So hat Private Equity in der Coronakrise investiert.

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21.06.21
Deals

Diese Lehren zieht Private Equity aus Corona

Während der Coronakrise gab es einige attraktive Targets für Private Equity, doch nicht jeder wollte zuschlagen. Was die Investmenthäuser für sich aus der Krise mitnehmen und wo sie derzeit Chancen und Risiken sehen: Der neue FINANCE Midmarket-Private-Equity-Monitor.

Der Ausbruch der Coronakrise hat die Private-Equity-Branche nur kurzfristig gebremst: Nachdem sich abzeichnete, dass die meisten Portfoliounternehmen ohne größere Probleme durch die Krise kommen würden, schalteten viele Finanzinvestoren über den Sommer bereits wieder in den Deal-Modus. Gesucht wurden außergewöhnliche Investmentchancen, die sich auch während der Krise – oder gerade deswegen – bieten. 

Doch nicht jedes Haus wurde in den zurückliegenden Monaten fündig, zeigt der neue FINANCE Private-Equity-Midmarket-Monitor. Für diesen hat FINANCE gemeinsam mit der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG) die Investment-Manager von mehr als 40 mittelständischen Private-Equity-Häusern anonym zu ihrer Markteinschätzung befragt.

Private Equity scheut Plattform-Deals während Corona

Die Einschätzungen zum Marktumfeld der zurückliegenden Monate zeigen ein differenziertes Bild: Jeder dritte Befragte gibt an, während der Coronakrise zwischen April 2020 und Mai 2021 nicht mehr Deal-Möglichkeiten gesehen zu haben als sonst (Mehrfachnennungen waren möglich). Doch es gibt auch Gegenbeispiele: Immerhin 42 Prozent der der teilnehmenden Investoren haben zwischen April 2020 und Mai 2021 mehr Plattform-Investments getätigt als in gewöhnlichen Zeiten. Damit ist dieser Punkt die am häufigsten gewählte Antwortoption. 

Eine besonders gute Zeit für Schnäppchenjäger war Corona allerdings nicht: Nur 17 Prozent der Teilnehmer stimmen zugleich auch der These zu, dass die Konditionen für Plattform-Deals in diesem Zeitraum besser waren als sonst. Ein weiterer Grund, warum nicht jeder zugeschlagen hat: Für immerhin gut jeden vierten Teilnehmer lag der Fokus in den zurückliegenden Monaten eher darauf, das schon bestehende Portfolio krisenfester aufzustellen. 

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Und zumindest jeder zehnte Teilnehmer hat aus Risikogründen von einer Transaktionsmöglichkeit Abstand genommen: 12 Prozent der Befragten gaben an, zwar M&A-Chancen für Add-ons gesehen zu haben, diese aber nicht wahrgenommen zu haben, weil sie zu riskant gewesen seien. 

Massive Konkurrenz unter Private-Equity-Investoren

Ob nun Krisenphase oder nicht – die Konkurrenz um attraktive Ziele ist nach wie vor hoch. Der These, dass während der Krise in M&A-Prozessen weniger Wettbewerb geherrscht habe, stimmten nur 2 Prozent der Befragten zu. 

Den größten Wettbewerb erfahren die Private-Equity-Investoren derzeit aus den eigenen Reihen: Auf einer Skala von 1 bis 10, wobei der Wert 10 für einen hohen Wettbewerbsfaktor steht, bewerteten die Finanzinvestoren den Wettbewerb untereinander mit dem extrem hohen Wert 8,17.

Zum Vergleich: Bei der Vorjahresumfrage im Mai 2020 bewerteten die Investmentmanager den Wettbewerb mit anderen Midcap-Fonds noch lediglich mit 6,83, im Dezember 2020 lag er bereits bei 8,09. Mutige und Deal-hungrige Finanzinvestoren treffen am Markt also nach wie vor auf harte Konkurrenz. 

Auch der Wettbewerbsdruck durch Strategen ebbt nicht ab: Danach gefragt, wie sie ihre eigene Wettbewerbsposition im Vergleich zu strategischen Investoren einstufen, vergeben die Investmentmanager im Schnitt den Wert 6,29 (10 = sehr gute Wettbewerbsposition). Im Dezember 2020 hatten sich die Finanzinvestoren mit 6,46 noch minimal höher eingestuft, sie schätzen ihre aktuelle Wettbewerbsposition also etwas schlechter ein als im Winter.

DBAG-Chef Grede bei FINANCE-TV

Private Equity investiert mehr in digitales Geschäft

Harter Wettbewerb, ein hohes Preisniveau und parallel anstehendes Krisenmanagement – kein leichtes Umfeld für (gute) Deals. Da verwundert es nicht, dass einige PE-Häuser sich der Lage anpassen. Zwar geben 49 Prozent an, dass Corona ihr Investitionsverhalten nicht dauerhaft beeinflusst habe (Mehrfachnennungen waren möglich). 

Zumindest vorübergehend gibt es jedoch durchaus drastische Effekte: Mit 44 Prozent glaubt fast die Hälfte der Teilnehmer, dass es Geschäftsmodelle gibt, die nicht mehr investierbar sind. Jeder Dritte will künftig stärker als vor Corona einen Investitionsfokus auf digitale Geschäftsmodelle legen.

Und auch die Absicherung ihrer Portfolien haben viele Teilnehmer im Hinterkopf: 22 Prozent der befragten Private-Equity-Investoren streben nach mehr Branchendiversifikation, um besser für Unvorhergesehenes gewappnet zu sein. 15 Prozent haben während der Coronakrise die Due Diligence intensiviert.

DBAG-Vorstandssprecher Torsten Grede glaubt, dass die Finanzinvestoren damit genau die richtigen Schlüsse aus der Coronakrise gezogen haben: „In der Pandemie haben bestimmte Geschäftsmodelle nicht nur nicht gelitten, sondern sogar an Dynamik gewonnen – digitale Geschäftsmodelle gehören dazu. Und es hat sich der Wert von Diversifikation gezeigt  – deshalb ist auch das Streben nach mehr Branchendiversifikation nachvollziehbar“, findet er. Ein massives Umdenken in der Private-Equity-Branche ist gar nicht unbedingt notwendig.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

„In der Pandemie hat sich der Wert von Diversifikation gezeigt.“

Torsten Grede, Vorstandssprecher der DBAG

Wie sich die Personalpolitik der Private-Equity-Häuser verändert, sowie viele weitere Grafiken zum aktuellen Geschehen im deutschen Private-Equity-Midmarket finden Sie im neuen FINANCE Midmarket-Private-Equity-Monitor, den Sie hier kostenlos herunterladen können.