„What doesn't kill you, makes you stronger“: Borromin-Gründer Nick Money-Kyrle (dritter von links) im Gespräch mit Jochen Brellochs (Acorda Unternehmerkapital), Julian Mattes (Digital+ Partners) und FINANCE-Chefredakteur Michael Hedtstück (von links) über Private Equity in der Coronakrise.

F.A.Z. Business Media

14.07.21
Deals

Darüber diskutierte Private Equity auf der DIK 2021

Wie hat sich Private-Equity während Corona geschlagen – und was haben die PE-Manager in den Krisenmonaten für ihr Business gelernt? Darüber diskutierte die Branche auf der diesjährigen Deutschen Investorenkonferenz.

„Endlich einmal wieder eine Live-Veranstaltung“ – das war wohl der Satz, den man auf der diesjährigen 18. Deutschen Investorenkonferenz in der Frankfurter Villa Kennedy von den Private-Equity-Investoren am häufigsten gehört hat. Inhaltlich drehte sich bei der Konferenz fast alles um die Frage: Wie haben sich die deutschen Mittelstandsinvestoren in der Coronakrise geschlagen – und was nehmen sie aus der Krisenzeit für die Zukunft mit?

So blickt die BVK auf Private Equity

Den Auftakt der Veranstaltung machte Kathrin Kalau-Reus, bei der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) unter anderem für Investments in die Assetklasse Private Equity verantwortlich. Die BVK ist mit Assets under Management von 100 Milliarden Euro einer der größten LPs in Deutschland – mehr als 5 Prozent davon sind in Private Equity investiert, Tendenz steigend.

Kalau-Reus findet, dass sich die Private-Equity-Investments auch während der Coronakrise gelohnt haben, vor allem solche in Single Funds – wenngleich die guten Renditen der BVK auch daher stammen, dass die Versorgungskammer früher als viele andere deutsche Institutionelle in Private Equity eingestiegen ist, und zwar 2007. Vor allem die Professionalisierung der Finanzinvestoren während der Krisenmonate hat sie überzeugt: „Die Qualität der virtuellen Meetings hat sich sehr verbessert, das hat Abstimmungen einfacher und schneller gemacht.“

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An eine Anekdote vom Beginn der Pandemie erinnerte sich Kalau-Reus dennoch: Bei einem Video-Call mit einem Finanzinvestor musste sie den Manager vom Fitnessstudio bis zum Frühstückstisch virtuell begleiten, auch gegessen habe der Manager während des Meetings. Eine Kapitalzusage von der BVK bekam er nicht. „Das war aber wirklich eine Ausnahme“, betonte Kalau-Reus.

Unbehagen bereitet ihr hingegen die aktuelle Marktlage. „Derzeit feilschen die Fonds mit ihren Investoren teilweise um die Allokation von 5 Millionen Euro“, ärgerte sich die Investorin. Hinzu komme, dass die Finanzinvestoren immer länger bräuchten, um die Kapitalzusagen abzurufen: „Das ist ärgerlich, schließlich wollen wir unser Geld arbeiten lassen.“ Insgesamt fiel ihr Fazit nach mehr als einem Jahr Coronakrise aber positiv aus. Im nächsten Dreijahresplan der BVK könnte der Private-Equity-Anteil in Richtung 10 Prozent angehoben werden, hofft die Managerin.

Institutionelle sehen „Continuation Funds“ kritisch

Dass Private Equity in der Coronakrise geliefert hat, finden auch die Großinvestoren Heiko Bensch vom Vermögensverwalter Ampega und Georg Müller-Glunz von Provinzial, die eigentlich ein Streitgespräch mit Marc Thiery führen sollten, dem Gründer des Mittelstandsfonds DPE. Doch alle drei waren sich gleich zu Beginn einig: „Private Equity hat sich vergleichsweise gut, wenn nicht sogar sehr gut in der Krise geschlagen“, fasste Bensch zusammen.

Wir haben einen neuen Fonds eingeworben, konnten unsere Kundenbeziehungen stärken, haben zwei Plattform-Deals und 16 Add-ons getätigt – und keine unserer Portfoliofirmen hatte Corona-bedingt ernsthafte Probleme“, ergänzte Thiery. Im DPE-Portfolio habe es nur einen einzigen Covenant-Bruch gegeben, „aber das Unternehmen war zum Glück nur mit 2x Ebitda verschuldet“, so Thiery. „Auch wenn Corona massive und teils schreckliche Auswirkungen auf die gesamte Welt hatte – für uns war es tatsächlich das beste Jahr der Unternehmensgeschichte“, meinte der DPE-Gründer.

„Für uns war 2020 das beste Jahr der Unternehmensgeschichte.“

Marc Thiery, Gründer der DPE Deutsche Private Equity

Grund zum Austausch von Kritik gab es dann aber doch noch, und zwar beim Thema „Continuation Funds“: „Für mich ist es schwierig zu erklären, wieso wir uns für eine bestimmte Dauer zu einem Investment bekennen, dann aber plötzlich weiter investieren sollen – auch wenn der Carry ‚along the way‘ ausgeschüttet wird“, kritisierte Investor Bensch die sich verbreitende Praxis, dass PE-Fonds bestehende Portfoliounternehmen in neue Vehikel „hinüber rollen“, anstatt einen Exit zu suchen.

