Die Banken spielen wieder mit, die PE-Investoren im deutschen Mittelstand können Gas geben.

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06.06.13
Deals

Banken lösen die Bremsen für PE-Investoren

Die skeptische Grundhaltung der Banken gegenüber Private-Equity-Deals scheint zu verfliegen. Der Zugang der PE-Investoren zu Finanzierungen für Buy-outs im deutschen Mittelstand hat sich im Lauf des Frühjahrs weiter verbessert – und endlich hellen sich auch die Finanzierungsbedingungen auf.

Die Banken lösen die Bremsen für M&A--Deals mit PE-Investoren in Deutschland. In den vergangenen Jahren litten die PE-Investoren stark unter dem schlechten Zugang zu Akquisitionsfinanzierungen und den harschen Kreditauflagen der Banken. Doch die seit gut einem Jahr zu beobachtende Aufhellung des Finanzierungsumfelds gewinnt immer mehr an Dynamik. So schätzen die im Rahmen des aktuellen FINANCE Private Equity Panels vertraulich befragten PE-Investoren den Zugang zu LBO-Finanzierungen mit 5,97 Punkten (1=schlecht, 10=exzellent) um 13 Prozent besser ein als im Februar dieses Jahres. Gegenüber dem Zwischentief vom Februar 2012 beträgt der Anstieg sogar mehr als 50 Prozent.

Und auch die Finanzierungsbedingungen hellen sich für die PE-Investoren nun offenbar auf. In der aktuellen Umfrage beurteilten die FINANCE-Panelisten die Kreditkonditionen der Banken (Zinsen, Dokumentation, Covenants) mit einem Wert von 4,76 Punkten um 20 Prozent attraktiver als noch im Februar. „Bereits in den letzten Monaten waren die Banken bereit, gute Targets zu finanzieren. Dass sich jetzt auch die Konditionen in die richtige Richtung entwickeln, ist ein gutes Zeichen“, glaubt Dr. Tobias Schneider von der Kanzlei CMS Hasche Sigle, die das Private Equity Panel gemeinsam mit FINANCE erhebt. „Das lässt eine Zunahme von abgeschlossenen Transaktionen erwarten – und nicht nur einen ordentlichen Dealflow ohne greifbare Ergebnisse.“

Auch der Finanzierungsberater Marcel Herter, früherer Leveraged-Finance-Chef der Dresdner Bank, glaubt an eine nachhaltige Aufhellung des Finanzierungsumfelds. Er sagt den PE-Investoren und den finanzierenden Banken gar einen zweiten Frühling voraus.

PE-Investoren schielen auf Dienstleister und Healthcare-Anbieter

Damit schließt sich die Lücke in der Wettbewerbsfähigkeit zwischen PE-Investoren und strategischen Käufern bei hart umkämpften M&A-Deals. Vor allem wegen ihres besseren Zugangs zu Finanzierungen und ihrer vollen Kassen hatten sich in den vergangenen Jahren in Deutschland fast immer die Strategen durchgesetzt, wenn ein attraktives M&A-Target am Markt war.

Bei ihren potentiellen Neuinvestments zielen die PE-Investoren unverändert vor allem auf M&A-Targets aus den Branchen Dienstleistungen, Nahrungsmittel und Healthcare. Am unteren Ende der Rangliste rutscht Automotive, wo der Handlungsdruck für Strategen wie für Finanzinvestoren unverändert hoch ist, auf den letzten Platz. Die Autobranche wird nun sogar noch stärker gemieden als Finanzdienstleister und Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien.  

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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