Vor der Übernahme von Innogy durch E.on ist die Innogy-Belegschaft unruhig.

Innogy

18.04.18
Deals

Wegen E.on-Übernahme: Unruhe bei Innogy

Vor der Übernahme durch E.on rumort es in der Innogy-Belegschaft. Auch das Bundeskartellamt will sich Teile des Milliardendeals noch einmal ansehen.

Die anstehende Filetierung des Energiekonzerns Innogy durch den Mutterkonzern RWE und den Konkurrenten E.on sorgt für massive Unruhe in der Innogy-Belegschaft. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, hat Innogy-Chef Uwe Tigges daher vor drei Wochen Kontakt zu E.on-CEO Johannes Teyssen gesucht und sich mit ihm getroffen.

Tigges pocht dem Bericht zufolge vor allem auf eine Rahmenvereinbarung, die die Integration von Innogy in den Wettbewerber regeln soll. Zentrales Anliegen: E.on soll verbindlich auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Gegenüber FINANCE bestätigte ein Innogy-Sprecher die Gespräche, aufgrund der Vertraulichkeit könne man auf Details aber nicht eingehen.

Innogy-Deal: E.on-Chef Teyssen stellt Gegenforderungen

Mit dem Grundlagenpapier will Tigges offenbar die eigene Belegschaft beruhigen. E.on-Chef Teyssen hat durchblicken lassen, gut 5.000 der 70.000 Stellen des neuen Unternehmens abbauen zu wollen. Innogy-Mitarbeiter befürchten, dass vor allem E.on-Angestellte ihre Jobs behalten dürfen, da diese in dem neuen Konzern bevorzugt würden. Die Chancengleichheit der übernommenen Mitarbeiter soll Tigges ein wichtiges Anliegen sein. Auch der Betriebsrat von Innogy ist in diese Richtung aktiv geworden und hat damit begonnen, die Innogy-Mitarbeiter zu mobilisieren.

E.on-CEO Teyssen soll einer Rahmenvereinbarung grundsätzlich positiv gegenüberstehen. Allerdings will er laut Informationen des „Handelsblatts“ gerade beim Punkt der Kündigungen nicht nachgeben. Zudem habe E.on Gegenforderungen gestellt, die die Mitsprache des Innogy-Managements im M&A-Prozess früh beschneiden würden. Die Fronten scheinen verhärtet.

Kartellamt schaut sich Innogy-Filetierung an

Die Innogy-Mutter RWE und E.on hatten im März verkündet, dass man die im Herbst 2016 an die Börse gegangene Tochter untereinander aufteilen wolle. Durch die Transaktion wird der deutsche Strommarkt in großen Teilen umgekrempelt und neu aufgestellt. 

„Wettbewerblichen Auswirkungen im Bereich EEG, Netze und Vertrieb sind überschaubar.“

Andreas Mundt, Präsident, Bundeskartellamt

Der komplexe M&A-Deal sieht vor, dass RWE zunächst seine verbliebenen 76,8 Prozent an der Ökostromtochter Innogy an E.on verkauft und im Gegenzug eine Beteiligung von 16,7 Prozent an E.on erhält. Anschließend will RWE die Erneuerbare-Energien-Geschäfte von Innogy und E.on übernehmen. Bei der Transaktion werden insgesamt Vermögenswerte im mittleren zweistelligen Milliardenbereich verschoben. E.on wird so zum Energiedienstleister, während RWE ein Gigant in der deutschen Stromerzeugung wird.

Erhebliche kartellrechtliche Probleme sind trotz der Deal-Größe nicht zu erwarten, erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt am gestrigen Dienstag: „Ich glaube, die wettbewerblichen Auswirkungen im Bereich EEG, Netze und Vertrieb sind überschaubar.“ Aus Sicht der Kartellwächter „interessant“ sei aber der Markt der konventionellen Stromerzeugung. RWE ist dort mit einem Anteil von 33 Prozent schon jetzt der klare Marktführer auf dem Erstabsatzmarkt für Strom. Zusammen mit den von Innogy und E.on übernommenen Kapazitäten würde die Marktstellung der Essener noch dominanter werden.

Die Fusion ist bislang aber noch nicht zur Kartellfreigabe angemeldet worden. Zuständig wäre dann – auf Grund des hohen Umsatzvolumens der Fusionspartner –  voraussichtlich die EU-Kommission. Da die Transaktion komplex ist, könne sich das Bundeskartellamt aber Teilbereiche anschauen, so Mundt. Mit dem Abschluss des M&A-Deals wird frühestens Ende 2019 gerechnet.

jakob.eich[at]finance-magazin.de