WMF

22.08.12
Deals

Finanzinvestoren suchen nach originären Deals

Viel passiert nicht im deutschen Midcap-Segment der Private Equity-Community. Und wenn, dann eher auf der Exit-Seite. Zwar schwimmen etablierte PE-Häuser im Geld, doch finden sie kaum originäre Targets. Viele Deals sind im zweiten Halbjahr im Midcap-Segment nicht zu erwarten.

„Die Pipeline ist weitgehend leer“, sagt ein PE-Berater, der lieber ungenannt bleiben möchte zu FINANCE. „Es gibt deutlich mehr Exits als Käufe“, schallt es aus der Community. Kein Wunder: Müssen doch viele Fonds ihre Investoren auszahlen, wenn sie Argumente für ein neues Fundraising haben wollen. Zudem ziehen Finanzinvestoren gegen Strategen derzeit häufig den Kürzeren in Auktionen, da diese strategische Preisaufschläge zu zahlen bereit sind und volle Taschen haben. Deals scheitern oft an Bewertungsfragen, weniger an den Bewertungsmultiples. Aber Verkäufer und Käufer werden sich oft genug nicht einig, welches Geschäftsjahr als Normaljahr und insofern als Basis anzusetzen ist. Hier sei die Branche aus Schaden klug geworden, finden viele. Hockeystick-Planungen findet man nur noch selten.

Kaum noch originäre Private Equity-Deals

Originäre Deals wie der Einstieg des französischen PE-Hauses Chequers beim schwäbischen Werkzeughersteller Metabo oder die Übernahme des Münchner Textilhändlers Schustermann & Borenstein durch Axa Private Equity haben fast schon Seltenheitswert.

 

So bleiben den PE-Häusern häufig nur Secondary-Deals. Diese stellen inzwischen die Mehrzahl der Transaktionen. Beispiele finden sich zuhauf: Providence übernimmt den Einkaufssender HSE24 von Axa Private Equity, BC Partners den Pharmahersteller Aenova von Bridgepoint. Auch diese können gut gelingen. Allerdings wurden die Unternehmen dann schon einmal operativ optimiert und die Verkaufspreise in die Höhe getrieben, so dass sich zumeist die Frage stellt: „Wo ist die Equity Story?“

Zwischenrunden treiben Target-Preise

Da verwundert es nicht, dass sich PE-Fonds auf die wenigen originärer Deals stürzen. Insider berichten von Zwischenrunden, die die Verkäufer einlegen. Bei der Schustermann-Übernahme etwa seien Gerüchten zufolge namhafte Bieter wie Cinven, Bridgepoint und 3i ausgeschieden, bis schlussendlich Axa Private Equity als Käufer zum Zuge kam.

Mittelständische Industrieholdings beobachten diese Entwicklung mit Interesse: „Wir sehen viele überbewertete Assets“, sagt Christof Nesemeier, CEO der Berliner MBB Industries, die zuletzt mit der Übernahme von Claas Fertigungstechnik von sich reden machte, zu FINANCE. Aus Sicht von Nesemeier nehme die Fluktuation in der PE-Landschaft immer mehr zu: „Derzeit kommen viele neue Adressen an den Markt, die auch wieder verschwinden werden“, sagt Nesemeier.
Die trübe Lage am deutschen Beteiligungsmarkt spiegelt sich etwa im German Private Equity Barometer wider. In Q2 ging so gut wie nichts. Nachdem das Large-Cap-Segment mit der Milliardenübernahme von BSN Medical durch EQT und dem Übernahmeangebot für WMF durch KKR, gibt sich der Bundesverband deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften optimistisch, dass sich das Dealgeschäft im zweiten Halbjahr wieder beleben könnte.
Doch selbst wenn sich die Unsicherheit legt, bleibt das Problem des zukünftigen Deal-Sourcing. Am beliebtesten sind noch Konzern-Spin-Offs. Aber auch dieses Geschäft ist nicht ohne. „Ich glaube nicht, dass es noch einmal so eine Spin-Off-Welle von Konzernen geben wird wie Mitte des Jahrtausends“, glaubt ein Branchenexperte. Während das PE-Geschäft im Large-Cap-Bereich deutlich an Fahrt gewinnt, gilt für das Mid-Cap-Segment: Die Deal-Pipeline ist vergleichsweise leer.


marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de