Wenn der Private-Equity-Investor anklopft, lockt das große Geld. Doch der Investoreneinstieg sorgt für große Veränderungen.

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05.04.16
Deals

Private Equity: Was passiert, wenn der Investor anklopft?

PE-Investoren durchsuchen die deutsche Unternehmenslandschaft so intensiv wie nie nach Kaufzielen. Unternehmer, CEOs und CFOs sollten den Deal gut verhandeln – denn für sie ändert sich danach alles.

Private-Equity-Investoren umwerben deutsche Unternehmen so stark wie noch nie. Denn sie sitzen auf so viel Geld wie nie, und geeignete Übernahmeziele sind rar. Für Manager und Unternehmer kann der Einstieg des Investors sich lohnen – unter bestimmten Umständen.

Der Private-Equity-Investor finanziert den Buy-out meistens aus einem Fonds, an dem sich andere Unternehmen und Investoren beteiligen. Typischerweise hält der Investor das gekaufte Unternehmen für fünf bis sieben Jahre. Dann steigt er aus – und erwartet eine Wertsteigerung, welche die Entwicklung an den Aktienmärkten übertrifft.

„Oft merkt der Gründer, dass ein neuer Wachstumsschritt ansteht und er ihn nicht alleine gehen kann“, hatte Felix Rose die Beweggründe für den Schulterschluss mit der Beteiligungsgesellschaft im FINANCE-Interview geschildert. Rose war früher Deutschland-Statthalter des Private-Equity-Hauses Cinven, heute berät er Manager und Unternehmer in Verhandlungen mit Investoren.

Wachstum war auch das Ziel von Labordienstleister Synlab. Um seinen Plan umzusetzen, einen Branchenriesen zu schaffen, brauchte Gründer Bartl Wimmer Kapital. Er bekam es vom PE-Haus BC Partners. Das Resultat: Zum Start die Übernahme von zwei Konkurrenten aus Österreich und Italien, in der Folge weitere 63 M&A-Deals. Heute ist Synlab in 19 Ländern Europas vertreten und auch über die Kontinentgrenzen hinaus aktiv.

Drei Varianten eines Private-Equity-Deals

Die erste und einfachste Variante eines Private-Equity-Deals ist, dass die Inhaber ihre Firma als Ganzes verkaufen. Was mit dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern dann passiert, bleibt dem Käufer überlassen.

Zweitens kann der Unternehmer (oder wer auch immer die Firma besitzt) dem Investor Anteile verkaufen, selber aber die Mehrheit am eigenen Betrieb behalten – und damit auch die Kontrolle. So machte es beispielsweise Stefan Tewes, Gründer der Kaffeekette Coffee Fellows. Tewes holte sich den PE-Investor BWK mit einem Anteil von 22 Prozent ins Haus und konnte das zusätzliche Geld in die Expansion der Filialen von Coffee Fellows stecken. Doch trotz Minderheitsbeteiligung müssen Unternehmer beachten, dass auch hier die Investoren möglichst viel mitreden wollen.

Bei der dritten Alternative übernimmt die Beteiligungsgesellschaft eine Mehrheit. Der bisherige Inhaber behält einen Minderheitsanteil und bleibt im Management. Diese Option wählte auch Synlab-Gründer Bartl Wimmer, der 70 Prozent seines Unternehmens verkaufte, aber als CEO weiter an dessen Spitze steht. Berater Rose: „Wenn ich als CEO an Bord bleibe, wird sich mein Berufsleben grundlegend ändern – und das meiner Mitarbeiter auch.“ Heißt: Mehr Arbeit, mehr Unruhe, ständiger Renditedruck.

CFOs werden nach Private-Equity-Einstieg am Unternehmen beteiligt

Nicht nur für den CEO, sondern auch für den Finanzchef ändert sich bei der Mehrheitsübernahme durch eine Beteiligungsgesellschaft alles. Entweder er muss gehen, weil der Investor ihm die neue Aufgabe nicht zutraut. „Kein Stuhl ist so heiß wie der des CFO“, sagt Felix Rose. Bleibt er, wird er in der Regel zum Mitgesellschafter.

Das wird dann Sweet Equity genannt und bedeutet, dass der CFO Unternehmensanteile erhält, die sich stärker vervielfältigen, als der Unternehmenswert steigt. Das Sweet Equity (das Instrument kommt auch bei Gründern und anderen Managern zum Einsatz) fällt für CFO und CEO in aller Regel deutlich stärker ins Gewicht als das Grundgehalt.

Dass der CFO sich als Inhaber und nicht als Angestellter fühlt, soll aus Sicht des PE-Investoren sein Engagement steigern. Das ist angezeigt, weil seine Rolle eine Fordernde ist. So muss er immer wieder mit den risikofreudigen Investoren aushandeln, was der vernünftige Verschuldungsgrad des Unternehmens ist, und den Eignern die finanzielle Entwicklung der Firma erklären. Das braucht Gestaltungskraft – und eine geschickte Kommunikation. Reine Zahlenmeister sind hier fehl am Platz.

julian.woehr[at]finance-magazin.de