Megageschäft Finanzmarktdaten: Trotz Umsatzflaute bekommt der Private-Equity-Investor Carlyle ein zweistelliges Ebitda-Multiple für VWD.

metamorworks/istock/Getty Images

12.04.19
Deals

Carlyle gelingt Exit bei VWD

Nach sieben Jahren schafft der PE-Investor Carlyle den Absprung aus seinem wachstumsschwachen Tech-Investment VWD. Das trotz der Flaute erzielte Bewertungs-Multiple ist beachtlich.

Nach sieben Jahren im Portfolio des US-Finanzinvestors Carlyle schlüpft VWD unter das Dach eines skandinavischen Strategen: Für 130 Millionen Euro übernimmt der norwegische Finanzdienstleister Infront den hessischen Anbieter von Finanzdaten für private und institutionelle Anleger.

VWD hat eine bewegte Vergangenheit: Im Jahr 2004 wurde VWD in zwei Teile gespalten – eine Nachrichtenagentur und einen Finanzdatendienst. Das Finanzdatengeschäft übernahm mehrheitlich eine Investorengruppe um die Beteiligungsgesellschaft Balaton und die Familie des SAP-Gründers Dietmar Hopp, ein Minderheitsanteil landete an der Börse.

Einige Jahre später folgte der vollständige Wechsel in Private-Equity-Hand: Nach einer Einigung mit den Hauptaktionären erwarb Carlyle 2012 über eine so genannte Public-to-Private-Transaktion auch die gelisteten Aktien von VWD und nahm das Unternehmen anschließend von der Börse. Der Kaufpreis soll damals bei gut 70 Millionen Euro gelegen haben. Demnach dürfte Carlyle sein Investment in etwa verdoppelt haben. 

VWD: Wenig Wachstum, hohe Multiples

Der Kaufpreis, den Carlyle nun beim Exit kassiert, entspricht vergleichsweise hohen Bewertungsmultiplikatoren. VWD erzielte 2018 bei einem Umsatz von weniger als 70 Millionen Euro einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von knapp 11 Millionen Euro. Der Käufer Infront zahlt an Carlyle damit Multiples von 1,9x Umsatz und 12x Ebitda. Dabei hat sich VWD unter Carlyles Ägide alles andere als dynamisch entwickelt: Wie die „Börsenzeitung“ berichtet, soll der VWD-Umsatz heute niedriger liegen als zum Zeitpunkt von Carlyles Einstieg. 

Ein anderer Deal aus dieser Woche belegt jedoch, dass das Potential, das in M&A-Deals aus der Finanzdatenbranche steckt, immens ist. Für den sehr erfolgreichen US-Finanzdatenanbieter Axioma zahlt die Deutsche Börse gemeinsam mit dem Partner General Atlantic 850 Millionen Dollar. Das ergibt ein Umsatz-Multiple von 8,5x. Das eigene Indexgeschäft der Börse, das mit Axioma verschmolzen werden soll, wird im Rahmen dieses Deals sogar mit dem 15-fachen Umsatz und dem 23-fachen Ebitda bewertet. 

Der Axioma-Kauf durch die Deutsche Börse zeigt, wie viel Potential im Finanzdatengeschäft liegt.

VWD bringt Infront in eine neue Größenordnung

Für die 1998 in Oslo gegründete und seit 2017 börsennotierte Infront ist die Übernahme von VWD ein transformatorischer Deal. Zu dem neu formierten Unternehmen wird VWD gemäß der aktuellen Zahlen rund zwei Drittel der Umsätze und etwas mehr als die Hälfte des operativen Gewinns beisteuern.

Infront, das vor VWD auch schon einen kleineren Marktdatenanbieter aus Italien erworben hat, finanziert den Deal komplett über den Kapitalmarkt: 105 Millionen Euro soll die Ausgabe einer Anleihe beisteuern, den Rest von 25 Millionen Euro will das Infront-Management über eine Kapitalerhöhung abdecken.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de