Bei dem Online-Gebrauchtwarenhändler Momox mischt künftig der skandinavische Private-Equity-Investor Verdane mit.

Momox

31.10.19
Deals

Private-Equity-Investor Verdane übernimmt Momox

Der skandinavische Finanzinvestor Verdane hat ambitionierte Deutschlandpläne und übernimmt den Berliner Onlinehändler Momox. Eingefädelt wurde der Deal von der US-Investmentbank Stout, der damit ihr erster Deutschlanddeal gelingt.

Verdane pirscht sich weiter im deutschen Markt voran: Wie der skandinavische Private-Equity-Investor vor wenigen Minuten bekanntgab, erhöht er seine Beteiligung an dem Berliner Online-Gebrauchtwarenhändler Momox. Transaktionsdetails nannte Verdane nicht. Der Finanzinvestor hält nach FINANCE-Informationen nun fast 60 Prozent an Momox. Im September 2018 hatte sich der Finanzinvestor bereits mit einer Minderheitsbeteiligung an Momox beteiligt.

Verdane fährt aggressive Deutschland-Strategie

Das Geschäftsmodell von Momox ist simpel: Die Berliner kaufen gebrauchte Artikel wie Bücher oder DVDs an, die sie dann je nach Produktart über ihre Plattformen Medimops und Ubup weiter verkaufen. Mit diesem Geschäftsmodell setzte Momox 2018 nach eigenen Angaben rund 200 Millionen Euro um. Nach FINANCE-Informationen lag der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im zweistelligen Millionenbereich, wodurch Verdane Momox bei der Transaktion mit einem dreistelligen Millionenbetrag bewertet haben könnte.

Dem Private-Equity-Investor werden in Deutschland ehrgeizige Wachstumspläne nachgesagt, nachdem er im vergangenen Jahr sein erstes Deutschlandbüro in Berlin eröffnet hat. Dass der deutsche Markt für die Skandinavier interessant ist, zeigen neben Momox vier weitere deutsche Investments der vergangenen Jahre: 2016 stieg Verdane sowohl bei dem Hannoveraner Cloud-Sicherheitsprovider Hornetsecurity als auch dem Berliner Content-Marketing-Spezialisten Searchmetrics ein.

Plant Verdane mit Momox einen IPO-Exit?

Ebenfalls im Jahr 2016 sicherte sich Verdane eine Beteiligung an dem Kreditvermittler Smava, der sogar einen Börsengang in Betracht zieht. Nach FINANCE-Informationen soll Verdane auch bei Nucom mitgeboten haben, der Digitalsparte von Pro Sieben Sat 1. Den Zuschlag für die Minderheitsbeteiligung erhielt jedoch der Wachstumsinvestor General Atlantic.

Eine Ausnahme im sonst stark technologielastigen Portfolio des Private-Equity-Hauses: der Plus-Size-Modehändler Navabi, bei dem Verdane 2018 eingestiegen ist. Seit 2003 hat Verdane nach eigenen Angaben bereits rund 1,8 Milliarden Euro eingesammelt. Der jüngste Fonds aus dem Jahr 2018 ist 6 Milliarden schwedische Kronen schwer, was umgerechnet rund 550 Millionen Euro entspricht.

Auch Momox wird in Tech-Kreisen bereits als möglicher IPO-Kandidat gehandelt. Es wäre nicht das erste Mal, dass Verdane einen Börsengang als Exit-Kanal wählt: Auch den schwedischen Online-Modehändler Boozt brachte Verdane nach fünf Jahren Haltedauer an die Stockholmer Börse.

US-Investmentbank Stout fädelte den Deal ein

Eingefädelt wurde die Transaktion von der US-Investmentbank Stout, die Momox bei dem Deal beraten hat. Der Fokus von Stout liegt auf Tech-Investments. Für die US-Amerikaner ist Momox hierzulande der erste deutsche Deal, nachdem sie Anfang dieses Jahres ihr erstes Deutschlandbüro in Berlin eröffnet haben.

Stout ist nicht die einzige Tech-Investmentbank aus den Staaten, die in Deutschland Fuß fassen will. Auch die US-Investmentbank Oppenheimer hat im Sommer vergangenen Jahres ihre erste Deutschlandniederlassung in Frankfurt eröffnet. Um das Deutschlandgeschäft voranzubringen hatte Oppenheimer damals den bekannten Tech-Investmentbanker Jens Munk ins Team geholt.

Munk hat Oppenheimer jedoch schon wieder verlassen. Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass er Co-CEO bei der Deutschen Handelsbank wird und dort sein Projekt, Venture Debt in Deutschland zu etablieren, weiterführen will.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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