Zelte und deren Verleih sind das Geschäft von Losberger de Boer.

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07.06.19
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Banken statuieren Exempel an Gilde-Beteiligung Losberger

Die Gläubigerbanken des angeschlagenen Zeltbauers Losberger de Boer haben den Eigentümer Gilde, einen Finanzinvestor, hinausgedrängt – ein Vorgeschmack auf kommende Private-Equity-Restrukturierungen?

Losberger de Boer ist finanziell stabilisiert. Der Anbieter von Großzelten und modularen Raumkonzepten aus dem baden-württembergischen Bad Rappenau, dem zeitweise die Insolvenz drohte, hat frische Mittel in Höhe von 70 Millionen Euro erhalten. Zusätzlich soll noch eine Umschuldung dem Mittelständler eine Atempause verschaffen: Das operative Geschäft wurde entschuldet, ein Teil der zu hohen Verbindlichkeiten dafür in eine Holdinggesellschaft verschoben. Diese Darlehen können längerfristig bei positiver Geschäftsentwicklung zurückgezahlt werden. Das Management kann sich damit nun auf den Turnaround konzentrieren.

Bemerkenswert an dem Fall ist die Tatsache, dass klassische Geschäftsbanken trotz der Schieflage das Ruder nicht aus der Hand geben wollten. Häuser wie die SEB, die Oldenburgische Landesbank, die niederländische NIBC, die HSH-Nachfolgerin Hamburg Commercial Bank sowie IKB und RBI entwickelten ein eigenes Konzept, um ihre Kredite zu retten. Derartige Lender-led Solutions waren in den vergangenen Jahren – auch wegen der guten Konjunktur – eher selten. Und in der Regel werden diese auch eher von Hedgefonds initiiert, die die Kredite der „normalen“ Hausbanken unter par gekauft haben. Was war im Fall Losberger de Boer anders?

Gilde hat Banken gegen sich aufgebracht

Ein Insider berichtet gegenüber FINANCE, dass der ehemalige Eigentümer Gilde, ein paneuropäischer Private-Equity-Fonds, die Banken so gegen sich aufgebracht habe, dass diese auf diese ungewöhnliche Lösung umgeschwenkt seien. Gilde hatte Losberger im Jahr 2016 mit dem Ziel gekauft, über Akquisitionen zu wachsen. Ein Jahr später erwarb der Mittelständler dann die niederländische de Boer Gruppe, das Unternehmen wurde umbenannt. Damit stärkte der Zelthersteller das Vermietungsgeschäft, das Losberger bereits in Deutschland betrieben hat – lange Jahre mit großem Erfolg.

Vor Gildes Einstieg hatte Losberger seit 2011 schon einem anderen Private-Equity-Investor gehört – HIG Capital. In dieser Zeit wuchs der Umsatz von 118 auf 250 Millionen Euro, und auch die Gewinne zogen an. HIG Capital bezeichnete Losberger nach dem Ausstieg als „ein sehr erfolgreiches Investment“. Damals, in Zeiten der Flüchtlingskrise, profitierte Losberger auch von einer Sonderkonjunktur. Doch mit dem aggressiven Zukaufskurs des neuen Eigentümers, der auch noch weitere Akquisitionen beinhaltete, begannen die Schwierigkeiten. „Das Management hat die Zukäufe nicht ordentlich integriert“, berichtet ein anderer Insider. „Außerdem wurden die Unternehmen zu einem hohen Preis gekauft.“ Gilde stützte seine Beteiligung in der Folge mehrfach mit Kapitalspritzen, wie der Branchendienst Debtwire berichtet. Indes reichten diese letztlich nicht aus.

Losberger de Boer häufte zu hohe Schulden an

Im Frühjahr 2018 kristallisierte sich heraus, dass das fusionierte Unternehmen zu hohe Schulden und zu wenig Cash hat. In dieser Zeit wurde mit Rene Just ein neuer CFO berufen. Laut einer Pressmitteilung sollte der damals 50-jährige Däne ab April 2018 die Nachfolge von Carlo Dyckhoff antreten. Doch Just sprang kurzfristig ab, und erst im Juni 2018 kam mit Nicolas Reinhart ein krisenerprobter CFO an Bord. Der hatte zuvor schon die Restrukturierung des ebenfalls Private-Equity-finanzierten Parkhausbetreibers Apcoa erfolgreich gesteuert. 