Thiery ordnete diesen Trend ganz anders ein: „Aus unserer Perspektive zeigt dies, dass wir als Finanzinvestor unsere Unternehmen weiter unterstützen möchten. Für die Firmen ist das ein positives Signal, das auch zum besseren Ruf unserer gesamten Branche beiträgt.“ Für die Zukunft erwarten alle drei Diskutanten das Gleiche: Kreative Nischenprodukte wie „Continuation Funds“ werde es immer mehr geben – „auch als Gelegenheit, um noch mehr Geld zu verdienen“, wie Thiery mit Blick auf die eigene Branche kritisch anmerkte.

Welche Lektion Borromin im Coronajahr gelernt hat

Wenn die Private-Equity-Branche so gut durch die Coronakrise kam und auch die institutionellen Investoren zufrieden sind, stellt sich die Frage: Hat Private Equity das Ausmaß der Coronakrise anfangs überschätzt? „Nein“, meinte rund zwei Drittel der Konferenzteilnehmer bei einer Blitzumfrage. Dass während Corona schwere Kämpfe zu führen waren, bestätigten auch die Teilnehmer der Midmarket-Diskussionsrunde Jochen Brellochs von dem noch jungen Mittelstandsinvestor Acorda Unternehmerkapital, Julian Mattes vom Tech-Investor Digital+ Partners und Nick Money-Kyrle von Borromin.

„Rückblickend würde ich raten: Halten Sie immer eine Krisenreserve in Ihren Fonds“, leitete Money-Kyrle ein. Ein Borromin-Portfoliounternehmen hatte 2018 eine „schwierige Phase“ – danach ging es zwar wieder bergauf, doch dann kam Corona. „2020 hatten wir Schwierigkeiten, das Unternehmen nachzufinanzieren“, erzählte Money-Kyrle. Der Grund: Der Fonds war bereits nahezu ausinvestiert. Am Ende habe deshalb der finanzierende Debt-Fonds die Kontrolle übernommen.

Auch der erst drei Jahre alte Finanzinvestor Acorda hatte es zu Beginn der Krise nicht leicht. „Ohne langjährigen Track-Record wurden auch wir von der Krisendynamik überrascht“, berichtete Brellochs. Es sei schwierig gewesen, zusätzlich zu den bestehenden, vertrauensvollen Kontakten weitere Beziehungen zu Geldgebern aufzubauen, die bei Acorda vor allem aus Family Offices bestehen. Acorda wandte sich daher – wie viele andere Private-Equity-Investoren – zunächst dem eigenen Portfolio zu, das laut Brellochs stabil durch die Krise gekommen ist. „Erst ab August haben wir uns wieder um Wachstum und Neuinvestments gekümmert“, so Brellochs.

Wider erwarten stand auch der Tech-Investor Digital+ Partners vor Herausforderungen durch Corona – und vor einem Luxusproblem: „Die Tech-Branche ist gut durch die Krise gekommen, doch die Initialreaktion auf Corona war in dieser Branche zunächst die gleiche wie überall auch“, sagte Mattes. Rund drei Monate nach dem Ausbruch der Krise war seiner Meinung nach „die beste Zeit“ für Investments – mit vielen Firmen auf dem Markt und vergleichsweise geringem Wettbewerb.

„Rückblickend würde ich raten: Halten Sie immer eine Krisenreserve in Ihren Fonds.“

Nick Money-Kyrle, Gründer von Borromin

Danach hätten die Preise in kürzester Zeit massiv angezogen, die aufgerufenen Multiples erreichten Rekordhöhen. Sein Corona-Fazit: „Angesichts der aktuellen Preise haben wir vor einem Jahr zu zögerlich investiert.“ Doch insgesamt könnte Corona langfristig sogar Positives bewirkt haben: Die Frage, ob sie und ihre Teams durch Corona besser geworden seien, beantworteten 80 Prozent der Konferenzteilnehmer mit „Ja“.

Die Trends bei Starug, Carve-outs, Leveraged Finance

Und was wird in der nächsten Marktphase für Private-Equity-Investoren wichtig werden? „Private Equity sollte die Chancen einer Sanierung nach dem Starug nutzen“, finden die Anwälte Arnold Büssemaker und Boris Dürr von der Kanzlei Heuking. Der Charme einer Starug-Sanierung: Das Unternehmen lässt sich außerhalb eines klassischen Insolvenzverfahrens restrukturieren. Doch das Starug birgt auch Risiken für Private Equity: Der neue Rechtsrahmen lässt es zu, dass man von den anderen Gesellschaftern ausgebootet werden kann – ein ihrer Ansicht nach wichtiger Hinweis für die Mittelstandsinvestoren.

Ebenfalls auf dem Schirm haben sollten die Finanzinvestoren die an Fahrt gewinnende Carve-out-Welle. Wie man sich im M&A-Prozess um Carve-outs am besten positioniert, berichteten die beiden PwC-Berater Filip Debevc und Friedrich von Hurter. Ihr Top-Tipp: „Zeigen Sie dem Verkäufer, dass Sie komplexe Transaktionen beherrschen.“

Zuletzt sollten Finanzinvestoren das sich wandelnde LBO-Finanzierungsumfeld im Blick behalten, ist das Ergebnis eines Ideenwettbewerbs zwischen Ralph Betz (Bridgepoint Credit), Leif Knoch (Deutsche Bank) und Richard Rösener (Cubus Partners). „Der Finanzierungsmarkt wird noch heißer werden“, sagte Finanzierungsberater Rösener voraus – und gewann mit seinem Vortrag das TED-Voting der DIK-Teilnehmer.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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