DFL-Geschäftsführer Christian Seifert erschließt für den Liga-Verband neue Geschäftsfelder.

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12.10.18
Deals

DFL startet Beteiligungsfonds

Die Deutsche Fußball-Liga kauft sich mit 10 Prozent bei dem israelischen Start-up Track160 ein. Weitere Beteiligungen an Technologie- und Sportfirmen sollen folgen, der Ligaverband will ein ganzes Beteiligungsportfolio aufbauen.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat ein Private-Equity-Projekt „DFL for Equity“ gestartet. Als ersten Deal übernimmt der Spitzenverband der 36 deutschen Fußball-Bundesligisten 10 Prozent  des israelischen Start-ups Track160. Außerdem erhält die DFL eine nicht näher detaillierte „variable zeitlich nachgelagerte Erfolgsbeteiligung“ an Track160.

Der Deal und der Start von DFL for Equity markieren für die DFL eine Wegmarke. Als erste Fußballliga der Welt plant die DFL, ein Portfolio von Unternehmensbeteiligungen aufzubauen. Ziele von DFL for Equity sind Start-ups und mittelständische Unternehmen aus der Medien-, Technologie-, und Sportbranche.

Die Beteiligung an Track160 hat Signalwirkung für diese Investmentstrategie. Das erst 2017 gegründete Tel Aviver IT-Unternehmen entwickelt ein auf Künstlicher Intelligenz basierendes System zur 3D-Erfassung des gesamten Spielgeschehens. Im Unterschied zu anderen Systemen benötigt Track160 dazu aber nur Videoaufnahmen der Spiele – Videoaufnahmen, die die DFL selbst produziert. Track160 kann beispielsweise Trainern bei der Spielanalyse helfen, eignet sich aber auch für ganz andere Zwecke, etwa für die Erstellung hochrealistischer Avatare in Videospielen.

DFL for Equity investiert ohne Cash

Nicht nur der sehr enge Investitionsfokus unterscheidet den DFL-Ansatz von dem klassischer Finanzinvestoren, sondern auch die Art und Weise, wie die Frankfurter ihre Beteiligungen eingehen. In den meisten Fällen soll dabei kein Geld fließen – die DFL bezahlt in Form von Daten, Nutzungsrechten oder Kooperationsmodellen, die die Start-ups technisch und strategisch voranbringen sollen.

Ein ähnliches Modell nutzen zum Beispiel auch Verlage und TV-Konzerne, die Beteiligungen an endkundenorientierten Unternehmen eingehen und in Form von kostenlosen oder stark vergünstigten Werbeplätzen bezahlen. Track160 beispielsweise bekommt Zugang zu dem enormen Daten- und Videomaterial der Bundesliga sowie zu dem Netzwerk der DFL, zu dem mehr als drei Dutzend deutsche Fußballvereine sowie zahlreiche ausländische Fußballligen zählen. Dafür verleiht die DFL ihren Portfoliounternehmen das Label „DFL invested company“.

DFL-Chef Seifert erwägt Allianz mit PE-Investoren

Das Beteiligungsprojekt der DFL könnte sich aber noch deutlich ausweiten. Finanzielle Beteiligungen in Form von Cash-Investments haben nach Aussage von DFL-Chef Christian Seifert vorerst zwar „nicht erste Priorität“. Zu einem späteren Zeitpunkt könnte sich die DFL aber durchaus auch mit Finanzinvestoren zusammentun, um gemeinsam bei interessanten Unternehmen einzusteigen.

Das Ziel des Projekts DFL for Equity ist klar: Der Ligaverband will laut Seifert damit Geld verdienen. Die angedachten Exit-Strategien sind folglich auch – anders als der Einstieg – recht konventionell: Die DFL ist dafür offen, Beteiligungen nach einigen Jahren wieder zu verkaufen. Bei manchen Unternehmen will der Ligaverband aber auch langfristig strategisch investiert bleiben.

 

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