Bekommt Schmolz+Bickenbach Hilfe aus Russland?

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04.04.13
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Russischer PE-Investor will bei Schmolz + Bickenbach einsteigen

Schmolz + Bickenbach kommt bei seiner Suche nach einem Investor voran: Die Beteiligungsgesellschaft Renova des russischen Milliardärs Viktor Vekselberg denkt offenbar darüber nach, bei dem hochverschuldeten Stahlkonzern einzusteigen. Die Schweizer brauchen dringend frisches Eigenkapital, um die Forderungen ihrer Banken zu erfüllen.

Ein russischer Oligarch könnte dem hochverschuldeten Schweizer Stahlkonzern Schmolz + Bickenbach zu Hilfe kommen. Nach Unternehmensangaben plant Viktor Vekselberg mit seiner Beteiligungsgesellschaft Renova bei Schmolz + Bickenbach einzusteigen. Wie das an der Schweizer Börse notierte Unternehmen heute mitteilte, hat sein Hauptaktionär, die Holding Schmolz+Bickenbach GmbH & Co. KG, eine Exklusivvereinbarung mit Renova vereinbart.

Laut Geschäftsbericht hielt die Holding Ende 2012 rund 42 Prozent der Anteile, weitere 6 Prozent hält das Verwaltungsratsmitglied Gerald Büttiker mit seiner Gebuka AG. Rund 52 Prozent befanden sich demnach im Free Float.  Der Verwaltungsrat sei gegenüber einer Beteiligung von Renova offen, „sofern diese Beteiligung im Interesse der Gesellschaft und aller Aktionäre liegt“.

Der Stahlkonzern braucht dringend frisches Eigenkapital. Im vergangenen Jahr schrumpfte das Eigenkapital von  844 auf 640 Millionen Euro – ein Minus von 24 Prozent. Zugleich ist das Unternehmen ist mit Nettofinanzverbindlichkeiten von 903 Millionen Euro (Ende 2012) hoch verschuldet.

Banken fordern mehr Eigenkapital

Schmolz + Bickenbach war Ende März unter Druck geraten, als das Stillhalteabkommen, das das Unternehmen nach einem Covenant-Bruch mit den kreditgebenden Banken ausgehandelt hatte, auslief. Nach FINANCE-Informationen hatten daraufhin einige Banken die Notbremse getreten und sich von Krediten getrennt. Der neue CFO Hans-Jürgen Wiecha konnte die Geldhäuser daraufhin zwar überzeugen, die Finanzierung in Höhe von 930 Millionen Euro bis zum Frühjahr 2015 beizubehalten, allerdings nur unter Vorbehalt: Neben „der Anpassung der Financial Covenants und der Kreditmargen“ seien „kapitalstärkende Maßnahmen vorgesehen“, hieß es in einer Stellungnahme des Unternehmens.

Da die Eigentümerfamilien nicht nachschießen wollen oder können, musste der Stahlkonzern nach einem Investor suchen. Trotz der schwierigen Lage von Schmolz + Bickenbach sind neben Renova offenbar auch andere Investoren an einer Beteiligung interessiert. Laut Mitteilung ist das Unternehmen mit „verschiedenen nationalen und internationalen Investoren im Gespräch, mit welchen Geheimhaltungs- und Stillhaltevereinbarungen unterzeichnet wurden.“

Kapitalerhöhung wahrscheinlich

Die Analysten der Züricher Kantonalbank halten eine Kapitalerhöhung für „sehr wahrscheinlich“. Damit wird ein Debt-to-Equity-Swap der ausstehenden Anleihe unwahrscheinlicher. Die Umwandlung der erst im Sommer begebenen Hochzinsanleihe im Volumen von 258 Milliarden Euro in Eigenkapital steht seit Januar im Raum. Einem Bericht des Handelsblatts zufolge prüften damals die Finanzinvestoren Apollo und Triton einen Einstieg in den Aktionärskreis über die High-Yield-Anleihe.

Für Renova wäre Schmolz+Bickenbach das dritte große Investment in der Schweiz. Das Beteiligungsunternehmen kontrolliert unter anderem den Technologiekonzern OC Oerlikon und hält rund 31 Prozent am Industrieunternehmen Sulzer. In Russland ist die Gruppe von Viktor Vekselberg insbesondere am russischen Aluminiumkonzern Rusal und am Ölkonzern TNK-BP beteiligt. Renova-Eigentümer Vekselberg ist laut Forbes 55 Milliarden-Dollar schwer und damit der viertreichste Russe.

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