Hohe Dynamik, enges Rennen: 2019 haben neue Private-Equity-Investoren die alten Marktführer am deutschen Midmarket herausgefordert.
31.01.20
Deals

Dichtes Gedränge im Private-Equity-Midmarket

Anders als in den Vorjahren gab es 2019 im deutschen Mittelstands-Private-Equity keinen klaren Marktführer. Die Spitze teilen sich gleich fünf Häuser. Die langjährigen Marktführer DBAG und Equistone sind nicht darunter.

Anders als in den vergangenen Jahren hat sich 2019 am deutschen Private-Equity-Midmarket kein Haus als klarer Dominator präsentiert. Aus den frisch veröffentlichen FINANCE Midmarket-Buy-outs 2019 geht hervor, dass sich für das abgelaufene Jahr gleich fünf Private-Equity-Häuser mit je drei Neu-Investments die Spitzenposition teilen: Avedon, Borromin (die frühere Steadfast), die Beteiligungsgesellschaft Bregal, der schwedische Finanzinvestor IK und das US-Haus Riverside. Gezählt werden Mehrheitsübernahmen deutscher Unternehmen durch Finanzinvestoren mit einem Dealvolumen zwischen 50 und 250 Millionen Euro, die keine Add-ons sind.

Während Bregal auch in den vergangenen Jahren regelmäßig zu den aktivsten Käufern zählte, tauchten Avedon, Borromin, IK und Riverside in den jährlichen Ausgaben der FINANCE Midmarket-Buy-outs bislang noch nie so prominent auf. „Wir sehen in jedem Jahr neue Wettbewerber“, berichtet Torsten Grede. Der Vorstandssprecher der Deutschen Beteiligungs-AG (DBAG) bewertet diesen Trend differenziert: „Das spricht sowohl für die Attraktivität des Marktes wie auch für eine hohe Wettbewerbsintensität.“

Hinter der Spitzengruppe folgen sechs weitere Häuser, die im vergangenen Jahr jeweils zwei Deals schafften: Adcuram, ECM, Equistone, HIG, Paragon und Waterland. Die letztgenannten vier zählen auch auf mittlere und lange Sicht zu den aktivsten Private-Equity-Investoren im deutschen Mittelstand.

Bregal gelingt Sprung in die Top 3

Unterm Strich hat im abgelaufenen Jahr – obwohl es im deutschen Midmarket ein absolutes Rekordjahr war – aber keiner der führenden Mittelstandsinvestoren überdurchschnittlich viele Buy-outs gemacht. Dementsprechend stabil präsentiert sich auch das langfristige Bild der prägenden Akteure im deutschen Mittelstands-Private-Equity. In der Langzeitbetrachtung seit Beginn der FINANCE-Midmarket-Analysen im Jahr 2004 führt unverändert die DBAG mit nunmehr 28 Deals. 2019 kam für die DBAG jedoch lediglich ein neuer Buy-out dazu: Die Frankfurter erwarben im September den Telekommunikationsdienstleister STG. 

Die Nummer zwei Equistone rückte mit zwei Deals in 2019 wieder etwas näher an die DBAG heran und liegt jetzt seit 2004 bei 26 Transaktionen. Bemerkenswert ist der Wechsel hinter den beiden Platzhirschen: Weil Bregal auch im vergangenen Jahr das vierte Jahr in Folge mindestens drei Deals an Land zog, hat sich die Beteiligungsgesellschaft der C&A-Gründerfamilie Brenninkmeijer mit nun 16 Deals auf den dritten Platz nach vorne geschoben – und das, obwohl Bregal erst seit fünf, sechs Jahren so richtig im Geschäft ist. 

Trotz dieser kurzen Zeitspanne haben die Münchener im Langfrist-Ranking im vergangenen Jahr gleich mehrere alteingesessene Private-Equity-Häuser wie Triton, Ardian und Quadriga überholt. Mit 15 Deals fällt Triton auf Platz vier zurück.

FINANCE-Leser-Voting: Hat Bregal das Potential, bei der Dealaktivität auch in der Langzeitbetrachtung zu den beiden Marktführern DBAG und Equistone aufzuschließen?

DBAG und Paragon laden nach

In der Mittelfristbetrachtung der zurückliegenden fünf Jahre liegt Bregal sogar an der Spitze. Hinter den Münchenern mit 14 Deals folgen die DBAG mit elf, Equistone mit neun und Paragon mit acht Investments. Auffallend dabei ist, dass Equistone der einzige nicht-deutsche Finanzinvestor in dieser Riege ist. 

In Paragon könnte den aktuellen Marktführern auch nachhaltig ein neuer Konkurrent um die führenden Plätze erwachsen, schließlich hat der Mittelstandsinvestor erst vor einem halben Jahr einen neuen Fonds mit dem für deutsche Mittelstandsverhältnisse sehr hohen Volumen von 780 Millionen Euro eingeworben. Für diesen Fonds beginnt nun die Investitionsphase. 

Für Paragon und die DBAG beginnt gerade erst eine neue Investitionsphase.

NEU: Mid-Market-Buy-outs 2019

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Weitere Informationen

Gleiches gilt aber auch für die DBAG, die im vergangenen Jahr ebenfalls einen neuen Fonds aufgelegt und im Zuge dessen ihre Investitionsstrategie leicht angepasst hat. Mit 1,1 Milliarden Euro ist dieser sogar noch größer ist als jener von Paragon. Auch Equistone befindet sich in der Investitionsphase, dort wurde im März 2018 ein neuer Fonds geschlossen. Mit 2,8 Milliarden Euro ist dieser noch ein gutes Stück größer. Allerdings investiert Equistone europaweit, während Paragon und die DBAG ihren Schwerpunkt klar auf Deutschland legen.

Die anhaltend gute Versorgung des Marktes mit frischem Kapital dürfte auch mit dafür verantwortlich sein, dass der deutsche Midmarket 2019 mit 51 Deals (Vorjahr: 47) und einem kumulierten Dealvolumen von 5,4 Milliarden Euro (Vorjahr: 4,8 Milliarden Euro) neue Rekordwerte erreichen konnte.    
  
michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Eine Übersicht über alle 51 Midmarket-Deals des vergangenen Jahres sowie weiterführende Statistiken können Sie im Rahmen der „FINANCE Midmarket-Buy-outs 2019“ hier herunterladen.

Wie sich der deutsche Mid-Market im Detail entwickelt hat und welche Dealarten sein Wachstum 2019 angetrieben haben, lesen Sie in unser gestern erschienen Story bei FINANCE-Online.