamt 14 Behörden, die bei ausländischen Investitionen prüfen, ob die Transaktion eine Gefahr für die nationale Sicherheit der USA darstellt – selbst wenn kein amerikanisches Unternehmen beteiligt ist.

Mit Aixtron, Infineon und Syngenta mussten zuletzt mehrere Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum Bekanntschaft mit dem CFIUS machen. Der Verkauf des Chipanlagenbauers Aixtron an die chinesische Fujian Grand Chip Investment scheiterte genauso wie die bereits 2016 angekündigte 850 Millionen Dollar schwere Übernahme von Wolfspeed durch Infineon. Der Verkauf des Schweizer Agrarunternehmens Syngenta an den chinesischen Chemieriesen Chemchina wurde nur mit einer fast einjährigen Verzögerung genehmigt.

Unternehmen nehmen politisches Risiko bei M&A in Kauf

Jeder Dritte befragte M&A-Profi hat bereits Bekanntschaft mit dem CFIUS gemacht. Einen starken bis sehr starken Einfluss auf die aktuellen M&A-Verhandlungen spüren jedoch nur rund 16 Prozent. Nicht bei jedem Deal muss mit einem Eingreifen des CFIUS gerechnet werden. Es gibt allerdings einige Branchen, bei denen kritische Fragen besonders wahrscheinlich sind. Nach Einschätzung der Panelisten ist das neben der Rüstungsbranche vor allem die Luftfahrt. Aber auch bei Telekommunikations- und Software/IT-Unternehmen rechnen die M&A-Profis mit Widerstand.

Grenzenlos ist der Einfluss des CFIUS aus Sicht von Experten nicht. Letztlich handelt es sich um ein weiteres regulatorisches Transaktionsrisiko, das im Vorfeld des Deals analysiert werden muss. „Sofern die Parteien bereit sind, dieses Transaktionsrisiko in Kauf zu nehmen, muss im Vertrag durch klare Regelungen zu den Rechten und Pflichten adäquat Vorsorge getroffen werden“, rät Thomas Meyding, Partner bei der internationalen Wirtschaftskanzlei CMS. Meyding beobachtet, dass Unternehmen inzwischen vermehrt dazu bereit sind, auch ein Scheitern aufgrund kartellrechtlicher Untersagung in Kauf zu nehmen.

Ein europäisches CFIUS ist unwahrscheinlich

Hin- und hergerissen sind die M&A-Profis der befragten Unternehmen bei der Frage, ob sie damit rechnen, dass hierzulande die bestehenden Möglichkeiten zur Kontrolle und zum Verbot ausländischer Direktinvestitionen mittel- bis langfristig verschärft werden. Auf einer Skala von 1 (sehr unwahrscheinlich) bis 10 (sehr wahrscheinlich) positionierten sich die M&A-Chefs durchschnittlich mit dem Wert 5,72.

Bisher obliegt es dem Wirtschaftsministerium, Auslandsinvestitionen zu prüfen. So wurde beispielsweise der Verkauf des Augsburger Roboterbauers Kuka an den chinesischen Mischkonzern Midea untersucht, am Ende jedoch genehmigt.

Ein ähnliches Gremium wie das CFIUS ist in Deutschland allerdings unwahrscheinlich. „Es wird nach unserer Einschätzung keine nationalen Alleingänge in Europa geben“, ist sich CMS-Partner Oliver Wolfgramm sicher. Vielmehr werde diskutiert, bestehendes EU-Recht zu ergänzen, um den Mitgliedsstaaten mehr Möglichkeiten zu geben, unliebsame Investoren aus dem Land zu halten. Deutschland, Frankreich und Italien hätten die EU-Kommission im Februar bereits gebeten, das Thema auf die Tagesordnung zu nehmen.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Mehr Informationen zur derzeitigen Lage am deutschen M&A-Markt liefert das aktuelle FINANCE M&A Panel, das Sie hier kostenlos herunterladen können. Noch mehr Panels, Studien und Datenbanken, finden Sie unter der Rubrik FINANCE-Research.