Viel Hightech, aber zu wenig Fokus? Der Großaktionär Bantleon will, dass LPKF Laser effizienter wird.

LPKF Laser

28.03.19
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Das plant Großaktionär Bantleon mit LPKF

Der Turnaround von LPKF Laser ist geglückt. Markus Peters vom Großaktionär Bantleon sagt, welche Folgen das für die Pläne des Finanzinvestors mit seinem LPKF-Anteil hat – und verrät, ob Bantleon tatsächlich ein Aktivist ist.

Das Hightech-Unternehmen LPKF Laser scheint den schweren Geschäftseinbruch der Jahre 2015 und 2016 endgültig überwunden zu haben. Ein großer Nutznießer dieser Entwicklung könnte der Finanzinvestor Bantleon werden, der die Krise vor drei Jahren genutzt hatte, um eine Beteiligung von 29 Prozent aufzubauen. Das ehemalige TecDax-Mitglied LPKF ist Bantleons erstes strategisches Investment im industriellen Bereich. Entsprechend ist Bantleon für viele Kapitalmarktteilnehmer ein unbeschriebenes Blatt. Nach wie vor ist unklar, ob die Hannoveraner als aktivistischer Investor unterwegs sind.   

Tatsächlich nimmt Bantleon aktiv Einfluss auf wichtige Unternehmensentscheidungen – vor allem über Markus Peters, der für Bantleon arbeitet und Aufsichtsratschef von LPKF ist. „Wir haben seitens des Aufsichtsrats Leitplanken für das Wachstum und die Restrukturierung gesetzt. Die am Dienstag vorgelegten Jahresergebnisse von LPKF zeigen, dass wir damit richtig liegen“, sagte Peters im Gespräch mit FINANCE.

Der Laserspezialist LPKF hat 2018 ein Umsatzplus von 18 Prozent auf 120 Millionen Euro und einen Anstieg des operativen Gewinns (Ebit) von 73 Prozent auf 6,8 Millionen Euro verzeichnet. „LPKF wächst wieder profitabel – nach schwierigen Jahren“, lobt Peters. Weil im wichtigsten Geschäftsbereich die Aufträge weggebrochen waren, war der LPKF-Umsatz in den zurückliegenden Jahren zeitweise unter 100 Millionen Euro gefallen. Das Hightech-Unternehmen schrieb 2015 und 2016 operative Verluste von zusammen über 10 Millionen Euro. 

Neuer Vorstand, neue Incentives

Seinen Einfluss als mit Abstand größter Aktionär hat Bantleon schon kurz nach dem Erwerb des LPKF-Anteils in die Waagschale geworfen, um das Top-Management zu verkleinern. Peters sagt dazu: „Bei unserem Einstieg 2016 hatte LPKF vier Vorstände für einen Umsatz von unter 100 Millionen Euro. Der Aufsichtsrat hat in der Situation eine Verschlankung des Vorstands auf zwei Mitglieder als angemessen angesehen.“ 

„Der alte Vorstand hat versucht, die Strukturen zu adjustieren, aber nicht mit der nötigen Geschwindigkeit.“

Markus Peters, Aufsichtsratschef, LPKF

Im Zuge dieses Umbaus verließen der langjährige Vorstandschef Ingo Bretthauer und CFO Kai Bentz das Unternehmen. Peters verteidigt den kompletten Austausch der Unternehmensführung: „Der alte Vorstand hat versucht, die Strukturen zu adjustieren, aber nicht mit der nötigen Geschwindigkeit. Der neue Vorstand kann das nun unbelastet von der Vergangenheit tun.“ Seit dem vergangenen Jahr besteht die Führungsspitze aus CEO Götz Bentele und Finanzchef Christian Witt.

