Andreas Varnhorn_FINANCE

25.09.18
Deals

Private-Equity-Branche macht sich Sorgen

Ungewohnt selbstkritische Töne aus der Private-Equity-Branche: Bei der Deutschen Investorenkonferenz diskutierten Private-Equity-Experten darüber, wie Debt-Fonds das Private-Equity-Geschäft verändern – nicht nur zum Positiven.

Die Villa Kennedy hat in Frankfurt zum 15. Mal ihre Tore für die Deutsche Investorenkonferenz geöffnet. Zum ersten Mal fanden sich neben Managern von Private-Equity-Fonds auch Vertreter von Debt-Fonds bei der Branchenveranstaltung ein. Eines der Themen: Wie der Vormarsch der Debt-Fonds das Private-Equity-Geschäft verändert, und wie das zu bewerten ist. Der allgemeine Tenor war zunächst relativ eindeutig: Die Mehrheit der Teilnehmer sieht im Vormarsch der Kreditfonds eher einen Segen für die Private-Equity-Branche als einen Fluch, ergab eine TED-Umfrage unter den Teilnehmern. 

Darum liebt Oakley Capital die Debt-Fonds

Der positive Eindruck hat gute Gründe: „Unsere Erfahrung ist, dass Debt-Fonds bei der Kreditentscheidung schneller und flexibler sind als Banken. Und es gibt noch einen weiteren Vorteil: Bei einem Debt-Fonds sind in der Anbahnung nur ganz wenige Personen involviert“, sagte der neue Deutschlandchef von Oakley Capital, Ralf Schremper, im Rahmen einer Panel-Diskussion. 

 

„Wir sind große Fans von Debt-Fonds.“

Ralf Schremper, Oakley Capital

Dies helfe, Informationslecks zu vermeiden: „Vertraulichkeit ist für Oakley Capital extrem wichtig, da wir ganz überwiegend proprietäre Transaktionen durchführen und bei den meisten unserer M&A-Prozesse Exklusivität genießen. Wir sind somit große Fans von Debt-Fonds“, so Schremper.   

Debt-Fonds denken bei Ihren Investitionsentscheidungen zudem unternehmerischer als Banken und bieten tendenziell auch höhere Leverages an. Florian Zimmermann vom französischen Debt-Fonds Idinvest trat jedoch auf die Euphoriebremse.

„Es gibt auch für uns als Debt-Fonds Grenzen beim Leverage. Diese sind vielleicht etwas weiter als bei den Banken, aber mit Blick auf unsere Anleger gibt es auch für uns rote Linien, und deshalb sehen wir die gegenwärtige Marktentwicklung gerade in Verbindung mit den zunehmend lockereren Kreditbedingungen skeptisch. Bei jedem unserer Investments gibt es mindestens einen Covenant." 

„Es gibt auch für uns als Debt-Fonds Grenzen beim Leverage."

Florian Zimmermann, Idinvest

Berenberg nutzt Private Debt für IPO-Folgegeschäft

Private-Equity-Fonds müssen sich bei der Finanzierung ihrer Transaktionen aber nicht zwangsweise zwischen Debt-Fonds und Banken entscheiden – es geht auch beides. Über die sogenannten 1st-out/2nd-out-Strukturen tun sich die beiden Finanzierungspartner zusammen – die Bank übernimmt den sicheren, der Debt-Fonds den risikoreicheren Teil der Finanzierung. 

„Mit unseren Engagements bei Private-Equity-finanzierten Unternehmen bauen wir auch eine Pipeline für unser IPO-Geschäft auf."

Lars Hagemann, Berenberg

Die Berenberg Bank hat dieses Modell in den deutschen Markt hineingetragen und Anfang 2017 für derlei Investments sogar einen eigenen Fonds lanciert. Die Bank tut dies auch mit Blick auf künftiges Folgegeschäft, wie Leveraged-Finance-Chef Lars Hagemann verriet: „Mit unseren Engagements bei Private-Equity-finanzierten Unternehmen bauen wir auch eine Pipeline für unser IPO-Geschäft auf. Von dieser Perspektive erhoffen wir uns einiges."

