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22.02.18
Deals

Softwarebranche treibt den deutschen M&A-Markt

Deutsche IT-Unternehmen sind nicht nur selbst auf Wachstumskurs, sie sind häufig auch attraktive Übernahmeziele. Mit ihrer hohen Aktivität prägen sie aktuell den deutschen M&A-Markt, zeigen die Ergebnisse des FINANCE M&A Panels.

Der deutsche M&A-Markt bleibt sehr aktiv – und verdankt dies in hohem Maße Unternehmen aus der IT- und Softwarebranche. Das zeigen die Ergebnisse des aktuellen FINANCE M&A Panels, für das FINANCE zusammen mit der Wirtschaftskanzlei CMS leitende Mitarbeiter aus den M&A-Abteilungen deutscher Unternehmen anonym befragt hat.

Unternehmen aus der Softwarebranche wollen zum einen ihr eigenes Wachstum durch Übernahmen beschleunigen, zum anderen sind sie aber auch selbst attraktive Ziele für Unternehmen aus anderen Branchen.

Drei Kernergebnisse des FINANCE M&A Panels

„Sowohl strategische Investoren als auch Finanzinvestoren sehen die starken Trends zur Digitalisierung und Automatisierung und versuchen, diesen durch Zukäufe Rechnung zu tragen“

Oliver Wolfgramm, CMS

IT- und Softwarebranche am aktivsten

Die Panel-Teilnehmer bewerten die M&A-Aktivität von Unternehmen der IT- und Softwarebranche derzeit mit dem Wert 7,67 (10 = sehr aktiv). Damit liegt die Branche deutlich vor Unternehmen aus den Bereichen Pharma- und Healthcare (7,28) sowie dem Dienstleistungssektor (7,07).

Dass IT-Unternehmen am M&A-Markt besonders in Erscheinung treten, dürfte auch daran liegen, dass viele Unternehmen sich derzeit mit den Herausforderungen der Digitalisierung auseinandersetzen. Die Erweiterung ihres Produkt- und Technologieportfolios ist für die befragten M&A-Verantwortlichen in deutschen Unternehmen derzeit einer der zentralen Dealtreiber.

„Sowohl strategische Investoren als auch Finanzinvestoren sehen die starken Trends zur Digitalisierung und Automatisierung und versuchen, diesen durch Zukäufe Rechnung zu tragen“, beobachtet auch Oliver Wolfgramm, Partner bei der Wirtschaftskanzlei CMS.

Kaufpreise auf Rekordniveau

Die Suche nach geeigneten Targets ist allerdings schwierig, es herrscht ein eindeutiger Verkäufermarkt. Die geringe Anzahl an potentiellen Übernahmezielen führt zu hohen Kaufpreisen in vielen Sektoren. Die Teilnehmer des M&A-Panels stimmen der These, dass in vielen Branchen überhöhte Kaufpreise verlangt werden, mit dem Wert 8,73 zu (Wert 10 = vollkommene Zustimmung). Dies ist der höchste Wert im gesamten Befragungszeitraum des Anfang 2011 erstmals aufgelegten Panels. Diese Einschätzung teilt auch M&A-Experte Wolfgramm: „Insbesondere in den aktiveren Branchen rechnen wir mit einem anhaltenden Verkäufermarkt und konstant steigenden Preisen.“

Das hohe Preisniveau lässt nach Ansicht der Befragten viele M&A-Deals scheitern. Die M&A-Verantwortlichen in Unternehmen schätzen abweichende Preisvorstellungen als den derzeit wichtigsten Dealbreaker ein. Auf einer Skala von 1 (= unwichtig) bis 10 (= sehr wichtig) lautet die Bewertung 8,00.

Die hohen Preise lassen die M&A-Chefs genau hinsehen – und viele Transaktionen kommen auch deshalb nicht zum Abschluss. Als zweitwichtigsten Dealbreaker nennen die Befragten den Umstand, dass ein Übernahmeziel sich im M&A-Prozess oft als weniger attraktiv herausstellt als ursprünglich gedacht.

„Entscheidend bei einer Exklusivitätsvereinbarung ist es, diese zeitlich zu befristen, um gegebenenfalls auch andere Interessenten noch ansprechen zu können.“

Thomas Meyding, CMS

Exklusivität spielt größere Rolle

Um bei der geringen Zahl an Übernahmezielen die Chancen auf den Abschluss zu verbessern, setzen Käufer stärker auf exklusive Verhandlungen mit Targets. Im Vergleich zum Vorjahr halten 41 Prozent der befragten Corporate-M&A-Chefs diesen Aspekt für wichtiger.

Thomas Meyding, Partner bei CMS, sieht den Wunsch nach exklusiven Verhandlungen vor allem bei stark umworbenen Unternehmen. Aus Verkäufersicht seien exklusive Verhandlungen jedoch mit Vorsicht zu genießen: „Entscheidend bei einer Exklusivitätsvereinbarung ist es, diese zeitlich zu befristen, um gegebenenfalls auch andere Interessenten noch ansprechen zu können.“ Hier sollten sich die Verkäufer Meydings Rat zufolge alle Optionen offenhalten.  

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

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