Damit der Blick auf die Effizienz auch nach der gelungenen Restrukturierung geschärft bleibt, hat der Aufsichtsrat die Anreizsysteme verändert: „Der Vorstand ist jetzt finanziell incentiviert, in erster Linie die Kapitalrendite und den Cashflow nachhaltig zu verbessern. Der alleinige Vorsteuergewinn steht nicht mehr an erster Stelle“, erklärt Peters. Besonderen Wert legt er auf Kapitaleffizienz: „Mit einem vollen Lager kann man leicht Umsatz- und Ergebniswachstum generieren. Aber der Rendite auf das eingesetzte Kapital hilft das nicht zwangsweise. Und in einem gut positionierten Unternehmen wie LPKF müssen die Kapitalkosten verdient werden.“

Noch keine großen Kursgewinne für Bantleon

Obwohl sich abzeichnet, dass die vor drei Jahren eingeleiteten Maßnahmen greifen, hat Bantleon mit dem Investment in LPKF bislang noch kein Geld verdient. Per Saldo steht der Aktienkurs nach einer kurzen Erholung inzwischen wieder in etwa dort, wo Bantleon eingestiegen ist. Im August 2018 hat der Asset-Manager auch noch eine Kapitalerhöhung gezeichnet. Insgesamt dürfte Bantleon rund 60 Millionen Euro in LPKF investiert haben. Bantleon selbst will keine konkrete Summe nennen. 

Trotz der unspektakulären Kursentwicklung ist der Investor optimistisch: „Das Entwicklungspotential spiegelt sich noch nicht vollständig im Aktienkurs wider“, verteidigt Peters die Performance. Der Aufsichtsrat habe die Grundlage gelegt, um LPKFs Potential zu heben. Dies sei „erheblich“, wirbt Peters, räumt aber auch ein: „Es wird noch einige Zeit dauern, bis alle vom Vorstand eingeleiteten Maßnahmen ihre volle Wirkung entfalten.“

Dazu zählt Peters die Senkung des Net Working Capital und die Erschließung weiterer Anwendungsgebiete für die spezialisierte Lasertechnologie des Mittelständlers. „Vorstand und Aufsichtsrat sind sich einig, dass in beiden Bereichen noch Verbesserungspotential besteht“, sagt Peters.

Ist Bantleon ein Aktivist?

Dass Bantleon aus dem Aufsichtsrat von LPKF heraus eine derart Private-Equity-nahe Wertschöpfungsstrategie verfolgt, sorgt in der Finanzszene für Aufsehen. Schließlich kommt der 1991 von Jörg Bantleon gegründete Vermögensverwalter eigentlich aus dem Anleihebereich und hat seine Anlagestrategie ursprünglich dem Ziel „Kapitalerhalt“ verschrieben. Über das Investmentvehikel „German Technology AG“ plant Bantleon, neben LPKF noch weitere strategische Industrie-Beteiligungen zu erwerben. 

Welches Profil Bantleon in diesem Zuge am Kapitalmarkt herausbilden wird, ist noch offen. Zwei denkbare Wege zeichnen sich ab: Das Profil eines passiven Qualitätsinvestors oder das eines zupackenden Aktionärsaktivisten im Stile des schwedischen Aktionärsaktivisten Cevian, der bei seinen Portfoliounternehmen auch über den Aufsichtsrat auf tiefgreifende Veränderungen drängt. Bantleon selbst positioniert sich offen: „Wir sind weder das eine noch das andere“, sagt Peters. „Wir betrachten uns zwar schon als aktiver Investor, aber als einer, der Managementteams als langfristiger Partner begleitet.“ 

„Wir verfolgen den Best-Owner-Ansatz. Aktuell sind wir der Best Owner für LPKF.“

Markus Peters

Mit der Beteiligungshöhe von 29 Prozent bei LPKF ist Bantleon nach Peters‘ Aussage „zufrieden“. Ein Verkauf des Aktienpakets stehe nicht im Raum – aber auch kein Griff nach der Mehrheit: „Wir verfolgen den Best-Owner-Ansatz. Aktuell sind wir der Best Owner für LPKF. Einen Ausbau unserer Beteiligung auf über 30 Prozent planen wir nicht.“    

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de