Der Ölriese Shell kauft Sonnen. Der Energiespezialist aus dem Allgäu wird damit eine 100-Prozent-Tochter der Briten.

Shell / Luiz G. Xavier

15.02.19
Deals

Shell kauft Vorzeige-Start-up Sonnen

Der Ölkonzern Shell schnappt sich Sonnen, das deutsche Vorzeige-Start-up der Energiebranche. Für eine ganze Reihe von prominenten Wagniskapitalgebern heißt das: Exit.

Gute Nachrichten für die Risikokapitalgeber von Sonnen: Der britische Ölriese Shell hat sich entschieden, das 2010 gegründete Start-up-Wunderkind der deutschen Energiebranche komplett zu schlucken. Zum Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Vorbehaltlich der Zustimmung der Aufsichtsbehörden erwartet Sonnen einen Abschluss des Deals noch dieses Quartal.

Das Wachstumsunternehmen mit Sitz im Oberallgäu bietet unter anderem intelligente Batterien an, die selbst produzierte Sonnenergie speichern und so steuern, dass die Haushalte den Großteil des eigenproduzierten Stroms selbst verbrauchen können. Sonnen hat auch eine Technologie entwickelt, mit der sich kleine Stromerzeuger zu lokalen Stromnetzen und –speichern zusammenschließen können – ein System, das vor allem dann großes Potential verspricht, wenn im großen Stil E-Autos auf den Markt kommen, die als Batteriespeicher genutzt werden können.

ČEZ, GE und ein PE-Veteran verabschieden sich

Das Geschäftsmodell von Sonnen hat in den zurückliegenden Jahren ein kleines Who-is-Who an Venture-Capital-Investoren der Energiebranche angezogen. Allein seit 2013 hat Sonnen  in vergangenen Finanzierungsrunden rund 160 Millionen Euro eingesammelt, wie ein Sprecher des Unternehmens auf FINANCE-Anfrage bestätigte. Davon gehen mindestens 136 Millionen Euro auf zwei größere Finanzierungsrunden aus den Jahren 2016 (76 Millionen) und 2018 (60 Millionen) zurück. Shell selbst stieg erst im Mai vergangenen Jahres ein.

Zu den Teilhabern des Energie-Start-ups zählen deutsche Tech-Spezialisten wie eCapital und Munich Venture Partners. Prominenter sind aber die Energiekonzerne, die mit kleinen Investments versuchten, sich Einblick in die Sonnen-Strategie zu verschaffen. Zu den Gesellschaftern zählen die Venture-Capital-Arme der Energie- und Strommarktriesen General Electric (GE Ventures), ČEZ (Inven Capital) sowie der chinesische Stromkonzern Envision Energy. Auch der bekannte Private-Equity-Manager Thomas Pütter, viele Jahre Chef der PE-Gesellschaft Allianz Capital Partners und Chef des Branchenverbands BVK, hat Geld in Sonnen investiert.

Shell baut an seiner Division „New Energies“

Für sie alle bedeutet der Vorstoß von Shell nun den Exit aus ihrem Investment. Für Shell ist die Transaktion Teil der Strategie, zukunftsträchtige Geschäfte im Strombereich zu einer tragenden Säule des Konzernportfolios zu machen. Auch in Ladestationen für Elektroautos investiert Shell Mittel in signifikanter Höhe. Sonnen wird künftig ein Teil der Shell-Division „New Energies“ sein.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de