Das Onlinekreditportal Finanzcheck.de gehört bald zum Internetkonzern Scout24. Die Berliner kaufen die Hamburger für 285 Millionen Euro.

Finanzcheck.de

18.07.18
Deals

Scout24 kauft Finanzcheck.de für 8x Umsatz

Scout24 übernimmt den Kreditvermittler Finanzcheck.de. Der Onlineportalbetreiber greift für die Hamburger tief in die Tasche – und hofft im Gegenzug auf erhebliches Wachstum.

Der Internetkonzern Scout24 schlägt am M&A-Markt zu und kauft Finanzcheck.de, den Betreiber des gleichnamigen Onlineportals zur Vermittlung von Konsumentenkrediten. Wie Scout24 mitteilt, zahlen die Münchener 285 Millionen Euro, frei von Barmitteln und Schulden. Verkäufer sind die Finanzinvestoren Acton Capital Partners, BTOV Partners, Highland Europe, Harbour Vest Europe sowie Finanzcheck-Gründer und -CEO Moritz Thiele und andere Investoren.

Damit greift Scout24, das die Verkaufsportale „Autoscout24“ und „Immobilienscout24“ betreibt, für den M&A-Deal tief in die Tasche. Denn obwohl Finanzcheck.de eines der bekanntesten deutschen Start-ups ist, kam es im zurückliegenden Geschäftsjahr nur auf einen Umsatz von gut 35 Millionen Euro – gerade ein Achtel des Kaufpreises. Gemessen am erwartetet Finanzcheck-Umsatz für 2018 rechnet Scout24 immer noch mit einem Umsatz-Multiple von 6,8x auf seinen Kaufpreis.

Finanzcheck-Deal soll für Wachstum sorgen

Dass Scout24 bereit ist, einen so hohen Betrag zu zahlen, hat vor allem zwei Gründe. Zum einen ist Finanzcheck.de in den vergangenen drei Jahren im Schnitt um 35 Prozent gewachsen.

Zum anderen erhoffen sich die Münchener, den Geschäftsbereich Konsumentenservices mit dem Zukauf signifikant zu stärken. Dadurch könnte Scout24 seinen Kunden künftig beim Kauf eines Autos oder einer Immobilie direkt den passenden Kredit anbieten. „So können wir ihnen bei der Vermittlung von Fahrzeugfinanzierungen an Verbraucher helfen, um die gesamte Transaktion zu erleichtern“, lässt sich Christian Gisy, Finanzvorstand von Scout24, zitieren.

In dieser Vermittlung sehen die Bayern offenbar große Wachstumsmöglichkeiten. Laut Scout24 werden 40 Prozent der Gebrauchtwagen teilweise oder vollständig finanziert. Davon will Scout24 im Bereich Consumer Services profitieren – und den Umsatz dort perspektivisch auf 250 Millionen Euro im Jahr mehr als verdoppeln. Zudem rechnet Scout24 mit Synergiepotential in Höhe von 12 Millionen Euro pro Jahr.

FINANCE-Köpfe

Christian Gisy, Scout24 AG

Nach dem Studium arbeitet Gisy zunächst als Wirtschaftsprüfer bei Warth & Klein in Düsseldorf. 1997 wird er Direktor im Bereich Equity Capital Markets bei der WestLB Panmure.

Im Juli 2000 wechselt er auf die Unternehmensseite und wird Finanzvorstand bei dem Fernsehsender Viva Media AG. Im November 2006 wechselt Gisy als CFO zur Kinokette Cinemaxx in Hamburg, knapp zwei Jahre später übernimmt er im Oktober 2008 den Vorstandsvorsitz von Cinemaxx. Während dieser Zeit begleitet er die Restrukturierung der Kinokette.

Nach dem Verkauf an die britische Vue Entertainment wird Cinemaxx im Februar 2014 von der Börse genommen. Gisy, der zunächst noch als Managing Director der Cinemaxx Holdings GmbH an Bord bleibt, wechselt im Herbst desselben Jahres zu Scout24, um den Börsengang des Unternehmens zu begleiten. 

Dieser gelingt im Oktober 2015. Anschließend streift CFO Gisy die Buy-out-Finanzierung Stück für Stück und führt das Unternehmen in den Bereich des normalen Bankkredits. Teil der neuen Kredite ist auch eine M&A-Linie, die Scout im Sommer 2018 nutzt, um für 285 Millionen Euro das Kreditportal Finanzcheck.de zu erwerben. Im Zuge des Rückzugs von CEO Gregory Ellis kündigt auch Gisy im September 2018 an, seinen im September 2019 endenden CFO-Vertrag bei Scout 24 nicht verlängern zu wollen.

