Osram

05.10.17
Deals

Siemens trennt sich von milliardenschwerem Osram-Anteil

Für 1,2 Milliarden Euro hat Siemens Aktien der früheren Tochter Osram verkauft. Die Aktionäre des Lichtspezialisten reagieren enttäuscht – sie hatten auf eine Übernahme aus China gehofft.

Der Münchener Elektronikkonzern Siemens löst seine Beteiligung an dem Leuchtenhersteller Osram auf. So hat Siemens in der Nacht zum heutigen Donnerstag im Zuge einer beschleunigten Platzierung 18 Millionen Aktien im Wert von rund 1,2 Milliarden Euro institutionellen Investoren angedient.

Siemens hatte zuletzt 17,5 Prozent an der Lichttochter gehalten, jetzt dürften es unter 0,5 Prozent sein. Denn Siemens behält einen kleinen Teil seiner Osram-Beteiligung, damit der Dax-Konzern eine Optionsanleihe bedienen kann, die 2019 ausläuft.

Spannungen prägen Beziehung von Osram und Siemens

Osram bedankte sich in einer Mitteilung bei Siemens für die Rolle als Ankeraktionär. Doch das Verhältnis zwischen den beiden Unternehmen war lange Zeit alles andere als gut. Im Herbst 2015 war ein Streit zwischen Osram-CEO Olaf Berlien und Großaktionär Siemens über die künftigen Pläne ausgebrochen. Berlien wollte sich auf die Produktion von LED-Leuchten konzentrieren und hierfür ein großes Werk in Asien bauen. Siemens hingegen wollte am traditionellen Lichtgeschäft festhalten.

Der Konflikt gelangte bis ins CFO-Ressort. Dort saß der langjährige Siemensianer Klaus Patzak, der sich auf die Seite der Mutter stellte. Auf der Hauptversammlung im Frühjahr 2016 kam es zum Eklat: Siemens unterstützte Finanzchef Patzak, verweigerte Osram-Chef Berlien hingegen die Entlastung.

Wenige Wochen später verließ Patzak Osram aufgrund der Strategiedebatte. Er ist mittlerweile Finanzvorstand des Baukonzerns Bilfinger.

Osram-Aktionäre reagieren enttäuscht auf Siemens-Verkauf

Mit dem neuen Osram-Finanzchef Ingo Bank, der zuvor viele Jahre für den Konkurrenten Philips Lighting gearbeitet hatte, holte sich Berlien einen Manager an Bord, der hinter der Strategie steht. „Ich halte unseren Plan 100-prozentig für den richtigen“, sagte Bank Anfang des Jahres gegenüber FINANCE. Osram hatte sich kurz nach Banks Dienstantritt im Juli 2016 vom klassischen Lampengeschäft getrennt.

Seither hat sich Osrams zwischenzeitlich strauchelnder Aktienkurs gut entwickelt. Alleine in diesem Jahr hat die Aktie um 35 Prozent zugelegt und notiert derzeit bei knapp 65 Euro. Seit dem Börsengang 2013 hat sich der Kurs sogar verdreifacht. Davon profitiert Siemens jetzt.

Die Osram-Aktionäre nehmen den Aktienverkauf durch Siemens schlecht auf. Die Papiere des Lichtspezialisten verloren am Donnerstagvormittag 3,5 Prozent und sind damit das Schlusslicht im MDax. Hintergrund: Die Osram-Eigner hatten auf eine Übernahme gehofft – etwa durch den chinesischen Halbleiterkonzern Sanan Optoelectronics. Durch die Siemens-Platzierung erscheint diese Variante jetzt unwahrscheinlich.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Über die Niederlande in die Vereinigten Staaten nach München. Der neue Osram-CFO ist viel herumgekommen. Erfahren Sie mehr über den Rheinländer auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Ingo Bank. Ein ausführliches Porträt von Bank finden Sie in der FINANCE Januar/Februar 2017, die Sie hier als E-Paper herunterladen  können.