Solarmodulfertigung bei Solarworld: Das Sanierungsgutachten von PwC ist für die Solarworld-Aktionäre eine bittere Lektüre.

Solarworld

25.06.13
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PwC beurteilt Solarworld kritisch

Der Rettungsplan von Solarworld-CFO Philipp Koecke kommt voran, die Schuldscheingläubiger haben einem Forderungsverzicht bereits zugestimmt. Doch für die Solarworld-Aktionäre sieht es noch finsterer aus als angenommen. Jetzt liegen die Ergebnisse des Sanierungsgutachtens von PwC vor – für die Solarworld-Eigner sind sie bitter.

Schock für die Solarworld-Aktionäre: In seinem Sanierungsgutachten für Solarworld beziffert Pricewaterhouse Coopers (PwC) den Unternehmenswert des Solarkonzerns nach dem geplanten Schuldenschnitt auf bestenfalls 610 Millionen Euro. In einem konservativen Szenario kommt PwC sogar nur auf 495 Millionen Euro. Dies liegt nur unwesentlich über dem im Zuge des Haircuts angestrebten neuen Schuldenstands von rund 430 Millionen Euro.

Ein Team um PwC-Partner Derik Evertz hat den Solarkonzern für dieses Gutachten monatelang systematisch unter die Lupe genommen und das Ergebnis am Ende im Zuge einer Discounted-Cashflow-Rechnung ermittelt. Die PwC-Berechnungen bedeuten: Selbst wenn der äußerst komplizierte Debt-Equity-Swap gelingt und nach den Schuldscheininvestoren auch die Anleihegläubiger auf 60 Prozent ihrer Forderungen verzichten, wäre das Eigenkapital der aktuell mit mehr als 1 Milliarde Euro verschuldeten Solarworld kaum noch etwas wert.

Allerdings soll durch eine anschließende Kapitalerhöhung nach der Einigung mit den Gläubigern frisches Eigenkapital  ins Unternehmen fließen. Vergangene Woche hatte Solarworld-Chef Frank Asbeck einen Rettungsplan angekündigt, zusammen mit dem Emirat Qatar will er neue Aktien im Wert von 46 Millionen Euro zeichnen. Mittelfristig will er sich gemeinsam mit den Arabern sogar wieder die Mehrheit an dem vom ihm gegründeten Solarkonzern zurückholen. Asbecks Ziele und die Höhe seiner angekündigten Eigenkapitalspritze passen von der Größenordnung her zu dem von PwC ermittelten Unternehmenswert.

Solarworld braucht ein Ebitda von mehr als 100 Millionen Euro

Die Eigenkapitalseite rückt bei dem Solarworld-Drama jetzt wieder stärker in den Blickpunkt, nachdem Solarworld-CFO Philipp Koecke vor einer Woche bei der Restrukturierung der Schulden einen ersten Etappensieg erreicht hat: Mit den Schuldscheingläubigern – nach FINANCE-Informationen angeführt von dem PE-Investor Strategic Value Partners (SVP) – hat sich Koecke auf einen Forderungsverzicht von 60 Prozent geeinigt.

Mit dem PwC-Gutachten kristallisiert sich jetzt aber heraus, dass Solarworld selbst dann noch lange nicht aus dem Schneider wäre, wenn Koecke auch die Anleihegläubiger von einem Forderungsverzicht überzeugen kann. Nach Berechnungen von FINANCE müsste der Bonner Solarkonzern angesichts einer Pro-forma-Schuldenlast  (nach dem Schuldenschnitt) von immer noch mehr als 400 Millionen Euro, einem Kassenbestand von nur noch180 Millionen Euro und absehbaren hohen Investitionen schnellstens wieder einen operativen Gewinn (Ebitda) von 100 bis 150 Millionen Euro erreichen.

Aus Unternehmenskreisen wurde diese Kalkulation bestätigt. Bei einem Umsatz von 600 bis 700 Millionen entspräche dies einer Ebitda-Marge von rund 20 Prozent. Im vergangenen Geschäftsjahr lag das Ebitda bei minus 215 Millionen Euro.

„Capex-Holiday“ für Solarworld-CFO Philipp Koecke

Doch es gibt auch einen Hoffnungsschimmer für CFO Koecke, Asbeck und die übrigen Solarworld-Eigner: Der gewaltige Druck auf das operative Geschäft könnte bald nachlassen, die Angebotsschwemme aus China abebben. Zum einen haben die von der EU angekündigten Strafzölle auf chinesische Solarmodule den Preisverfall in Deutschland bereits gestoppt. Und nach einem Preissturz von mehr als 90 Prozent seit 2006 sind die Preise inzwischen so niedrig, dass die Transportkosten die Lohn- und Energiekostenvorteile asiatischer Produzenten schon in absehbarer Zeit zu weiten Teilen entwerten könnten. Angesichts des rasanten technischen Fortschritts beim Energie-Output der Solarmodule und bei den Fertigungstechniken könnte eine Stabilisierung der Modulpreise schon genügen, damit die bei Solarworld anfallenden Verluste spürbar sinken.

Die Trendwende, auf die Kocke und Asbeck hoffen, müsste freilich schnell kommen, denn spätestens 2015 steht in der Solarindustrie der nächste Investitionszyklus an. Im Raum stehen gewaltige Summen: So musste CFO Philipp Koecke im Zuge des jüngsten Modernisierungswettlaufs fast 700 Millionen Euro in die Aufrüstung der Solarworld-Fabriken stecken.
Im Moment genießt Solarworld – wie auch die meisten Wettbewerber – noch eine Art „Capex-Holiday“: Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2012 hat Solarworld netto sogar 7 Millionen Euro weniger investiert als durch Anlagenverkäufe eingenommen.       

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Können Koecke und Asbeck Solarworld retten? Wieso ziehen die Bondgläubiger nicht an einem Strang? Und welche Rolle spielen Anwälte, Debt Advisor und Hedgefonds beim Überlebenskampf des Bonner Solarkonzerns? Die Antworten finden Sie in der Titelstory der aktuellen Ausgabe von FINANCE.