In dieser bereits heiklen Situation verlangten die Gläubiger von Gilde den Zuschuss weiterer Mittel, um die Bilanz zu stärken. Doch das Angebot enttäuschte: Lediglich einen kleinen zweiststelligen Millionen-Euro-Betrag soll Gilde geboten haben – und im Gegenzug auch noch eine längerfristige Aussetzung der Covenants gefordert haben. „Gilde hat die eigene Verhandlungssituation nicht richtig eingeschätzt“, heißt es aus Gläubigerkreisen. So trieb der Private-Equity-Investor die Banken zu einer Lösung, die diese eigentlich überhaupt nicht schätzen.

Who is who der Restrukturierungsbrache involviert

Als die Banken daraufhin beschlossen, die wirtschaftliche Kontrolle über Losberger de Boer zu übernehmen, wurde in monatelanger Arbeit eine Art Treuhandmodell entwickelt. Der Dentons-Partner Andreas Ziegenhagen, einer der bekanntesten Finanzrestrukturierer Deutschlands, fungiert jetzt de facto als Eigentümer einer Luxemburger Gesellschaft. Die Banken stellten 70 Millionen Euro frisches Geld zur Verfügung, lösten die nur am Rande involvierte niederländische Rabobank ab und drängten Gilde aus dem Gesellschafterkreis hinaus.

An dem Fall arbeitete das Who is who der der deutschen Restrukturierungsberater mit: Die Kanzlei Sidley Austin mit Kolja von Bismarck beriet das Unternehmen, die Kanzlei Noerr das Management. PwC erstellte das IDW S6-Gutachten, die Gläubiger wurden von Houlihan Lokey und Clifford Chance beraten. An Gildes Seite stand zeitweise Cubus Partners.

Nun muss der operative Turnaround gelingen, um die Restrukturierung erfolgreich abzuschließen. Im Zentrum stehen die saubere Integration der Zukäufe und die Straffung des Portfolios. Ein Unternehmensteil wurde bereits an das Management veräußert.

Läuft alles nach Plan, könnte in zwei Jahren ein Verkauf zustande kommen wie etwa bei Jack Wolfskin. Den Outdoorausrüster aus Idstein im Taunus konnten die Distressed-Investoren Bain Capital, H.I.G. und CQS sogar innerhalb eines Jahres an den US-Konzern Callaway verkaufen, nachdem die Hedgefonds zuvor den Private-Equity-Eigentümer Blackstone herausgedrängt hatten. Die Investoren dürften dabei einen guten Schnitt gemacht haben, hatten sie den Gläubigerbanken doch zuvor deutlich unter par die Wolfskin-Kredite abgekauft.

Warnung an Private-Equity-Investoren

Dass die Banken im Fall Losberger de Boer die Kredite nicht verkauft haben, sollte insbesondere Private-Equity-Investoren als Warnung dienen. So gut die Verhandlungsposition der Finanzinvestoren gegenüber den Banken beim Kauf eines Unternehmens derzeit auch sein mag – wenn der Businessplan deutlich verfehlt wird, werden sich die Banken nicht mit Minimalkapitalerhöhungen abspeisen lassen, sondern im Zweifel selbst das Ruder übernehmen.

Aktuell bekommt dieses Armdrücken auch der PE-Investor Triton zu spüren, der sein erstes Angebot bei der angeschlagenen Maschinenbaugruppe Galapagos laut Finanzkreisen deutlich nachbessern musste. Ein Grund für die harte Gangart der Banken ist auch, dass wegen der derzeit noch geringen Zahl an Restrukturierungsfällen viele hochkarätige Spezialisten verfügbar sind – innerhalb wie außerhalb der Banken. Bei den nächsten Restrukturierungsverhandlungen dürften die Private-Equity-Häuser ihre Verhandlungsposition vor dem Hintergrund der Entwicklung bei Losberger de Boer anders bewerten als zuletzt.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

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