20.10.15
Deals

Profis halten Preise am M&A-Markt für überhöht

Die Preise für M&A-Deals sind in vielen Branchen erneut gestiegen – mancher Käufer sieht das Limit jetzt erreicht. Sowohl M&A-Verantwortliche in Unternehmen als auch M&A-Berater und Investmentbanker halten die Preise in einigen Branchen inzwischen für zu hoch.

Die Kaufpreise für M&A-Deals haben in einigen Branchen ein Niveau erreicht, das an der Schmerzgrenze der potentiellen Käufer kratzt. Darauf lassen die Ergebnisse der jüngsten Befragung des FINANCE M&A-Panels schließen, für das die Redaktion von FINANCE gemeinsam mit der Kanzlei CMS sowohl M&A-Chefs deutscher Unternehmen als auch führende Investmentbanker und M&A-Berater anonym zu ihrer Markteinschätzung befragt hat.

Die Zustimmung zu der These, dass in vielen Branchen derzeit überhöhte Kaufpreise bezahlt werden, ist seit der vorherigen Befragung im Juni stark gestiegen und liegt auf dem höchsten Niveau seit Beginn der Befragungen im März 2011 – sowohl bei den M&A-Verantwortlichen in Unternehmen als auch bei Investmentbankern und Beratungshäusern. Bei den Corporates ist die Zustimmung insgesamt noch etwas höher und liegt bei 8,17 (10 = volle Zustimmung), die Berater vergeben einen Wert von 7,18. Beides sind enorm hohe Werte.

M&A-Deals erfordern hohe Flexibilität

Die größere Sensibilität der Corporates  dürfte darin begründet sein, dass sie den Kaufpreis im eigenen Unternehmen verbuchen müssen. Doch die Strategen sind mit dem Problem nicht allein, beobachtet Dr. Oliver Wolfgramm, Partner bei CMS: „Mit überhöhten Kaufpreiserwartungen und Kaufpreisen sehen sich auch Finanzinvestoren konfrontiert. Der starke Wettbewerb um attraktive Targets und sehr kompetitive Auktionen bieten Erwerbern Vorteile, die schnell, flexibel und kreativ agieren können“, sagt er.  „Das gilt auch und gerade für die Fähigkeit, Transaktionen zunächst allein mit Eigenkapital zu finanzieren.“

Dies allerdings dürfte es auf den aktuellen Kaufpreisniveau zumindest renditeorientierten PE-Investoren nahezu unmöglich machen, ihre gewünschten Renditeziele zu erreichen. Die Preiswahrnehmung hat auch Folgen für die M&A-Strategien der deutschen Großkonzerne: Zwar positionieren die Befragten ihre Unternehmen immer noch stark auf der Käuferseite, doch ihre Ansprüche sind gestiegen: Der Zustimmungswert zu der These, dass zurzeit strategisch attraktive Übernahmeobjekte auf dem Markt sind, ist gegenüber dem Sommer um 14 Prozent au feinen Tiefststand von 5,43 gesunken.

Strategische Käufer, die von den Bewertungen und Preisvorstellungen des Gegenübers nicht überzeugt sind, werden in einigen Fällen erst überhaupt nicht in den M&A-Prozess eintreten. Dies wäre eine Hypothek für das wichtige Jahresendgeschäft am M&A-Markt.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Die vollständigen Ergebnisse des FINANCE M&A-Panels stehen im Bereich FINANCE-Research kostenlos zum Download zur Verfügung.