Hat nach drei Jahren den ersten Deutschland-Deal gemacht - und das aus dem Home Office heraus: MCP-Deutschlandchefin Inna Gehrt.

Mandarin Capital Partners

25.06.20
Deals

Inna Gehrt: „Private Equity funktioniert im Home Office“

Deutschlandchefin Inna Gehrt spricht über die erste deutsche Transaktion von Mandarin Capital Partners, den neuen Fonds – und ihre Hoffnung, dass der Deal Signalwirkung hat.

Der erste Deal ist nie leicht und lässt mitunter Jahre auf sich warten. Inna Geht ist seit rund drei Jahren Deutschlandchefin des italienisch-chinesischen Private-Equity-Investors Mandarin Capital Partners (MCP) und soll als One-Woman-Show für Deals sorgen. Mitten in der Coronavirus-Krise ist ihr das im Home Office gelungen: MCP übernahm vor wenigen Tagen im Rahmen einer Nachfolgelösung Klapp Cosmetics von Gründer Gerhard Klapp.

Frau Gehrt, Mandarin Capital ist seit 2013 in Deutschland aktiv. Warum hat es mit dem ersten Deal so lange gedauert?

Der deutsche Private-Equity -Markt ist hart umkämpft und Mandarin Capital Partners hat für seine Deutschlandstrategie kein so großes Team aufgebaut, das gleichzeitig an drei oder vier Deals arbeiten kann. Ich bin eine One Woman Show in Frankfurt und zusätzlich noch für das Fundraising von MCP verantwortlich. Zudem ist es für einen italienischen Private-Equity-Investor extrem schwer, in Deutschland einen Deal zu machen.

Wieso das?

Gegenfrage: Kennen Sie einen italienischen Finanzinvestor, der in den deutschen Deal-Listen auftaucht? Die Antwort lautet nein – und ich sage Ihnen auch warum. Die Kaufpreis-Multiples  in Italien sind deutlich niedriger als in Deutschland. Skandinavische Private-Equity-Investoren beispielsweise sind aus ihren Heimatmärkten deutlich höhere Preise gewohnt und können folglich in Deutschland auch leichter einen Deal machen.  

Mit Klapp Cosmetics hat es bei Ihnen dann aber ja doch noch geklappt. Weil der Preis bei diesem Deal keine Rolle gespielt hat?

Er war natürlich wichtig, aber nicht alles entscheidend. Klapp Cosmetics ist in Deutschland eine etablierte Marke für Hautpflegeprodukte (White Cosmetics) und beliefert in erster Linie Kosmetikstudios, die die Produkte selbst nutzen und auch an Kunden verkaufen. Gründer Gerhard Klapp wollte seine Nachfolge regeln und suchte gleichzeitig einen Wachstumspartner für die internationale Expansion, unter anderem nach China. 

Der Markt ist für Kosmektikprodukte „Made in Germany“ extrem lukrativ. Aber auch Italien ist für Klapp Cosmetics spannend, weil dort der Markt für Schminkprodukte (Coloured Cosmetics) noch sehr fragmentiert ist. Als Private-Equity-Investor mit italienischen und chinesischen Wurzeln können wir in beiden Ländern viele Türen öffnen. 

„Die Multiples für Kosmetikunternehmen variieren sehr stark und liegen zwischen 7x und 15x Ebitda.“ 

Trotzdem stellt sich die Frage nach dem Preis …

Über finanzielle Details haben wir Stillschweigen vereinbart. Grundsätzlich investieren wir pro Transaktion zwischen 10 und 20 Millionen Euro Eigenkapital. Die Multiples für Kosmetikunternehmen variieren sehr stark und liegen zwischen 7x und 15x Ebitda. Nur so viel: 15x haben wir sicherlich nicht bezahlt. 

Den Deal haben Sie im März unterschrieben – mitten in der Coronakrise, als der Zugang zu LBO-Krediten schwer möglich war. Wie haben Sie Klapp finanziert?

Bei Klapp Cosmetics arbeiten wir ohne Leverage-Finanzierung. Diese hätte den Deal vermutlich zum Erliegen gebracht. Einen Teil des Kaufpreises haben wir beim Closing mit Eigenkapital bezahlt. Hinzu kommt noch ein Verkäuferdarlehen von Herrn Klapp, der sich zudem noch mit 15 Prozent am Unternehmen rückbeteiligt hat. Das Geld soll im Unternehmen bleiben, damit es wachsen kann. Das einzige Fremdkapital ist eine bestehende Kreditlinie bei der Commerzbank.

Mandarin Capital will Klapp nach China bringen

Wie sehen Ihre Wachstumspläne für das Unternehmen aus?

