Für Private-Equity-Investoren rücken börsennotierte Unternehmen in den Fokus. Experten rechnen mit einer neuen Übernahmewelle.

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28.02.17
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Private-Equity-Manager setzen auf börsennotierte Firmen

Private Equity richtet den Blick auf die Börsen: In den nächsten Monaten könnten gleich mehrere Übernahmen gelisteter Unternehmen anstehen, prophezeien mehrere hochrangige Investmentmanager.

Die hohen Preise am M&A-Markt bringen Finanzinvestoren zunehmend dazu, auf börsennotierte Übernahmeziele zu schauen, obwohl diese Investments eigentlich problematisch sind: Um den vollen Durchgriff zu bekommen, müssten die neuen Eigentümer die Unternehmen von der Börse nehmen, was rechtlich in Deutschland sehr schwierig ist. Trotzdem steigt das Interesse an solchen Transaktionen, sagten hochrangige, für den deutschen Markt zuständige Investmentmanager auf der Branchenmesse Super Return.

„In den nächsten Monaten wird es eine neue Welle von Private-Equity-Kapital in öffentlich notierte Unternehmen treiben“, sagte Castik-Co-Chef Michael Phillips auf der Berliner Private-Equity-Konferenz, die am gestrigen Montag begann und noch bis Freitag geht. „Wenn Sie in börsennotierte Unternehmen investiert sind, dann machen Sie sich auf Liquidität gefasst.“ Kurz: Es stehen Übernahmeangebote ins Haus.

Kai Romberg von dem Mittelstandsinvestor HG Capital äußerte sich ähnlich. Was die Preise von nicht börsennotierten Unternehmen angehe, sei eine Spitze erreicht. „Das erzeugt Druck, mehr in öffentliche Märkte zu investieren“, folgerte Romberg. HG Capital werde sich dabei auf so genannte Public-to-Privates konzentrieren, also die Übernahme von börsennotierten Firmen mit anschließendem Delisting. Doch auf den gesamten Markt gemünzt, sei das nicht die einzige Spielart. Auch die Zahl an Investments in gelistete Firmen ohne anschließendes Delisting dürfte steigen.

Deutsche Investorenkonferenz 2017

Private Equity fließt immer mehr Geld zu. Die Folge: Die Konkurrenz um Zukaufsziele wird schärfer. Das treibt Kaufpreise und Leverage-Grade in die Höhe und macht es den Private-Equity-Häusern damit immer schwerer, den Wert ihrer Beteiligungen über die Haltedauer hinweg zu steigern. Wie die Branche damit umgeht, diskutieren namhafte Fondsmanager auf der Deutschen Investorenkonferenz am 13. November in Frankfurt. Hier geht es zu Programm und Anmeldung »

Ankündigung zur 14. Deutschen Investorenkonferenz

Advent könnte bei Stada ein Delisting planen

„Durch das viele Private-Equity-Geld sind private Firmen mittlerweile teurer als öffentliche“, ergänzte Ronald Ayles, Managing Partner im Frankfurter Büro von Advent International. Das werde im Falle von Advent zu mehr Public-to-Privates führen, „das ist unser Modell“. Am breiten Markt sieht Ayles ähnlich wie Romberg sowohl mehr Public-to-Privates als auch mehr Investments in börsennotierte Unternehmen ohne anschließendes Delisting kommen.

Das kann als impliziter Ausblick auf Advents Pläne bei Stada gewertet werden. Advent hatte in der vergangenen Woche das erste verbindliche Angebot für den MDax-Konzern abgegeben, dabei aber nichts zu einem möglichen Delisting gesagt. Stattdessen hatte Advent betont, ein Verkauf von „wesentlichen Unternehmensteilen“ oder eine Zerschlagung seien nicht vorgesehen. Advent wolle den hessischen Pharmakonzern durch Zukäufe und neue Produkte wachsen lassen.

Mit Douglas kann Advent in Deutschland bereits ein erfolgreiches Public-to-Private-Investment vorweisen. Advent hatte das früher familiengeführte Unternehmen von der Börse genommen und anschließend von einem verzweigten Einzelhandelskonglomerat zu einer reinen Parfümeriekette umgebaut. Mitte 2015 ging Douglas an den Advent-Mitbewerber CVC.

Nimmt KKR GFK von der Börse?

In den vergangenen Monaten sorgte neben dem Wettbieten um Stada vor allem das Gerangel um eine bestimmte gelistete deutsche Firma für Aufsehen – den Marktforscher GFK. KKR und der Großaktionär GFK-Verein haben trotz des unabgestimmten Einstiegs weiterer Finanzinvestoren durch ein Umtauschangebot an die Aktionäre eine Kontrollmehrheit an dem SDax-Konzern erreicht. Marktbeobachter halten ein Delisting des Unternehmens für gut möglich.

Das Gleiche hatte KKR beim Küchenwarenhersteller WMF nach dem Kauf im Jahr 2012 getan, 2014 ging das Unternehmen von der Börse. Es folgte ein großangelegter Umbau, wie er bei einem börsennotierten Unternehmen kaum möglich gewesen wäre. Dem Vernehmen nach passte KKR die gesamte Infrastruktur von WMF an den Trend zum Online-Shopping an. So reduzierte KKR etwa die Anzahl der Warenhäuser von über 30 auf vier, um die Koordination in der Lieferkette zu vereinfachen. 2016 verkaufte KKR das Traditionsunternehmen an die französische Groupe SEB. Dem Vernehmen nach hat der Finanzinvestor sein Geld dabei mehr als verdreifacht.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

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