„Rekord-Deal“ für Mutares

Mutares

11.03.21
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„Rekord-Deal“ für Mutares

Mutares verkauft den börsennotierten Autozulieferer STS an Adler Pelzer und streicht einen Rekordgewinn ein. So hat der Turnaround-Investor bei STS Kasse gemacht.

Mutares verkauft seinen 73,25-prozentigen Anteil an der börsennotierten STS Group für 7 Euro je Aktie an den Autozulieferer Adler Pelzer. Insgesamt wird das Eigenkapital von STS bei dem Deal mit rund 45 Millionen Euro bewertet, wovon 33 Millionen Euro in die Taschen des Münchener Turnaround-Investors fließen. Außerdem garantiert Adler Pelzer die Rückzahlung der Mutares-Gesellschafterdarlehen, die laut Unternehmensangaben einen „mittleren einstelligen Millionenbereich“ erreichen. 

Beim Börsengang im Juni 2018 kassierte Mutares schon 25 Millionen Euro. Darüber hinaus flossen laut Mutares noch weitere Gelder aus Dividenden und Rechnungen für Beratungsdienstleistungen an Mutares, eine Cashflow-Säule, die Mutares plant, portfolioweit stark auszubauen. Insgesamt ergibt sich ein Rückfluss aus dem STS-Investment von 72 Millionen Euro. Basierend auf dem Kapital von 8 Millionen Euro, das Mutares seit der Übernahme vor acht Jahren in STS investierte, errechnet sich aus dem jetzt erreichten Exit eine Verneunfachung des Einsatzes.

Gleichwohl hatte sich zwischenzeitlich ein noch besserer Deal abgezeichnet – 2018 ging STS zu einem Preis von 24 Euro je Aktie an die Börse, mehr als dreimal so viel, wie Mutares jetzt realisiert. 

Warum Adler Pelzer STS übernimmt

Für die Adler Pelzer Group ist die Komplettübernahme von STS der nächste logische Schritt. Bereits im November vergangenen Jahres hatte Adler Pelzer den Geschäftsbereich „Acoustics“ von der STS Group erworben. Mit STS baut sich Adler Pelzer ein zweites Standbein im Bereich „Hard Trim“ auf. Hard-Trim-Kunststoff-Produkte werden bei Nutzfahrzeugen zum Beispiel für Außenteile wie Frontmodule eingesetzt. Der Bereich „Hard Trim“ wird den Bereich „Soft Trim“ – Produkte, die den Komfort in der Fahrerkabine erhöhen – und den Bereich „Acoustics“ ergänzen, der akustische und thermische Systeme umfasst.

Doch der M&A-Deal ist nicht ohne Risiko: STS gehört zu den eher schwächeren Autozulieferern in Deutschland und ist mit 48,9 Millionen Euro netto – gemessen am Ertrag – hoch verschuldet. Die Coronakrise traf den Mittelständler hart, in den ersten drei Quartalen 2020 brach der Umsatz um 20,9 Prozent auf 218,5 Millionen Euro ein. Während das Geschäft in Europa noch stärker einbrach, konnte das noch junge Geschäft in China hingegen sogar kräftig zulegen.

Der bereinigte operative Gewinn (Ebitda) sank auf 1,9 Millionen Euro verglichen mit 14,1 Millionen Euro in der Vorjahresperiode. Das dritte Quartal lag mit 4,1 Millionen Euro aber schon wieder auf Vorjahresniveau. Infolge dieser Erholung konnte auch die Aktie ihr Tal wieder hinter sich lassen – im Frühsommer war sie noch bis auf 2 Euro abgerutscht. 

Die STS Group ist schon das zweite Unternehmen, das die Private-Equity-Gesellschaft Mutares in diesem Jahr verkauft. Zuletzt hatten die Münchner die italienische Nexive-Gruppe verkauft.

eva.brendel[at]finance-magazin.de