Klapp Cosmetics soll zum einen organisch wachsen. Wir vermarkten die Marke in China – sowohl beim Endkunden als auch in den Kosmetikstudios. Teil unserer Investmentstrategie sind aber auch Zukäufe. Hier sehen wir in Italien Potenzial für Add-ons – vor allem im Markt für Schminkprodukte, wo Klapp noch überhaupt nicht aktiv ist. Grundsätzlich kaufen wir als Investor im Schnitt drei Add-ons pro Unternehmen – bei einer über alle drei Fonds gerechneten durchschnittlichen Haltedauer von vier bis fünf Jahren. Klapp Cosmetics macht derzeit rund 30 Millionen Euro Umsatz. Wir peilen die 100 Millionen an.

Und Deutschland spielt in Ihren Buy-and-Build-Plänen keine Rolle?

Nein, weil Klapp hier schon eine etablierte Marke ist. Es ist nicht unser Ziel, eine zweite Marke zu kaufen. So ginge ein Stratege vor, der für uns als möglicher Exit-Kanal in Frage kommt. Aber auch für Finanzinvestoren bleibt Klapp Cosmetics interessant. Den US-Markt lassen wir zum Beispiel bei unserer Investmentstrategie zunächst komplett außen vor. 

Wie wurden Sie auf den Deal überhaupt aufmerksam?

Noch vor Corona wurde ich vergangenes Jahr von einem kleineren M&A-Berater aus Münster – JB Consulting – auf den Deal angesprochen. Inzwischen habe ich rund 2.500 Berater in meiner Datenbank, die ich mir in den letzten Jahren mühsam aufgebaut habe. Wir haben in drei Jahren zwar keinen Deal gemacht, aber untätig war ich nicht (lacht). 

„Klapp Cosmetics macht derzeit rund 30 Millionen Euro Umsatz. Wir peilen die 100 Millionen an.“ 

In der Corona-Krise zahlt es sich jetzt aus, so viele Klinken geputzt und den Kontakt zu all diesen Adressen gehalten zu haben. Ich habe zwar offiziell ein Büro in Frankfurt, bin aber ehrlich gesagt fast jeden Tag unterwegs oder im Home Office, woraus ich übrigens den kompletten Deal verhandelt habe.

Private Equity aus dem Home Office geht?

Ja, das geht. Wenn man das Management und den M&A-Berater vorher schon getroffen hat und ein Vertrauensverhältnis besteht, kann man einen Deal auch virtuell verhandeln. Und Due-Diligence -Unterlagen können auch problemlos zu Hause ausgewertet werden. Private Equity muss sich verändern und in seinen Strukturen flexibler werden: Raus aus dem Büro, ran an die Berater. Man braucht nicht zwingend ein riesiges Team und ein hohes Budget, um an einen Deal zu kommen. Man kann viele Sachen auch aus dem Home Office heraus steuern. Gerade für mich als Frau ist das an dieser Stelle sehr wichtig zu betonen, dass viele männliche Kollegen das vermutlich anders sehen.

Inwiefern?

Ich hoffe sehr, dass mein Deal eine Signalwirkung für die Branche hat und mehr Frauen den Weg in die Investment-Teams der Private-Equity-Häuser ebnet. Mein Deal zeigt: Ein Deal kann komplett von einer Frau alleine geführt werden und Private Equity funktioniert teilweise auch aus dem Home Office. Die Private-Equity-Teams in Deutschland brauchen mehr Diversity, vor allem die Häuser im Mid- und Smallcap-Bereich. 

Mandarin Capital legt neuen Fonds auf

Sie sind nicht nur für Deals, sondern auch für das Fundraising bei MCP verantwortlich. Derzeit sammeln Sie Geld für die dritte Fondsgeneration ein. Wie ist der Stand der Dinge?

Für den MCP III wollen wir bis Anfang nächsten Jahres 250 bis 300 Millionen Euro einsammeln. Aktuell stehen wir schon bei Kapitalzusagen über 180 Millionen Euro, wovon wir wiederum bereits 90 Millionen Euro in Unternehmen bis zum Jahresende investiert haben werden. Klapp Cosmetics ist bereits der dritte Deal aus dem neuen Fonds. 

Der Vorgängerfonds war mit 200 Millionen Euro nur unwesentlich kleiner. Warum sammeln Sie nicht mehr Geld ein? War der Fonds nicht erfolgreich?  

Den Fonds MCP II haben wir Ende 2013 aufgelegt, und er war sehr erfolgreich. Wir haben ihn bereits Ende 2019 komplett zurückbezahlt, obwohl wir noch zwei Unternehmen im Portfolio haben. Wir rechnen damit, dass unsere Investoren mit diesem Fonds 2,5x bis 3x Geld verdienen werden.

Wir legen lieber kleinere Fonds auf und drehen diese dafür schneller. Außerdem fühlen wir uns im Smallcap-Segment sehr wohl. Mit einem größeren Fonds müssten wir zwangsläufig auch größere Deals machen. Das wollen wir nicht. Wir kaufen lieber weiterhin kleinere Unternehmen, ohne Auktion, direkt von den Unternehmern. 

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