Nikolaus Weinberger ist seit April 2015 CFO von Windeln.de.

Windeln.de

11.08.15
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Windeln.de kauft spanischen Wettbewerber Bebitus

Der Online-Händler Windeln.de kauft weiter in Europa zu: Zunächst gibt CFO Nikolaus Weinberger 5 Millionen Euro für den spanischen Konkurrenten Bebitus aus. Wächst der E-Shop wie geplant, könnte sich der Kaufpreis aber vervielfachen.

Der Online-Händler Windeln.de kauft weiter seine heranwachsenden europäischen Wettbewerber auf. Das Unternehmen, das vor drei Monaten an die Börse ging, hat Bebitus aus Spanien übernommen. Bebitus verkauft Baby-Zubehör an Kunden im eigenen Land, aber auch in Frankreich und Portugal.

Für das Unternehmen, das in diesem Jahr einen Umsatz von 15 Millionen Euro erwartet, hat Windeln.de zunächst 5 Millionen Euro aus seinen Barmitteln bezahlt. Erreicht der Händler aber bis zum Jahr 2017 bestimmte Wachstumsziele, lässt Windeln.de sich die Übernahme deutlich mehr kosten und finanziert sie durch die Ausgabe neuer Aktien. 

Wächst Bebitus rasant, zahlt Windeln.de mehr

Eins dieser Ziele dreht sich um den Umsatz: Wenn Bebitus bis 2017 pro Jahr um 75 Prozent wächst, würde Windeln.de durch die Ausbezahlung von Earn-out-Zusagen sogar das 0,8-Fache des Umsatzes für 2017 hinblättern. Erreicht Bebitus diese Wachstumsrate, würde sich der Umsatz 2017 auf über 45 Millionen Euro belaufen. Dann würde sich der Kaufpreis auf rund 37 Millionen Euro belaufen – ein Vielfaches des Basis-Kaufpreises.

Das Modell spiegelt wieder, wie unterschiedlich Gründer und Investoren auf Start-ups blicken: Guillem Sanz, der als Gründer und Verkäufer von Bebitus weiter Unternehmenschef bleibt, hält allem Anschein nach ein rasantes Wachstum seines Shops für möglich. Windeln.de als Käufer dürfte eine zwar auch optimistische, aber nüchternere Sicht auf die Zukunft des Start-ups haben. Mit der Abmachung dürften die Deutschen darauf abzielen, Sanz zu motivieren – ohne einen allzu überhöhten Kaufpreis zu bezahlen, wenn seine Wachstumsfantasie nicht eintritt.

Windeln.de kauft Marktführer und baut sie auf

Windeln.de setzt mit dem Kauf seine Strategie fort, die nationalen Marktführer im Onlinehandel für Windeln und Babyzubehör zu kaufen und sie zunächst isoliert großzuziehen. Später könnte Windeln.de die einzelnen E-Shops dann über eine gemeinsame Logistik und IT-Plattform enger miteinander verzahnen. Im April hat Windeln.de bereits den tschechischen Wettbewerber Feedo gekauft. Außerdem ist das Unternehmen mit zwei E-Shops in der Schweiz präsent und zieht gerade auch ein Italiengeschäft hoch.

Windeln.de ist seit Mai an der Börse notiert. Die Aktie hat seitdem schlecht abgeschnitten – mit 12,20 Euro liegt sie derzeit deutlich unter dem Ausgabekurs von 18,50. Das Wachstum des Unternehmens ist indes auf Kurs: Für das erste Quartal konnte Ex-Investmentbanker Nikolaus Weinberger, seit April CFO, ein Umsatzwachstum von 87 Prozent auf 35,6 Millionen Euro verkünden.

Eine Frage, die sich Investoren stellen dürften, ist, wann Windeln.de unterm Strich Geld verdient. Im ersten Quartal 2015 lag der bereinigte Verlust vor Steuern und Zinsen noch bei 1,28 Millionen Euro. Das Deutschlandgeschäft ist bereits profitabel, aber der Aufbau der Auslandsgeschäfte lastet auf den Margen.

Genügend Geld, um weiter zuzukaufen und auch europaweit die kritische Größe für den Sprung in die Gewinnzone zu erreichen, hat Windeln.de. Der Börsengang hat die Firmenkasse mit 93 Millionen Euro gefüllt, so dass das Unternehmen jetzt rund 126 Millionen Euro liquide Mittel zur Hand hat.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de