Verlockender Geldsegen für die DFL: Die Deutsche Fußball-Liga will den Einstieg von Finanzinvestoren für die ausländischen Rechte prüfen.

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08.12.20
Deals

DFL lässt sich auf Private-Equity-Avancen ein

Die Deutsche Fußball-Liga geht einer Zusammenarbeit mit Private-Equity-Investoren intensiv nach. Der Betreiber der Fußball-Bundesliga könnte das frische Geld gut gebrauchen.

Ein möglicher Einstieg von Private-Equity-Firmen im deutschen Fußball wird immer konkreter. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat jetzt offiziell bestätigt, dass man sich mit einer Zusammenarbeit mit Finanzinvestoren intensiv beschäftigt. Man wolle „einen Prozess aufsetzen, um die Angebote der Private-Equity-Firmen unter strategischen und finanziellen Gesichtspunkten zu prüfen“.

Der DFL geht es um die Veräußerung von Minderheitsanteilen an einer noch zu gründenden DFL-Tochtergesellschaft für die internationale Vermarktung. Bereits im Oktober hatte die DFL angekündigt, Informationsgespräche mit interessierten Finanzinvestoren vorzubereiten. Damals stand noch eine Beteiligung an der bereits bestehenden Tochter „Bundesliga International“ zur Debatte.

Das Interesse aus der Private-Equity-Welt am deutschen Profifußball scheint enorm. Laut Medienberichten haben rund 30 Finanzhäuser bei der DFL angeklopft, darunter so illustre Namen wie Advent International, Apax, Bain Capital, General Atlantic, Ardian, Apollo oder BC Partners.

DFL-Tochter könnte 1 Milliarde wert sein

Auch die nun geplante neue DFL-Gesellschaft soll sich um die Auslandsrechte der Fußball-Bundesliga kümmern und zugleich den Aufbau einer Plattform für digitale Inhalte forcieren. Bei der zu gründenden DFL-Tochter könnten die Finanzinvestoren dann einsteigen. Beobachter spekulieren, dass ein Anteil zwischen 10 und 25 Prozent zum Verkauf steht.

Die DFL wollte auf FINANCE-Anfrage keine genauen Zahlen kommentieren. Der Verkauf der Anteile könnte der DFL aber einen dreistelligen Millionenbetrag in die Kassen spülen. Schätzungen zufolge liegt der Wert der internationalen Medienrechte der Bundesliga bei bis zu 1 Milliarde Euro. Im Gegenzug würden die Private-Equity-Investoren langfristig einen Teil der Jahreserlöse erhalten, die dem Vernehmen nach zwischen 200 und 300 Millionen Euro im Jahr liegen.

Coronakrise macht der DFL zu schaffen

Das Prüfverfahren seitens der DFL zum potentiellen PE-Deal soll nun voraussichtlich im Februar starten und wird frühestens im zweiten Quartal 2021 abgeschlossen sein, heißt es von Seiten der DFL. Einen PE-Deal endgültig absegnen muss dann die DFL-Mitgliederversammlung der 36 Profiklubs aus der Ersten und Zweiten Bundesliga. „Wenn sich die Klubs dazu entscheiden sollten, dann nicht deshalb, weil man jetzt kurzfristig Geld braucht, sondern weil man besser aufgestellt sein will für die Zeit nach der Covid-Pandemie", kommentierte DFL-Chef Christian Seifert den Prozess.

Dennoch weiß auch er um die finanziellen Einbußen, die die Coronavirus-Krise der DFL beschert. So werden die Bundesligavereine bis zum Ende der Spielzeit 2021/22 etwa 2 Milliarden Euro an Umsatz einbüßen, ließ Seifert wissen.

„Letzte Saison war bestenfalls ein laues Lüftchen, jetzt aber kommt der Sturm“, sagte der Geschäftsführer auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main. So rechne die DFL in der aktuellen Saison mit einem Gesamtausfall der Zuschauereinnahmen, was allein einem Verlust von 650 Millionen Euro entspreche. 

Milliarden-Deal in der Serie A

Der finanzielle Druck auf die DFL ist entsprechend groß. Eine Finanzspritze von den PE-Häusern käme daher nicht ungelegen. Vorbild könnte ein Deal im europäischen Süden sein, der jüngst für Furore gesorgt hat: Die italienische Serie A hat sich vor wenigen Wochen mit den Finanzinvestoren CVC Capital und Advent grundsätzlich über den Kauf der Medienrechte der Liga geeinigt.

Dafür soll ein Kaufpreis von 1,7 Milliarden Euro fällig werden. Im Gegensatz zum DFL-Plan beinhaltet der Deal die kompletten Medienrechte der Serie A.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de