Hariolf Kottmann wagt sich auf neues Terrain und fängt bei dem Finanzinvestor Advent an.

Advent

08.04.21
Deals

Advent holt Ex-Clariant-Chef

Hariolf Kottmann steigt in die Private-Equity-Branche ein und fängt bei Advent an. Der Ex-Clariant-Chef soll den Finanzinvestor durch seine Chemie-Erfahrung zu mehr Deals verhelfen.

Vom CEO zum Private-Equity-Spezialisten: Nur zwei Monate nach seinem Ausstieg bei dem Chemiekonzern fängt der langjährige Clariant-Chef Hariolf Kottmann bei dem Finanzinvestor Advent an. Bei der Private-Equity-Gesellschaft wird er als Operating Partner arbeiten und soll dabei helfen, die Investitionen im Bereich der Chemie- und Materials-Industrie auszubauen.

Hariolf Kottmann wurde bei Clariant hinausgedrängt

Kottmann war bisher nur in der Corporate-Welt tätig und dabei auch noch ausschließlich im Umfeld des früheren Hoechst-Konzerns. Dort begann er 1985 seine Karriere, später arbeitete der Manager in Führungspositionen bei den Ex-Hoechst-Gesellschaften Celanese und SGL Carbon. 2008 übernahm er den Chefposten des Schweizer Chemiekonzerns Clariant, ebenfalls eine frühere Hoechst-Gesellschaft. 2018 wechselte er kurzzeitig in den Verwaltungsrat, doch schon im Juli 2019 kehrte er auf den Chefposten zurück.

Dies lag daran, dass Clariant in schweren Turbulenzen steckte, ausgelöst von Konflikten rund um geplante M&A-Deals. 2017 wollte Kottmann Clariant für 20 Milliarden Dollar mit dem US-Konkurrenten Huntsman fusionieren. Doch ein Hedgefonds opponierte gegen diesen Plan und vereitelte den Deal. Als der saudische Chemiekonzern Sabic die Anteile des Hedgefonds übernahm, plante Kottmann die Zusammenlegung von wichtigen Spezialchemietöchtern von Clariant und Sabic, doch auch die Saudis machten einen Rückzieher. Zuletzt pochten sie auf eine Sonderausschüttung und drängten Kottmann Ende Januar aus dem Amt. Kottmann wollte das Geld lieber im Unternehmen belassen, damit Clariant selbst mit Zukäufen wachsen kann.  

Advent will mehr Chemie-Deals

Die über 30-jährige Branchenerfahrung des M&A-affinen Chemiemanagers will Advent nun nutzen, um neue Investitionsmöglichkeiten im Chemiesektor zu identifizieren und zu bewerten. Für Private Equity ist die Chemiebranche hoch interessant. Advent zum Beispiel übernahm vor zwei Jahren für 3 Milliarden Euro das Methacrylat-Geschäft von Evonik, das inzwischen unter dem Namen Röhm agiert. Advent will dort von der coronabedingt gestiegenen Nachfrage nach Plexiglas profitieren, aber auch das Finanzmanagement verbessern.

Bisher hat Advent laut eigenen Angaben rund 30 Chemie-Investments getätigt, davon neun in der DACH-Region. Neben Röhm ist der Investor unter anderem an dem Hersteller von Harzbeschichtungen Allnex beteiligt. Von 2007 bis 2013 hielt Advent Anteile an Oxea, einem deutschen Anbieter von Oxo-Alkoholen und Oxo-Derivaten.

„Hariolf Kottmann wird uns helfen, neue Investitionsmöglichkeiten zu verfolgen und aktuelle und zukünftige Portfoliounternehmen zu unterstützen", kommentiert Ronald Ayles, Managing Partner und Global Head of Chemicals & Materials bei Advent die Personalie. Zusätzlich steigt Kottmann auch in den Aufsichtsrat von Röhm ein.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de