Bridgepoint

20.09.19
Deals

Bridgepoint macht Carsten Kratz zum Deutschlandchef

Der Finanzinvestor Bridgepoint will wieder angreifen und holt einen neuen Deutschlandchef: Der prominente Unternehmensberater Carsten Kratz kommt von BCG und soll nach über zwei Jahren wieder für einen deutschen Zukauf sorgen.

Um Bridgepoint war es zuletzt ruhig in Deutschland geworden, doch das ändert sich nun schlagartig: Wie der Finanzinvestor mitteilte, wird der bekannte Unternehmensberater Carsten Kratz der neue Deutschlandchef der Briten. Der 52-Jährige kommt von der Boston Consulting Group (BCG) und wird ab Oktober von Frankfurt aus als Senior Partner die Geschäfte von Bridgepoint im deutschsprachigen Raum leiten. Berichten wird Kratz an Chris Busby, der im Board von Bridgepoint für Nordeuropa verantwortlich ist. 

Bridgepoint setzt in der DACH-Region damit künftig auf eine Doppelspitze, denn seit Anfang dieses Jahres ist Managing Director Christopher Brackmann für Investments in Deutschland, Österreich und der Schweiz verantwortlich. Deren Vorgänger war der langjährige Bridgepoint-Partner Marc Zügel, der das Haus im März dieses Jahres verlassen hat, wie aus seinem Profil bei dem Karrierenetzwerk Linkedin hervorgeht. 

Carsten Kratz war sechs Jahre lang BCG-Deutschlandchef

Kratz wurde in Deutschland nicht als Private-Equity-Manager, sondern als Unternehmensberater bekannt. Über 30 Jahre arbeitete er bei BCG, sechs Jahre davon als Deutschlandchef. Während dieser Zeit soll sich der Umsatz von BCG in Deutschland und Österreich auf rund 1 Milliarde Euro verdoppelt haben. Offizielle Angaben für einzelne Regionen macht der US-Beratungsriese nicht.

Nach zwei Amtszeiten wurde Kratz Ende vergangenen Jahres als Deutschlandchef von Matthias Tauber abgelöst. Für Kratz schuf BCG daraufhin die Position des Chairmans für Deutschland und Österreich – diese wird nun wieder abgeschafft wird, wie BCG auf Nachfrage bestätigte.

Bridgepoint gibt Bike24 an Riverside zurück

In seiner Zeit bei BCG hat sich Kratz nach eigener Aussage „immer wieder intensiv mit der Private-Equity-Branche beschäftigt“. Bei Bridgepoint schätze er die Möglichkeit, aktiv gestaltend mitzuwirken. Das ist auch nötig, hat sich Bridgepoint in den vergangenen Jahren mit Zukäufen in Deutschland stark zurückgehalten.

Die jüngsten Zukäufe stammen noch aus dem Jahr 2017, als Bridgepoint den Fondsmanager Avia Rent kaufte und für sein Portfoliounternehmen Wiggle CRC von Riverside den Onlinehändler Bike24 übernahm. Nach nicht einmal zwei Jahren gab Riverside diese Woche bekannt, Bike24 wieder zurückkaufen zu wollen. Ende 2018 stieg Bridgepoint in Österreich zudem bei dem Kühltechnikspezialisten AHT Cooling Systems aus, bei dem der Finanzinvestor seinen Einsatz verdoppeln konnte.

Bridgepoint will Frankfurt-Team ausbauen

Bridgepoint sucht in Deutschland vor allem nach Unternehmen aus den Bereichen Verarbeitendes Gewerbe, Medtech/Pharma, Gesundheitswesen, Dienstleistungen, Konsumgüter sowie Medien & Technologie, die inklusive Schulden zwischen 200 Millionen und 1 Milliarde Euro wert sind. Die Gelder dafür stammen aus dem 2017 aufgelegten sechsten paneuropäischen Buy-out-Fonds, der 5,7 Milliarden Euro schwer ist und nach FINANCE-Informationen zu rund 30 Prozent ausinvestiert ist.

Neben dem großen Flagschifffonds verfügt Bridgepoint zudem über ein Smallcap-Vehikel („Bridgepoint Development Capital“), der in kleinere Mittelständler im Wert von 50 bis 150 Millionen Euro investiert und über einen Wachstumsfonds („Bridgepoint Growth“), der sich auf Investments in digitale Technologieunternehmen konzentriert. Bridgepoint hat zudem ein Fremdkapitalvehikel („Bridgepoint Credit“), das europäische Mittelständler fremdfinanziert.

In Europa unterhält Bridgepoint acht Niederlassungen. In Frankfurt beschäftigt der Finanzinvestor derzeit fünf Investmentprofessionals, Kratz und Brackmann eingeschlossen. Wie aus dem Brigdepoint-Umfeld zu vernehmen ist, soll das Frankfurter Büro mittelfristig allerdings aufgestockt werden.