Die Beziehung zwischen Banken und Debt-Fonds war schon immer mehr Zweckehe als Liebesgeschichte. In Großbritannien steht die Partnerschaft jetzt vor dem Aus.

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FINANCE+ 08.10.20
Deals

Banken und Private Debt: Partnermodell gescheitert?

In Großbritannien steht das kontrovers diskutierte Kooperationsmodell zwischen Banken und Debt-Fonds vor dem Aus. Auch in Deutschland? Das träfe vor allem die Berenberg Bank.

Einem Bericht des Branchendienstes „Debtwire“ zufolge steht die vielleicht prägendste Zweckgemeinschaft des Private-Debt-Geschäfts vor dem Aus: die unter „FOLOs“ bekannten Finanzierungsstrukturen, bei denen sich eine Bank und ein Debt-Fonds zusammentun, um gemeinsam einen Private-Equity-Deal zu finanzieren.

„FOLO“ steht für „First-out, Last-out“ – auch bekannt als „1st-out/2nd-out“ oder „Super Senior/ Senior“ – und ist eine Finanzierungsform, bei der sich eine Bank und ein Private-Debt-Fonds eine Unitranche-Finanzierung untereinander aufteilen. Die Bank nimmt den kleineren, sichereren und niedriger verzinsten Teil des Kredits und erhält im Insolvenzfall vor allen anderen Fremdkapitalgebern ihr Geld zurück – sie ist damit „First out“ und „Super Senior“. Der Private-Debt-Fonds stellt den größeren und riskanteren Teil der Finanzierung und bekommt im Härtefall erst nach der Bank sein Geld zurück (Last-out, Senior).

Britische Banken ziehen sich zurück

Dieses Modell hat sich auch in Deutschland durchgesetzt, weil die Beimischung der günstigeren Bankentranche den Zinskupon drückt. Damit sind die FOLOs in vielen Fällen klassischen „Club-Deals“ von Banken oder Unitranche-Angeboten einzelner Debt-Fonds überlegen. Der häufigste Nutzer von „FOLOs“ sind Private-Equity-Häuser.

Der Pferdefuß: In vielen Transaktionen fühlen sich die Private-Debt-Fonds nicht wirklich wohl, da sie die Finanzierung am liebsten komplett alleine gemacht hätten. Jetzt aber berichtet „Debtwire“, dass in Großbritannien auch die Banken immer weniger Lust auf die „FOLO“-Strukturen haben.

Das Risiko-Rendite-Verhältnis sei ihnen zu unattraktiv geworden. Zudem müssten die britischen Banken wegen der Coronavirus-Krise und der vielen gezogenen Kreditlinien noch stärker auf ihre Kapitalkosten achten als vor der Krise. 

Berenberg hat „FOLO“ in Deutschland etabliert

In Deutschland jedoch ist die Lage anders – was vor allem an der Privatbank Berenberg liegt. Berenberg hat die FOLO-Strukturen in Deutschland salonfähig gemacht und in dem eigentlichen Spannungsfeld zwischen Bank und Private-Debt-Fonds ein Geschäftsmodell für sich entdeckt. Berenberg investiert aus mehreren Fonds heraus in die „FOLO“-Kredite und nutzt dafür im Gegensatz zu den meisten anderen Banken nur eingeschränkt die eigene Bilanz. Sorgt die starke Marktposition von Berenberg dafür, dass es in Deutschland anders kommt als in Großbritannien?

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