12.04.16
Deals

Private Equity wettet auf Europa

Finanzinvestoren bekommen für ihre Europa-Beteiligungen immer mehr Kapital. Doch schaffen sie es, das Geld sinnvoll anzulegen? Zweifel sind nicht nur wegen des Brexit-Risikos angebracht.

Private-Equity-Fonds, die das Geld ihrer Investoren in Europa anlegen, haben Konjunktur. Im ersten Quartal 2016 haben 37 dieser Investmentvehikel 27,9 Milliarden US-Dollar an Kapital angezogen, wie Zahlen des Datenanbieters Preqin zeigen.

Damit verkürzen die Europa-Fonds den Abstand zu ihren US-Pendants. Die liegen zwar mit einem Fundraising von 37,6 Milliarden Dollar in 88 Fonds im ersten Quartal immer noch vorn. Doch im Jahr 2015 war das Verhältnis viel eindeutiger: Damals haben die amerikanischen Vehikel 183 Milliarden Dollar eingesammelt – die europäischen Pendants bekamen mit 71 Milliarden Dollar deutlich weniger als die Hälfte überwiesen.

Ein wesentlicher Grund für die Trendwende dürften die unterschiedlichen Bewertungsniveaus sein: US-Aktien sind deutlich höher bepreist als die in Europa, was auch die Kaufpreise nicht börsennotierter Firmen treibt. Somit ist wahrscheinlich, dass Beteiligungsgesellschaften und ihre Geldgeber im europäischen Private-Equity-Sektor mehr Chancen für Wertsteigerungen wähnen.

Brexit lähmt Private Equity in Großbritannien

Die entscheidende Frage ist: Wo in Europa können Private-Equity-Fonds tatsächlich zum Zuge kommen, um ihre neugewonnenen Milliarden anzulegen? In Großbritannien – traditionell der wichtigste PE-Markt auf dem Kontinent – jedenfalls nicht.

Laut Daten von Dealogic wurden in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres auf der Insel Deals im Volumen von vergleichsweise anämischen 396 Millionen Dollar gemacht. Im vierten Quartal 2015 war das Volumen mit 8,5 Milliarden noch mehr als zwanzig Mal so hoch.

Deutschland ist für Investoren kein sicherer Hafen

„Der drohende Brexit führt dazu, dass Käufer und Verkäufer sich auf dem britischen M&A-Markt nicht einig werden“, kommentiert ein Investmentbanker das Geschehen gegenüber FINANCE. „Die Käufer verlangen hohe Abschläge für das Risiko eines Austritts – die Verkäufer auf der anderen Seite argumentieren, ihr Unternehmen sei ohnehin moderat bepreist, so dass hohe Rabatte nicht möglich seien.“ Im Juni entscheidet sich, ob Großbritannien in der Europäischen Union bleibt.

Angesichts des vorübergehenden Quasi-Ausfalls von Großbritannien als Deal-Quelle dürften die Investment-Manager der Europa-Fonds auch auf Deutschland hoffen. Hier kauften Beteiligungsgesellschaften im ersten Quartal dieses Jahres für 2,5 Milliarden Dollar zu, Deutschland rückte damit als Zielland in Europa von Platz sechs auf Platz zwei vor. Doch das Geld wurde mit Krauss-Maffei und der Rüstungselektronik-Sparte von Airbus vor allem in zwei großen Deals investiert. Das zeigt, wie fragil auch Deutschland als Zielland für Finanzinvestoren angesichts der historisch hohen Bewertungsniveaus ist.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de