MBB bringt sein Portfoliounternehmen Friedrich Vorwerk an die Börse.

Friedrich Vorwerk

24.03.21
Deals

MBB zurrt Vorwerk-IPO fest

MBB platziert die Aktien seines Portfoliounternehmens Friedrich Vorwerk nur am unteren Ende der Preisspanne. Trotzdem kann sich der Investor über eine Top-Rendite freuen.

Friedrich Vorwerk steht kurz vor seinem Börsen-Debüt: Der niedersächsische Rohrleitungsbauer, der ab dem morgigen Donnerstag in den Handel im Prime Standard der Frankfurter Börse gehen wird, hat seinen finalen Angebotspreis auf 45 Euro je Aktie festgelegt. Damit rangiert der Preis im unteren Drittel der zuvor avisierten 41 bis 56 Euro.

Insgesamt gibt Vorwerk bis zu 9,2 Millionen Aktien aus. 2 Millionen Aktien stammen aus einer Kapitalerhöhung, 6 Millionen kommen von Altaktionären und 1,2 Millionen Aktien wurden im Rahmen einer Greenshoe-Option zugeteilt. Zu den Altaktionären gehört die Private-Equity-Beteiligungsgesellschaft MBB, die rund 67 Prozent hält, und Vorstandschef Torben Kleinfeldt. Somit beläuft sich das Angebotsvolumen auf 414 Millionen Euro – bei einem Streubesitz von 46 Prozent liegt die Börsenbewertung des Unternehmens bei insgesamt 900 Millionen Euro. Ursprünglich ging der Markt von einer Bewertung von mindestens 800 Millionen Euro aus.

Vorwerk nimmt mit IPO brutto 90 Millionen Euro ein

Der Industriedienstleister im Bereich Energieinfrastruktur nimmt damit selbst 90 Millionen Euro ein, was er für das Geschäft mit Wasserstoff- und Stromleitungen investieren will. Der Rest des Erlöses geht an MBB und an Vorstandschef Kleinfeldt. Beide sollen an dem inhabergeführten Unternehmen „dauerhaft einen wesentlichen Anteil halten“, heißt es in der Mitteilung. Der Börsengang wurde von Berenberg und Jefferies als Joint Global Coordinators und von Hauck & Aufhäuser als Joint Bookrunner begleitet.

„Der Börsengang gibt uns die Möglichkeit, die Energiewende entscheidend mitzugestalten und insbesondere in den wachsenden Märkten für Wasserstoff und den Ausbau der Stromautobahnen zu expandieren“, begründet Torben Kleinfeldt, CEO und Aktionär den Gang auf das Parkett.

MBB gelingt Coup mit Vorwerk

Für Investor MBB dürfte sich der Börsengang mehr als gelohnt haben – obwohl die Aktien am unteren Ende der Spanne platziert wurden. Das Portfoliounternehmen des Investors nahm 2020 einen Umsatz von 291 Millionen Euro ein und erwirtschaftete ein Ebitda von 59 Millionen Euro. Bei einer Unternehmensbewertung von 900 Millionen Euro und dem Cash-Zufluss von 90 Millionen Euro kommt MBB für Vorwerk damit auf einen Ebitda-Multiple von 13,7x – eine ambitionierte Bewertung.

MBB stieg im Juli 2019 bei Vorwerk ein und zahlte für 60 Prozent nur 17,67 Millionen Euro. Hinzu kam ein Add-on-Deal, bei dem der Investor für 5,26 Millionen Euro das Stromtrassen- und Gasspeicher-Unternehmen Bohlen & Doyle kaufte. MBB erwarb somit innerhalb von weniger als zwei Jahren beide Unternehmen unter Buchwert.

MBB kann auf starkes Wachstum von Vorwerk hoffen

Insgesamt hat MBB damit 22,9 Millionen Euro für das Buy-and-Build-Projekt Vorwerk auf den Tisch gelegt. Was heißt das für die Rendite? Mit einem Anteil von 67 Prozent und bei einer Bewertung von 900 Millionen Euro hätte MBB innerhalb von weniger als zwei Jahren seinen Einsatz mehr als verzwanzigfacht. Doch es hätte sogar noch deutlich mehr sein können. Wären die Aktien am obersten Ende der Spanne platziert worden, hätte MBB seinen Einsatz mehr als verdreißigfachen können.

Doch die Wachstumsaussichten für den Investor sind sehr positiv. Das Unternehmen profitiert davon, dass die Hochleistungsstromleitungen aufgebaut werden, nachdem viele Kohle- und Atomkraftwerke abgeschaltet werden, während gleichzeitig die Offshore-Windenergie zunimmt. Vorwerk-Vorstandschef Kleinfeldt erklärte kürzlich in einem Interview mit dem „Handelsblatt“, dass Vorwerk in den nächsten drei bis fünf Jahren 500 Millionen Euro Umsatz einnehmen könnte. In den nächsten sieben bis zehn Jahren soll der Umsatz gar auf eine Milliarde Euro steigen.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de