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02.07.13
Deals

„Money-Multiple von 3“: PE-Investor HIG Capital erzielt satte Überrendite

Der europäische Arm des US-PE-Investors HIG Capital hat das Fundraising für seinen zweiten Fonds abgeschlossen. Im FINANCE-Interview spricht Wolfgang Biedermann, Geschäftsführer und Leiter des operativen Geschäfts von HIG in Deutschland, über Dealstrukturen, Überrenditen und Opportunitäten.

Herr Biedermann, für den zweiten europäischen Fonds von HIG Capital haben Sie gerade 825 Millionen Euro eingeworben, mehr als die zunächst geplanten 750 Millionen Euro. Wie lange waren Sie im Fundraising?
Wolfgang Biedermann: „Drei Monate. Das ist ein vertrauensbildendes Signal an den Markt, dass erfolgreiches Fundraising möglich ist.“

 Wie hat sich Ihre Investorenbasis verändert? Ist der Schwerpunkt immer noch aus Nordamerika?
Kaum. HIG Capital ist eine großer Alternative Asset Managers, der Investoren über verschiedene Fonds ansprechen kann. Das ist ein Vorteil und die Investorenbasis bleibt uns treu, solange wir erfolgreich sind. Deutlich über 50 Prozent unserer LPs kommen aus Nordamerika, der Rest aus Europa und dem Rest der Welt.

Haben Sie neue Investoren hereingenommen?
Eine Handvoll Staatsfonds und strategische Fonds. Größere Investoren haben oft Mindestanlagesummen, die sie über unterschiedliche Vehikel wie Debt-Fonds, US-LBO-Fonds und den Europa-Fonds splitten.

 Hat Ihnen der flexible Investmentansatz, der Ihnen sowohl LBOs als auch Distressed-Deals erlaubt, bei dem aktuell eher geringeren Deal-Flow geholfen?
Wir glauben, dass der Fonds als Produkt für Gesamteuropa ohne geographischen Schwerpunkt attraktiv ist und große Marktchancen bietet. Für die Investoren sind unsere Ressourcen in Europa glaubwürdig. Wir beschäftigen 50 Leute in vier Büros und denken über ein fünftes Büro in Italien nach. Das sind schon andere Ressourcen, als eine Boutique bieten kann. Zudem können wir auch komplexe Transaktionen bewältigen und über den Europafonds bei kleineren Transaktionen Schulden aufkaufen – bei größeren Transaktionen nehmen wir unseren Debt-Fonds dazu.

 …wie Sie es etwa bei Losberger oder Walter-Services gemacht haben…
Danach geben wir dann neues Equity hinein. Solche Deleverage-Transaktionen kann ein klassischer LBO-Fonds nicht darstellen.

Und wo sehen Sie derzeit die größten Opportunitäten für Investitionen?
Generell sind Länder mit Kapitalunterversorgung interessant. Das sind Spanien, Italien und in Teilen auch Frankreich. Dort stehen die Volkswirtschaften unter Druck, klassische Finanzierungen sind schwierig. Der Veränderungsdruck ist hoch. Dort gibt es wenig Auktionen.

 Das ist in Deutschland und UK anders. Der Dealflow ist doch eher mau.
Auf den ersten Blick mag das so aussehen. Unsere differenzierte Strategie und komplexe Dealstrukturen erlauben es uns, auch in Deutschland vernünftige Preise zu bezahlen. Wir sind beschäftigt, auch wenn es schon beschäftigungsintensivere Zeiten gab. Proprietäre Prozesse dauern aber viel länger – oft mehr als ein Jahr.

Wie steht es um Ihren ersten Europa-Fonds? Wieviel Geld haben Sie noch? Wieviel haben Sie zurückgezahlt? Wie ist der Zwischenstand beim Money-Multiple?
Wir haben rund 50 Prozent des investierten Kapitals bereits zurückgezahlt, obwohl wir erst fünf Exits realisiert haben und noch circa 25 Unternehmen im Portfolio haben. Anvis etwa war eine gute Transaktion. Bis Ende des Jahres wollen wir vielleicht noch ein maximal zwei Plattform-Investitionen aus Fonds I tätigen, zusätzlich wird es noch einige Add-On-Akquisition geben. Dann ist der Fonds ausinvestiert. Der Schwerpunkt der Investitionen aus Fonds I lag auf den Jahren 2010 bis 2012, so dass viele Exits in den Jahren 2015 bis 2017 anstehen. Zu den Money-Multiples äußern wir uns eher nicht.

Marktgerüchten zufolge liegen Sie bei über 3.
Da liegen Sie nicht ganz falsch.

Wieviele Exits und Zukäufe stehen 2013 noch an?
Wir rechnen mit zwei oder drei Exits und einer ähnlichen Anzahl an Zukäufen.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de