Bullenmarkt: Die Exit-Strategie Börsengang gewinnt bei PE-Investoren an Bedeutung.

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30.06.15
Deals

PE-Investoren: IPO-Exits in Europa werden beliebter

PE-Investoren haben ihre Portfoliounternehmen zuletzt immer häufiger über die Börse verkauft – zumindest in Europa. Global scheint der Exit-Höhepunkt für die Finanzinvestoren dagegen schon erreicht.

IPO statt M&A-Deal: PE-Investoren verkaufen ihre Beteiligungen in Europa immer häufiger über die Börse. Das geht aus einer aktuellen Auswertung der WP-Gesellschaft EY hervor. Demnach erfolgte im ersten Halbjahr des laufenden Jahres mehr als jeder achte (13,1 Prozent) der insgesamt erfassten 229 PE-Exits in der Region EMEA über einen IPO. Die Gesamtzahl der Ausstiege war dabei leicht rückläufig gegenüber dem Vorjahr.

Im Zehnjahresvergleich entspricht dieser Anteil einem neuen Rekordniveau: 2012, auf dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise, lag der Anteil der IPO-Exits im PE-Lager bei gerade einmal bei 1,6 Prozent. 2014 waren es mit 12,8 Prozent allerdings schon fast so viel wie in diesem Jahr.

Anlagedruck treibt Bewertungsniveaus an der Börse

Auch der Dealwert erreichte Rekordniveau: Standen IPOs 2014 noch für 19,5 Prozent der Exit-Erträge von PE-Investoren, waren es im ersten Halbjahr 20,6 Prozent. Martin Steinbach, Head of IPO and Listing Services für die DACH-Region bei EY, erklärt den Anstieg vor allem mit dem derzeit hohen Anlagedruck auf Seiten großer institutioneller Investoren im In- und Ausland: „Das treibt die Bewertungsniveaus am Kapitalmarkt und trägt dazu bei, dass der IPO als Exit-Strategie für PE-Investoren an Bedeutung gewinnt.“

Dennoch rangiert der Börsengang nach wie vor auf dem letzten Rang der von Private-Equity-Häusern präferierten Ausstiegsoptionen: Über die Hälfte der Exits im ersten Halbjahr erfolgte laut der EY-Zahlen über den Verkauf an Strategen („Trade Sale“), 27,5 Prozent im Rahmen von Secondary Buyouts.

Diese Präferenz zeigt sich auch in Deutschland: So bließ kürzlich der PE-Investor Advent den geplanten Börsengang von Douglas kurzfristig ab und veräußerte die Parfümeriekette an den Finanzinvestor CVC. Auf der anderen Seite hält der PE-Investor EQT nach wie vor an den Börsenplänen für seine Modekette CBR fest.

EY: Global ist bei IPO-Exits der Höhepunkt erreicht

Während in Deutschland der IPO-Markt gerade erst Fahrt aufgenommen hat, scheint global gesehen der Trend schon wieder zu kippen: Laut EY-Zahlen lag der Anteil der IPO-Exits im ersten Halbjahr bei 14,4 Prozent, nach 16,5 im Gesamtjahr 2014. Beim Dealwert ist die Entwicklung noch deutlicher: Nachdem PE-Investoren 2014 fast ein Viertel ihrer Exit-Erträge über Börsengänge einsammelten, waren es in den ersten sechs Monaten 2015 nur 12,9 Prozent.

EY geht daher davon aus, dass nach dem Boom-Jahr 2014 – als sich viele PE-Investoren von ihren Beteiligungen aus den Krisenjahren trennten – global der Höhepunkt an PE-getriebenen IPOs bereits überschritten ist.

Ob sich der Trend in Europa auch im Gesamtjahr fortsetzen wird, dazu wagt die Beratung noch keine Prognose. Wie lange das IPO-Fenster offen bleibt, dürfte auch von der unberechenbaren Entwicklung in Griechenland abhängen. In Deutschland hat es am gestrigen Montag schon das erste Opfer gegeben: Die Immobiliengesellschaft ADO hat ihren geplanten Börsengang bis auf weiteres verschoben.

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