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04.01.18
Deals

Private-Equity-Deals boomen in Europa

Das Volumen aller Private-Equity Deals im Jahr 2017 übersteigt den Vorjahreswert um 50 Prozent. Das Wachstum kommt aus einem überraschenden Land.

Im Jahr 2017 wurden europaweit Private-Equity-Buy-outs im Wert von 90,2 Milliarden Euro abgeschlossen. Das entspricht einer Steigerung des Vorjahreswertes von 60,8 Milliarden Euro um rund die Hälfte, wie das Centre for Management Buy-out Research (CMBOR) an der Imperial College Business School in London ermittelte. 

Überraschend: Der Treiber dieses starken Wachstums ist das Vereinigte Königreich. Trotz der Unsicherheit im Brexit-Prozess verdoppelte sich der Wert der Deals dort fast von 14,7 Milliarden Euro 2016 auf 27,1 Milliarden Euro in diesem Jahr. 

Private-Equity-Deutschland auf zweitem Platz

Anscheinend haben die PE-Fonds die Schockstarre nach dem Brexit-Referendum überwunden und sind wieder zum normalen Tagessgeschäft übergegangen. Das gesamteuropäische Deal-Volumen 2017 von 90, 2 Milliarden Euro ist wieder auf Augenhöhe mit dem Vor-Brexit-Wert von 2015, ermittelten die Wissenschaftler aus London.

Das Vereinigte Königreich ist mit Abstand der größte Buy-out-Markt in Europa. Deutschland liegt mit 17,7 Milliarden Euro Deal-Volumen auf einem weit abgeschlagenen zweiten Platz. Allerdings wurde damit hierzulande das Deal-Volumen aus dem Vorjahr von 6,4 Milliarden Euro fast verdreifacht.

Zwei große Private-Equity-Trends

Abgesehen von diesen Unterschieden im Deal-Volumen stellte das CMBOR der Imperial College Business School zwei große Trends im europäischen Markt fest. Zum einem war das Wachstum in allen Ländern von einer geringen Anzahl von Deals mit größerem Wert getrieben. 

Das Vereinigte Königreich verzeichnete trotz starken Wachstums im Deal-Volumen zum Beispiel mit 181 Buy-out-Deals die niedrigste Anzahl seit 2009. In Deutschland sank die Anzahl Deals trotz der Verdreifachung des Deal-Volumens von 95 Deals 2016 auf 91 Deals 2017.

Zweitens trug in allen Ländern insbesondere der Industriesektor zum Wachstum des Buy-out-Marktes bei. Mit 22,3 Milliarden Euro Deal-Volumen stellt der Industriesektor ein Viertel des gesamteuropäischen Volumens 2017 – der höchste Anteil seit 2008. Die Wissenschaftler der Imperial College Business School führen dies darauf zurück, dass der Sektor in der Vergangenheit bewiesen habe, nachhaltig Gewinne erwirtschaften zu können.

Für die Studie des Centre for Management Buy-out Research (CMBOR) an der Imperial College Business School in London in Zusammenarbeit mit Equistone und der Investec Specialist Bank wurden Buy-out-Daten aus 18 EU-Ländern sowie der Schweiz und der Türkei analysiert. 

CMBOR definiert einen Buy-out als Übertragung von mehr als 50 Prozent der Unternehmensanteile, bei der das Management, Private Equity Fonds oder beide nach Abschluss der Transaktion einen beherrschenden Anteil besitzen. Stichtag für die Erfassung der Deals war der 6. Dezember 2017.