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Scout24-Aktie springt auf Allzeithoch – und stürzt ab

Die Aktionäre kauften die Vision des Scout24-Managements zunächst: Am Montagmorgen sprang die Aktie auf ein neues Allzeithoch von 48,50 Euro. Im Verlauf des Vormittags stürzten die Papiere dann aber auf unter 45 Euro ab. Dies dürfte daran liegen, dass Scout24 auf Grund der Konsolidierung des defizitär wirtschaftenden Neuerwerbs sein Margenziel für das Gesamtjahr von rund 57 auf etwa 55 Prozent reduzieren muss. 

Ein weiterer Grund: Die Verschuldung von Scout24 steigt durch den Finanzcheck.de-Kauf wieder an: Bei einem Umsatz von 123 Millionen Euro erwirtschafteten die Münchener im ersten Quartal 2018 einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 60 Millionen Euro. Die Nettofinanzverschuldung betrug mit 564 Millionen noch das 2,2-fache des Ebitda. Die Übernahme wird den Leverage voraussichtlich auf das Dreifache des Ebitda treiben. CFO Gisy will anschließend aber wieder zügig entschulden: Langfristig visiert Scout24 eine Leverage-Ratio zwischen 1x und 1,5x Ebitda an.

Scout 24 zapft für M&A-Deal Kredit an

Den Finanzcheck-Deal finanziert Scout24-CFO Gisy über einen 2016 abgeschlossenen Konsortialkredit. Dieser besteht aus einem Term Loan über 600 Millionen Euro sowie aus einer revolvierenden Linie über 200 Millionen Euro. Der zu zahlende Zins sinkt bei abnehmender Verschuldung, dürfte nun also wieder etwas steigen.

Maximal zahlt Scout24 für den Kredit 2 Prozent zuzüglich des Referenzzinses Euribor, erklärte Finanzleiter Michael Klemund im März gegenüber der FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer. Diese Struktur habe das Finanzteam gewählt, um möglichst flexibel eventuelle Zukäufe stemmen zu können, erklärte er damals – was sich nun bei der Übernahme von Finanzcheck.de als hilfreich erweist.

Die seit 2015 börsennotierte Scout24 musste sich in den vergangenen Jahren zunächst stark entschulden. Im März 2014 übernahmen die Finanzinvestoren Hellman & Friedmann und Blackstone den Internetkonzern von der Deutschen Telekom. Die Private-Equity-Häuser lasteten Scout24 seinerzeit eine klassische Leveraged-Buy-out-Finanzierung auf, die die Nettofinanzverschuldung zwischenzeitlich auf mehr als das 5,7-fache des Ebitda anschwellen ließ.

Auf Scout24 lasteten Schulden von 5,7x Ebitda.

Im Rahmen des Finanzcheck.de-Deals wurde Scout24 von McKinsey, BDO, Willkie Farr & Gallagher und von Credit Suisse beraten. Finanzcheck und dessen Gesellschafter wurden bei der Transaktion von Macquarie als exklusiver Financial Adviser und Leo Schmidt-Hollburg Witte & Frank als Legal Adviser begleitet. Ernst & Young und EY Parthenon waren ebenfalls als Berater an Bord.

Das Closing des Deals steht wie üblich unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung und wird in den nächsten vier bis sechs Wochen erwartet.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Update (19.07.18, 10 Uhr): Scout24 hat mittlerweile bekannt gegeben, seine Kreditlinie vorzeitige refinanziert zu haben. Das neue Finanzierungspaket umfasst ein Volumen von 1 Milliarde Euro und besteht aus einem Darlehen in Höhe von 300 Millionen Euro, einer revolvierenden Kreditlinie in Höhe von 200 Millionen Euro, die derzeit in Höhe von 70 Millionen Euro in Anspruch genommen ist, sowie einer dedizierten revolvierenden Akquise-Kreditlinie im Volumen von 500 Millionen Euro. Mit Inkrafttreten des neuen Konsortialkredits wird Scout24 für das Darlehen einen anfänglichen Zinssatz von 1,15 Prozent sowie 0,85 beziehungsweise 0,80 für die jeweiligen revolvierenden Kreditlinien zahlen, auf Basis des Verschuldungsgrades von 2,2x Ebitda zum Ende des ersten Quartals 2018.

Alles wichtige zur Karriere vom Scout24-CFO finden Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Christian Gisy.