Aurelius will mit einem neuen Fonds in ein höheres Segment investieren.

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19.04.21
Deals

Aurelius wird zum Midcap-Investor

Der Turnaround-Investor Aurelius erweitert mit einem neuen Fonds sein Investitionsprofil. 500 Millionen Euro stehen bereit, um klassischen Mittelstandsfonds Konkurrenz bei Konzern-Spin-offs zu machen.

Aurelius geht mit einem neuen, zusätzlichen Fonds an den Start. Wie der Finanzinvestor am heutigen Montag bekanntgab, wurde das Fundraising für den neuen Fonds bei einem Volumen von 500 Millionen Euro abgeschlossen. Unterstützt wurde Aurelius dabei von dem Placement-Berater Campbell Lutyens sowie von KPMG und Linklaters. Das Geld soll für Turnaround-Transaktionen in Europa ausgegeben werden.

Die 500 Millionen Euro setzen sich aus 350 Millionen Euro von externen Investoren sowie 150 Millionen Euro Eigenkapital zusammen, die der börsengehandelte Investmentarm Aurelius Equity Opportunities zu dem neuen Fonds beisteuert. Zu den Investoren zählen laut Aurelius unter anderem US-amerikanische und europäische Universitätsstiftungen, Pensionsfonds, Versicherungsgesellschaften und Family Offices.

Aurelius stemmt rein virtuelles Fundraising

Nach Darstellung des Investmenthauses soll besonders das virtuelle Fundraising herausfordernd gewesen sein. „Einen neuen Private-Equity-Fonds während dieser Pandemie aufzusetzen, ohne die Investoren persönlich treffen zu können, hat uns vor komplexe Herausforderungen gestellt“, berichtet Dirk Markus, Gründungspartner von Aurelius.

Insgesamt habe Aurelius aber dennoch nur eine Finanzierungsrunde und vier Monate gebraucht, um das Projekt abzuschließen. Das Interesse der potenziellen Zeichner sei groß gewesen, Aurelius aber diszipliniert geblieben: „Trotz einer deutlichen Überzeichnung des Fonds hat sich Aurelius entschieden, das Fondsvolumen auf 350 Millionen Euro zu begrenzen, um die Investitionsdisziplin aufrechtzuerhalten und die starke Erfolgsbilanz zu bewahren“, sagt Markus.

Viele PE-Häuser bekommen neuen Wettbewerber

Beim Investmentstil bleibt Aurelius auch mit dem neuen Fonds dem traditionellen Fokus treu: Fließen soll das Geld in Konzernabspaltungen und in Unternehmen, die sich „in einer Transformation befinden“. Neu ist jedoch die Größenordnung: Bis zu 100 Millionen Euro Eigenkapital pro Investment plant Aurelius europaweit zu investieren. Die primäre Wertsteigerungsstrategie soll auch beim neuen Fonds „operative Verbesserung statt Leverage“ sein, wie Aurelius erklärt.

Trotz des konstanten Fokus markiert das erfolgreiche Fundraising für Aurelius eine deutliche Weiterentwicklung. Bisher haben sich die Münchener klar als Small-Cap-Investor positioniert. Viele Deals erforderten überhaupt kein Eigenkapitalinvestment, weil die abgebenden Konzerne dem Käufer Aurelius sogar einen Zuschuss mitgaben, um die problematischen Konzerntöchter loszuwerden.

Mit Investments im niedrigen dreistelligen Millionenbereich bei deutlich profitablen Unternehmen konkurriert Aurelius künftig mit bekannten, paneuropäischen Mittelstandsinvestoren wie Equistone, Silverfleet, Waterland und vielen anderen. Insbesondere Fonds, die ebenfalls in komplexe Situationen investieren, müssen sich auf einen neuen Wettbewerber einstellen. Dazu zählen beispielsweise Häuser wie HIG Capital, Oaktree oder Orlando.

Aurelius mit vielen Deals seit Jahresbeginn

Bislang konzentrierte sich die börsennotierte Aurelius Equity Opportunities auf Deals im „Lower Midmarket“ des Private-Equity-Marktes. Das Projekt „Aurelius Growth Investments“ investiert in Small-Cap-Buy-outs und wurde vor einem halben Jahr finanziell ebenfalls deutlich gestärkt. Es investiert in Mittelständler aus der DACH-Region mit einem Umsatz zwischen 10 und 150 Millionen Euro sowie einem Ebitda von 1 bis 20 Millionen Euro. Daneben gibt es noch den Private-Debt-Arm Aurelius Finance Company sowie die Immobiliengesellschaft Aurelius Real Estate Opportunities.

Seit Jahresbeginn legt Aurelius ein hohes Investitionstempo an den Tag. Aurelius kaufte unter anderem das europäische Consumer-Battery-Geschäft von Panasonic sowie den schwedischen Food-Logistiker Bring Frigo.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de