EQT

21.06.16
Deals

„EQT bringt Private-Equity-Erfahrung in die Start-ups“

EQT hat einen Venture-Capital-Fonds aufgelegt. Partner Ted Persson erklärt im Interview, warum Start-ups ausgerechnet den Private-Equity-Investor als Geldgeber wählen sollen.

Der Private-Equity-Investor EQT hat 566 Millionen Euro für einen Venture-Capital-Fonds eingesammelt. 1 bis 75 Millionen Euro Eigenkapital wollen die Schweden pro Deal in europäische Start-ups stecken.

Damit wendet EQT sich einem Teil der Investment-Welt zu, der grundsätzlich anders funktioniert als der angestammte Private-Equity-Markt: Wagniskapitalgeber kaufen erstens fast nie Mehrheitsanteile. Zweitens sitzen sie jungen Gründern gegenüber, die deutlich anders ticken als die etablierten Industrie-Generäle, mit denen Beteiligungsgesellschaften arbeiten. Drittens müssen sie Dienstleister wie Banker, Berater und Rechtsanwälte kürzer halten, weil ein Venture-Investment kleiner ist und damit weniger abwirft als ein mittelständischer Buy-out.

Darum führt manch ein Private-Equity-Insider den neuen Wagniskapitalfonds von EQT allein auf die Tatsache zurück, dass institutionelle Investoren Rekordmengen an Geld in die Beteiligungsgesellschaften pumpen – und letztere dies nutzen, um ihre Investitionspools ungezügelt zu vergrößern. Diesem Eindruck tritt Ted Persson entschieden entgegen: „EQT bringt Private-Equity-Erfahrung in die Start-ups“, sagt der Schwede, der zu den sieben Partnern des neuen Fonds gehört.

EQT Ventures wirbt mit Private-Equity-Netzwerk

Wie seine Kollegen in der Führung des Fonds kommt Persson nicht aus der Private-Equity-Welt, sondern aus der Tech-Sphäre: Er hat die Beratung Great Works gegründet, die sowohl Start-ups, als auch etablierte Unternehmen in allen Fragen rund ums Digitale berät.

Dass das Team aus Venture-Capital-Profis und nicht aus zweckentfremdeten Private-Equity-Managern besteht, dürfte EQT dabei helfen, die umkämpfte Creme de la Creme der Start-ups zu finden und für sich zu gewinnen. „Ein Unternehmer will als VC jemanden, dessen Team die gleiche Reise hinter sich hat“, drückt Persson es aus. „Ein Team, das versteht, wie man zum Beispiel die besten Produkte entwirft, wie man die besten Mitarbeiter findet, wie man die Datenanalyse im Unternehmen skaliert."

Der VC-Arm von EQT grenzt sich also demonstrativ vom Stammgeschäft ab. Gleichzeitig stellen Persson und Kollegen den eigenen Private-Equity-Hintergrund als Alleinstellungsmerkmal heraus, der ihren Fonds von anderen Venture-Capital-Gebern unterscheidet. Aus dem Industrienetzwerk kann EQT den Start-ups Kunden, Berater und Geschäftspartner vermitteln, so die Argumentation. „Von sechs Start-ups, die EQT Ventures als VC gewählt haben, haben fünf erklärt, dass das Netzwerk von EQT ein entscheidender Grund war“, sagt Persson. Zu den Investments gehören mit der Lieferketten-Software Riskmethods und dem Ferienwohnungsportal Holidu übrigens auch zwei deutsche Firmen.

EQT-Start-up baut Software für Private Equity

Außerdem hat EQT Ventures ein eigenes Start-up gegründet, dessen Geschäftsmodell den einen oder anderen Private-Equity-Investor interessieren dürfte: Die Software Motherbrain durchsucht Datenbanken, Social-Media-Seiten und andere Quellen, um herauszufinden, welche Unternehmen im Aufwind sind und sich demzufolge für Investments eignen.

„Wir glauben, dass die Private-Equity-Industrie ebenfalls von der Digitalisierung profitieren kann“, sagt Persson. Es klingt fast ein bisschen nach einem ironisch-distanzierten Kommentar auf das allzu konservative Verhalten mancher Beteiligungsgesellschaften.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de