15 Jahre Erfahrung mit M&A-Deals, vier Kinder – CFO Nikolaus Weinberger passt gut zum Online-Händler Windeln.de.

Windeln.de

25.08.15
Deals

Windeln.de-CFO: „Wollen in Europa flächendeckend sein“

15 Jahre Erfahrung mit M&A-Deals, vier Kinder – CFO Nikolaus Weinberger passt gut zum Online-Händler Windeln.de. Im Interview mit FINANCE erklärt er seine Zukaufsstrategie.

Nikolaus Weinberger hat Erfahrung mit M&A-Deals. Weinberger, seit April Finanzchef von Windeln.de, hat 15 Jahre lang als Investmentbanker bei Goldman Sachs Konzerne bei Transaktionen beraten. Jetzt will er genau diese Expertise nutzen, um den Online-Händler groß zu machen.

Vor wenigen Wochen hat Windeln.de den spanischen Wettbewerber Bebitus gekauft. Mit diesem Deal will Windeln.de sich nicht nur auf der iberischen Halbinsel, sondern auch in Frankreich ausbreiten. Im April hatte das Unternehmen schon den tschechischen Konkurrenten Feedo übernommen, um so die Tschechische Republik, Polen und Slowenien zu durchdringen.

Windeln.de-CFO Weinberger: Expansion nach Griechenland möglich

„Wir wollen in Kontinentaleuropa möglichst flächendeckend vertreten sein“, fasst Weinberger die Strategie im Interview mit FINANCE zusammen. „Uns fehlen unter anderem noch die Benelux-Länder, weitere osteuropäische Länder wie Ungarn, oder auch Skandinavien.“ Auch eine Expansion nach Griechenland schließe er nicht aus. Zukaufen will der CFO da, wo sich ein passendes Ziel auftut – andernfalls sei auch das organische Wachstum immer eine Option, um neue Märkte zu erschließen. So hat Windeln.de es etwa in Italien gemacht.

Welche Voraussetzungen muss ein Unternehmen erfüllen, um für Windeln.de interessant zu sein? Zunächst mal ist eine gewisse Größe wichtig, sagt Weinberger: „Unsere Zielunternehmen müssen eine starke Marktposition haben.“ Feedo hatte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 4 Millionen Euro, bei Bebitus werden in diesem Jahr 15 Millionen Euro erwartet.

Auch wichtig ist für Weinberger, dass die Gründer und Manager der Start-ups zu Windeln.de passen – „weil wir das Ziel haben, dass sie das Unternehmen auch nach der Übernahme führen“, sagt er. „Denn in unserem Geschäftsmodell ist die lokale Expertise tatsächlich sehr relevant.“

Weinberger schaut auf Targets, wie Investoren auf Windeln.de schauen

Windeln.de ist Anfang Mai an die Börse gegangen, die Kursentwicklung seitdem war enttäuschend. So ist die Aktie des Start-ups, die zu einem Preis von 18,50 Euro an die Börse kam, gestern am schwarzen Montag erstmals sogar unter die 10-Euro-Marke gefallen. Dass der Markt das Unternehmen nicht allzu gut bewertet, nutzt Weinberger als Argument, um selbst nicht zu viel für Zielunternehmen auszugeben.

„Wir schauen auf Targets so, wie die Investoren zurzeit auf uns schauen“, sagt der CFO. Windeln.de werde mit knapp dem 1-fachen des für 2015 erwarteten Umsatzes bewertet.  „Das berücksichtigen wir, wenn wir uns Akquisitionen anschauen.“ Nur wenn Zielunternehmen entweder besonders profitabel seien oder ein besonders hohes Wachstumspotential hätten, würde Windeln.de unter Umständen mehr bezahlen.

Für den spanischen Wettbewerber Bebitus hat Windeln.de zuerst mal nur 5 Millionen Euro auf den Tisch gelegt – ein Drittel des erwarteten Umsatzes für 2015. Allerdings legt Weinberger drauf, wenn Bebitus bis 2017 bestimmte Ziele erreicht. Wächst der Umsatz etwa bis dahin um drei Viertel auf 45 Millionen Euro, erhöht Windeln.de den Kaufpreis auf das 0,8-fache des Umsatzes von 2017.

Weinberger schraubt Kinderzahl bei Windeln.de in die Höhe

„Wir machen beim Kaufpreis viel von der Erreichung von Zielgrößen abhängig, weil wir Verkäufer incentivieren wollen“, erklärt Weinberger die Denkweise hinter diesen Vereinbarungen. „Unsere Zielgrößen orientieren sich nicht nur am Umsatz, sondern auch am Liquiditäts- und Kapitalbedarf.“

Windeln.de hat genug Geld in der Hinterhand, um weitere Unternehmen zuzukaufen und organisch zu wachsen, sagt Weinberger: „Wir haben zirka 100 Millionen Euro Cash aus dem Börsengang, außerdem bereits um die 25 Millionen Euro aus der Zeit davor. Dazu haben wir Kreditlinien in Höhe von 14 Millionen Euro.“ Zudem habe das Unternehmen die Möglichkeit, Zukäufe mit Aktien zu bezahlen.

Weinberger ist bei Windeln.de seit April das dritte Vorstandsmitglied neben den Gründern Konstantin Urban und Alexander Brand. Zum Netto-Nachwuchsaufkommen des Start-ups trägt der Zahlenmeister überproportional bei: Vier der acht Vorstandskinder gehen auf das Konto des 41-Jährigen.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

Lesen Sie mehr über die Vita und Karriere des Windeln.de-CFOs im FINANCE-Köpfe-Profil von Nikolaus Weinberger.