In der Private-Equity-Branche läuft die Diskussion über Managementgebühren heiß.

CVC/Die Hoffotografen/Golding Capital

09.03.16
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Private-Equity-Branche streitet über Managementgebühr

Die Gründer der PE-Giganten CVC und Carlyle sind an die Öffentlichkeit gegangen, um sich selbst für überhöhte Managementgebühren zu geißeln. Auch in Deutschland läuft die Diskussion heiß. Doch das heißt noch lange nicht, dass sich etwas ändert.

Die Private-Equity-Branche diskutiert verstärkt über die Managementgebühren, die Beteiligungsgesellschaften von ihren Investoren verlangen. Auch in Deutschland werden die Gebühren von 1,5 bis 2 Prozent des gebundenen Kapitals mehr und mehr zum Thema. Und Vertreter von Beteiligungsgesellschaften zeigen sich demonstrativ einsichtig darüber, dass die so genannte Management Fee in der Höhe nicht zu rechtfertigen ist. Doch das bedeutet nicht, dass sich wirklich auf breiter Front etwas ändert.

Die Managementgebühr ist neben dem Carried Interest – eine Form der Gewinnbeteiligung – eine der wesentlichen Gebühren, die Beteiligungsgesellschaften von ihren Investoren verlangen. Sie war ursprünglich dazu da, die Verwaltungskosten der PE-Investoren zu decken. Doch bei großen Private-Equity-Häusern kann die jährlich eingesammelte Summe schnell im dreistelligen Millionenbereich liegen.

Zwei Stars des Sektors haben jüngst ungewöhnlich deutliche Selbstkritik an den Gebühren geübt: Steve Koltes, Co-Chef des in London ansässigen Investors CVC Capital Partners, nannte die Gebühren „hässlich“. Die Management Fee sei eigentlich als Mittel gedacht, die Verwaltungskosten zu decken – würde jetzt aber als Ertragsbringer benutzt. David Rubenstein, Mitgründer des New Yorker Wettbewerbers Carlyle, hatte zuvor prognostiziert, dass die Gebühr sinken würde, weil die Investoren immer weniger Bereitschaft zeigen, sie zu zahlen.

Auch in Deutschland Debatte über Managementgebühr

"Wir haben auch in Deutschland in letzter Zeit die Diskussion zwischen Beteiligungsgesellschaften und deren Investoren darüber, welche Managementgebühren angemessen sind", sagt Christian Schatz, der als Partner bei der Wirtschaftskanzlei King & Wood Mallesons die Verträge zwischen PE-Gesellschaften und Investoren aushandelt.
 
Er plädiert dafür, zu differenzieren: "Man muss sich hier den Einzelfall genau anschauen: Ist der Fonds so groß, dass sich in Summe hohe Beträge aus der Management Fee ansammeln? Oder klein, sodass die Management Fees tatsächlich nötig sind, damit die Gesellschaft ihre Overhead-Kosten decken kann? Auf dieser Grundlage sollte man ermitteln, was der richtige Weg ist.“

Auch Daniel Boege sieht die Debatte um den Posten an Fahrt gewinnen. Boege leitet beim Dachfonds Golding Capital Partners den Private-Equity-Bereich – das heißt, er investiert in PE-Fonds (und zahlt Managementgebühren), um den eigenen Investoren eine Beteiligung am eigenen Vehikel zu ermöglichen.

Zu hohe Managementgebühr macht faul

Boege glaubt, dass zu hohe Managementgebühren für Investoren nicht nur den banalen Nachteil haben, dass sie den Teil der Erträge, die bei den Geldgebern landen, reduzieren: „Unabdingbar für die Performance von Private-Equity ist, dass die Investment-Manager persönlich am Investmenterfolg incentiviert sind“, sagt Boege. Heißt: Die Partner der PE-Gesellschaften müssen im Portmonnaie spüren, ob ihr Portfoliounternehmen gut läuft oder nicht.

Die Managementgebühren sind aber nicht an die Performance der Assets gekoppelt. Heißt: „Wenn die absoluten, fixen Gebühren zu hoch sind, verdienen die Partner der Beteiligungsgesellschaften im Extremfall auch dann sehr gut, wenn die Investitionen nicht erfolgreich sind.“ Und werden im schlimmsten Fall faul. „Dann haben wir einen Bruch im System", meint Boege.

Allerdings ist er der Meinung, dass es auch Fälle geben kann, in denen die Gebühren zu niedrig sind: "Wenn bei einem kleinen Fonds die verfügbare Managementgebühr für das Team allein nicht attraktiv ist, und dann mal der Carry wegbleibt, dann kann das dazu führen, dass dem Fonds reihenweise Manager verlorengehen und der Investor schlimmstenfalls mit einem schlecht laufenden Portfolio ohne Private-Equity Manager dasteht – das ist auch schlecht für die Performance."

Werden die Managementgebühren wirklich sinken?

Eine Entwicklung als Folge der Diskussion sieht Boege: Für die besten, das heißt größten Kunden schaffen die Beteiligungsgesellschaften zunehmend andere Strukturen, sagt Boege – „etwa über Co-Investmentmöglichkeiten oder permanente Investmentvehikel, durch die die Investoren langfristig Kapital zur Verfügung stellen, sodass die Gebühren unterm Strich gegenüber der Beteiligung an Fonds sinken."

Dass sich auf breiter Front etwas ändern wird, ist indes unwahrscheinlich. Denn die Versicherungen und Pensionskassen überweisen den Beteiligungsgesellschaften zur Zeit so viel Geld wie noch nie, um im Niedrigzinsumfeld wenigstens an ein bisschen Rendite zu kommen. „Die Investoren gehen zu den großen, erfolgreichen PE-Häusern – und die nutzen ihre Marktmacht“, sagt Dachfonds-Manager Boege.

Die Folge: Der Druck mag hoch genug sein, um einige prominente Branchenvertreter zu einem Anflug von Selbstgeißelung zu bringen. Hoch genug, um die vieldiskutierte Gebühr abzuschaffen oder maßgeblich zu drücken, ist er nicht.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de