Fondsmanager finden Private-Equity-Trends ungesund

Die große Frage ist jedoch, wie krisenfest diese Finanzierungspartnerschaften sind. Einen Lackmustest mit einem leckgeschlagenen Private-Equity-Deal, der an einer zu hohen Verschuldung zu zerbrechen droht, hat es noch nicht gegeben. Unter manchen Branchenvertretern herrscht Skepsis, ob Bank und Debt-Fonds in einem Krisenfall tatsächlich an einem Strang ziehen würden, um die Unternehmenskrise zu meistern. 

Tatsächlich erbrachte die TED-Befragung ein interessantes Resultat: Bezeichneten noch 87 Prozent der Teilnehmer Private Debt im Ganzen eher als Segen für das Private-Equity-Geschäft, sank diese Quote hinsichtlich der neuartigen „1st-out/2nd-out-Finanzierungen“ deutlich auf 58 Prozent.

Überraschenderweise noch deutlich negativer fiel das Gesamturteil der DIK-Teilnehmer zum Private-Equity-Markt aus. 44 Prozent im Publikum gaben an, dass die Finanzierungsstrukturen im Markt zwar aggressiv, aber noch vernünftig seien. 56 Prozent halten die Entwicklungen am Private-Equity-Markt hingegen schon für absolut ungesund für die Branche. Gesund und unbedenklich fand die aktuelle Entwicklung kein einziger Teilnehmer.

Abenteurer lassen sich nicht abschrecken

Ist das ein Hinweis darauf, dass die Branche mit einem baldigen Abschwung rechnet? Durchaus möglich. Dennoch gibt es immer noch mutige Private-Equity-Veteranen, die sich von dem fortgeschrittenen Konjunkturzyklus nicht abschrecken lassen und neue Fonds gründen. 

Die Voraussetzungen dafür sind nicht einfach, 68 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass der deutsche Private-Equity-Markt in ihren Augen überbesetzt sei. Warum also neuen Fonds wie beispielsweise Marondo Kapital anvertrauen? „Neue Fonds müssen sich beweisen und investieren einen größeren Einsatz an Manpower als Etablierte“, meint Marondo-Gründer Marko Maschek. Dies spiegelt sich seiner Meinung nach auch in den Renditen wider.

„Neue Fonds müssen sich beweisen und investieren einen größeren Einsatz an Manpower als Etablierte.“

Marko Maschek, Marondo

Neuer Private-Equity-Fonds ohne Beirat geht nicht

Damit diese stimmen, sind die Beteiligungsmanager auf Unterstützung angewiesen. Ohne einen erfahrenen Beirat mit Branchenveteranen hat ein Neuprojekt keine Chance, so der Tenor der zweiten Diskussionsrunde. Dirk Notheis, Chef von Rantum Capital und Cedar Lake, sagte dazu: „Die Branchenkenner und erfahrenen Industrieleute an der Seite sind essentiell, denn als Finanzmensch erkennt man im Maschinenraum der Unternehmen ehrlich gesagt nicht viel.“   

„Die Branchenkenner und erfahrenen Industrieleute an der Seite sind essentiell, denn als Finanzmensch erkennt man im Maschinenraum der Unternehmen ehrlich gesagt nicht viel.“

Dirk Notheis, Rantum Capital

Gregor Hilverkus, der gerade ein neues Private-Equity-Projekt namens Legian vorantreibt, stimmt Notheis zu: „Der Beirat mit Branchenexperten ist extrem wichtig. Wir suchen Leute im Unruhestand für unseren Beirat.“ Hilverkus und sein Kompagnon Dirk Mühl haben vor der Gründung von Legian viele Jahre für den Großinvestor CVC gearbeitet und verfügen aus dieser Zeit noch über viele Industriekontakte.

Dass sich tatsächlich noch neue Fonds erfolgreich etablieren können, zeigt das Rantum-Capital-Projekt von Dirk Notheis. Rantum stellt Mittelständlern Mezzanine zur Verfügung und hat vor wenigen Monaten schon die zweite Fondsgeneration an den Start gebracht : „Wir haben bei keinem unserer Investments aus Rantum 1 Ausfälle oder Zahlungsstockungen gehabt. Unsere Rendite ist deutlich zweistellig. Und auch unser Nachfolgefonds hat aktuell sehr viel Momentum“, berichtete der frühere Deutschlandchef von Morgan Stanley stolz auf der DIK.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de