12.08.15
Deals

Juwi: Was steckt hinter der Kapitalerhöhung?

Die Finanzlage beim Windparkbetreiber Juwi scheint nach wie vor heikel zu sein. Gerüchten zufolge werden die Banken unruhig, die seit wenigen Monaten den neuen Konsortialkredit stellen. Juwi-Mehrheitseigner MVV Energie hat nun 70 Millionen Euro Eigenkapital nachgeschossen.

Für den Mannheimer Versorger MVV Energie wird der Einstieg beim Windparkprojektierer Juwi  zu einem kapitalintensiven Unterfangen. Erst im vergangenen Dezember waren die Mannheimer mit 50,1 Prozent bei Juwi eingestiegen und hatten damit den Weg für eine neue Finanzierungsvereinbarung freigeräumt.

Für Juwi war dies die Rettung aus einer sehr prekären Situation. Wie das Unternehmen inzwischen im Nachtrag zum Geschäftsbericht 2013 der Juwi AG selbst einräumt, waren zuvor Covenants gebrochen worden. So habe die negative Geschäftsentwicklung dazu geführt, dass „die Finanzierungsbedingungen für das im Jahr 2011 aufgenommene Schuldscheindarlehen und den im August 2013 unterzeichneten Konsortialkreditvertrag nicht eingehalten werden konnten und den Banken somit das jederzeitige Kündigungsrecht der bestehenden Kreditlinien zustand“.

Eigenkapital bleibt die Achillesferse von Juwi

Nun mehren sich die Anzeichen, dass sich die Lage womöglich nur kurzzeitig entspannt hat. Zwar hatte ein Konsortium aus 40 Finanzierungspartnern Juwi Ende 2014 einen neuen Kreditrahmen über 300 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, der bis Dezember 2018 läuft. MVV Energie hatte diesen Deal ermöglicht, indem der Konzern eine Juwi-Kapitalerhöhung über 99,4 Millionen Euro zeichnete und im Zuge dessen 50,1 Prozent der Anteile übernahm.

Allerdings ist der Kredit ab dem vierten Quartal dieses Jahres an eine Bedingung geknüpft: „Als einzige Finanzkennzahl des geänderten Konsortialkreditvertrages muss erstmals zum 31. Dezember 2015 eine Eigenkapitalquote von mindestens 15 Prozent zu den Bilanzstichtagen eingehalten werden“, heißt es im Nachtrag zum Geschäftsbericht 2013 der Juwi AG. Das Eigenkapital ist damit einmal mehr zum kritischen Faktor bei Juwi geworden, den der von MVV Energie bei Juwi eingesetzte CFO Marcus Jentsch unter Kontrolle behalten muss.

MVV Energie schießt nochmal 70 Millionen Euro bei Juwi nach

Von der Erfüllung der bald relevant werdenden Eigenkapitalquote war Juwi zuletzt noch ein gutes Stück entfernt: Ende 2013 lag die Eigenkapitalquote gerade einmal bei 5,0 Prozent, gegenüber 16,6 Prozent Ende 2012. Neuere Finanzkennzahlen hat Juwi bislang nicht veröffentlicht. Ein Sprecher sagte auf Nachfrage gegenüber FINANCE nur, man erwarte nach den verlustreichen Jahren 2013 und 2014 für das laufende Jahr den Turnaround und ein positives Jahresergebnis.

Am Markt wird die vor wenigen Tagen kommunizierte erneute Kapitalerhöhung durch MVV Energie in einen engen Zusammenhang mit dem Eigenkapital-Covenant gerückt. Wie es heißt, könnte die erneute Stärkung des Eigenkapitals von Juwi durch MVV Energie in Höhe von 70 Millionen Euro auf Druck der Banken geschehen sein. Das Handelsblatt berichtet unter Berufung auf Unternehmens- und Finanzkreise, die Geschäfte bei Juwi seien zuletzt schlechter gelaufen als geplant, unerwartete Verluste hätten die Eigenkapitalquote nach unten gedrückt.

Juwi und MVV Energie sehen Wachstumsstory

MVV Energie sowie Juwi selbst verkaufen die im Rahmen der Kapitalerhöhung erfolgte Eigenkapitalspritze über 70 Millionen Euro als Wachstumsstory. Juwi könne damit die „Wachstumskraft zur Entwicklung neuer Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien“ stärken. MVV-Energie-CEO Georg Müller sagte, die Wachstumschancen für das Projektgeschäft der Juwi hätten sich „in diesem Jahr sehr positiv entwickelt“. Man schaffe mit dem zusätzlichen Kapital die Basis dafür, dass Juwi diese Chancen konsequent nutzen könne.

Der Anteil der MVV Energie an dem Projektentwickler steigt durch die erneute Investition von 50,1 auf 63 Prozent. Die übrigen 37 Prozent hält weiterhin eine gemeinsame Beteiligungsgesellschaft der beiden Juwi-Gründer Fred Jung und Matthias Willenbacher. Der vormalige Co-CEO Willenbacher hatte kurz nach dem Mehrheitseinstieg der MVV Energie seine operative Tätigkeit bei Juwi aufgegeben.

Die Spekulationen über anhaltende Probleme bei Juwi könnten Wasser auf die Mühlen der Kritiker des M&A-Deals sein. Erst vorletzte Woche hatte eine bis dato kaum bekannte Aktionärsvertretung eine öffentliche Kampagne gestartet, um von MVV Energie die Herausgabe von mehr Infos zum Juwi-Einstieg zu erzwingen. Die Organisation wirft MVV Energie vor, vor dem Juwi-Einstieg keine ausreichende Due Diligence gemacht zu haben.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Alles über die dramatischen Refinanzierungsverhandlungen des vergangenen Jahres und die jüngsten Entwicklungen bei dem Projektentwickler finden Sie auf unserer Themenseite zu Juwi.