ProSie ProSiebenSat.1 sucht nach einer Perspektive für die Produktionstochter Red Arrow.

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03.09.19
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ProSiebenSat.1 stellt Red Arrow ins Schaufenster

ProSiebenSat.1 prüft die Zukunft der Produktionstochter Red Arrow Studios. Wenn der Preis stimmt, könnte diese auch außerhalb des Medienkonzerns liegen.

Der Münchener TV-Konzern ProSiebenSat.1 und die TV-Produktionstochter Red Arrow Studios könnten bald getrennte Wege gehen: Die Tochterfirma findet sich in der Strategie des Konzerns nicht mehr richtig wider. Wie das Medienportal DWDL zuerst berichtete, wäre ProSiebenSat.1 auch bereit, sich ganz von Red Arrow zu trennen. Seit wenigen Tagen laufe ein Verkaufsprozess unter Leitung von Morgan Stanley, berichtet das Medienportal unter Berufung auf namentlich nicht genannten Quellen. Der Sender bestätigte dem Portal den angestoßenen Verkaufsprozess, dessen Ausgang sei jedoch offen.

ProSiebenSat.1 ändert Strategie bei Red Arrow

Mögliche Teaser habe die US-Investmentbank bereits an potentielle Käufer verschickt, heißt es in dem Bericht. Bis zum Freitag der kommenden Woche könnten Investoren nun ihr Interesse hinterlegen. Zuletzt hatte der Private-Equity-Investor KKR in der Branche für Wirbel gesorgt, der sich gleich mehrere Medienunternehmen einverleibte und sich auch die Filmproduktionsfirma Wiedemann & Berg Film sicherte.

Sollte der Preis stimmen, wäre ProSiebenSat.1 nun offenbar bereit, sich von dem Tochterunternehmen fast vollständig zu trennen. Nicht von einem Verkauf betroffen wären dem Bericht zufolge allerdings die deutsche Produktionsfirma Redseven Entertainment sowie das Digitalstudio Studio71, die im Konzern bleiben sollen.

Für ProSiebenSat.1 ist es ein deutlicher Kurswechsel, die Produktionsfirma so offen auf den Prüfstand zu stellen. Die 2010 gegründeten Red Arrow Studios waren in den folgenden Jahren auch durch Zukäufe von Studios im Ausland stark ausgebaut worden. Nach eigenen Angaben umfasst Red Arrow Studios derzeit 20 Produktionsunternehmen in sieben Regionen. Die Firma produziert mehr als 215 Shows jährlich.

Im zweiten Quartal 2019 vermeldete ProSiebenSat.1 für die Red Arrow Studios einen organischen Umsatzanstieg um 21 Prozent, der insbesondere auf starkem Produktionsgeschäft in Deutschland, den USA und Großbritannien beruhe. Das Segment zählte damit neben der Digitalsparte Nucom zu den Wachstumstreibern des Unternehmens. Dennoch passt die hauseigene Produktionsfirma offenbar nicht mehr in die langfristige Strategie der Münchener.

ProSiebenSat.1 setzt große Hoffnungen in Nucom

FINANCE-Köpfe

Rainer Beaujean, ProSiebenSat.1 Media SE

1995 beginnt Rainer Beaujean seine Karriere bei der Deutschen Telekom und durchläuft verschiedene Stationen, unter anderem als Leiter des Vorstandsstabs Finanzen und Leiter Controlling für alle Auslandsbeteiligungen. Von 2000 bis 2004 ist er als CFO bei T-Online verantwortlich für die Ressorts Finanzen und Controlling. Ab 2004 bis zur Verschmelzung mit der Deutschen Telekom im Jahr 2006 ist er CEO von T-Online. Während seiner Zeit bei T-Online treibt Beaujean die Internationalisierung des Internetunternehmens und umfangreiche M&A-Aktivitäten sowie den Ausbau des Content-Geschäfts voran. T-Online ist in dieser Zeit der mit Abstand größte Wert im TecDax.

Im Juni 2007 wechselt Beaujean zum Kranhersteller Demag Cranes und verantwortet dort bis Ende 2011 als Vorstandsmitglied das Finanzressort. Zudem ist er für den weltweiten Einkauf verantwortlich. In dieser Zeit steigt Demag Cranes vom SDax in den MDax auf und wird umfangreich neu finanziert. Nach der Übernahme durch den US-Konzern Terex verlässt Beaujean das Unternehmen. Er wechselt zu einem der weltweit größten Mess- und Regeltechnikhersteller der Welt, der an der NYSE notierten Elster Group, wo er von Februar 2012 bis August des gleichen Jahres Managing Director und Finanzchef ist. Nachdem Elster vom börsennotierten britischen Unternehmen Melrose übernommen wird, verlässt er das Unternehmen.

Seit Dezember 2012 ist Rainer Beaujean Mitglied des Vorstands bei Gerresheimer und seit Februar 2013 für das Finanzressort verantwortlich. Ab Dezember 2013 übernimmt Rainer Beaujean zusätzlich zu seiner Funktion als CFO den Geschäftsbereich Life Science Research, bis dieser 2016 verkauft wird. Im Februar 2018 wird Beaujean Interimschef des Gerresheimer-Konzerns, nachdem sich CEO Christian Fischer überraschend zurückgezogen hat.

Im September 2018 wird bekannt, dass Beaujean seinen Vertrag nicht über den 30. April 2019 hinaus verlängern wird. Im Februar 2019 bestätigt ProSiebenSat.1, dass Beaujean zum 1. Juli 2019 neuer CFO der ProSiebenSat.1 Holding wird.

zum Profil

Als großer Hoffnungsträger des Medienkonzerns gilt derzeit hingegen Nucom, für die kürzlich mit Markus Ablinger ein neuer CFO berufen wurde. Für Nucom vermeldete ProSiebenSat.1 im zweiten Quartal ein organisches Umsatzwachstum von 7 Prozent. In der Digitalsparte sind Online-Geschäfte wie der Parfümhändler Flaconi oder die Vergleichsplattform Verivox gebündelt. Unter anderem will der Konzern im zweiten Halbjahr in das Portfoliounternehmen Flaconi investieren und daran arbeiten, die Kosten im Kerngeschäft besser in den Griff zu bekommen.

Die starken Zuwächse bei Red Arrow und Nucom reichen aber nicht, um die Schwächen im Kerngeschäft des Medienkonzerns zu überdecken. Wie andere Wettbewerber auch leidet ProSiebenSat.1 stark unter den Rückgängen bei klassischer TV-Werbung. Der kürzlich angetretene CFO Rainer Beaujean kalkuliert für das Gesamtjahr 2019 lediglich mit einem Anstieg des Konzernumsatzes im mittleren einstelligen Prozentbereich. Im zweiten Quartal 2019 hatte ProSiebenSat.1 einen Konzernumsatz von 947 Millionen Euro erzielt, ein Plus von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.