Nach der gelungenen Kapitalerhöhung kann CFO Hans-Jürgen Wiecha die operativen Themen bei Schmolz+Bickenbach angehen.

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09.10.13
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Schmolz+Bickenbach stärkt Eigenkapitalbasis

Was lange währt, wird endlich gut: Schmolz+Bickenbach hat seine lang erwartete Kapitalerhöhung unter Dach und Fach gebracht. Das erhöht den Spielraum für CFO Hans-Jürgen Wiecha. Gemeinsam mit CEO Johannes Nonn muss er nun den operativen Konzernumbau vorantreiben.

Nach heftigen Kontroversen zwischen den Anteilseignern und vielen Verzögerungen hat der deutsch-schweizerische Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach nun endlich seine Kapitalerhöhung abgeschlossen. Gestern lief die Zeichnungsfrist für die neuen Namensaktien der AG aus. 99,8 Prozent der angebotenen Aktien wurden dem Unternehmen zufolge über Bezugsrechte bestehender Aktionäre gekauft, den Rest wird das Bankenkonsortium unter Führung der UBS platzieren.

Die S+B KG um die Erben der Unternehmensgründer und die Venetos Holding, ein Unternehmen des russischen Investors Viktor Vekselberg, hatten als größte Anteilseigner bereits im Vorfeld angekündigt, alle Bezugsrechte ausüben zu wollen. Sie halten zusammen eine Beteiligung von insgesamt 40,7 Prozent. Seit Ende September hat Vekselberg auch die Macht im Verwaltungsrat inne. Damit ist der Machtwechsel bei dem deutsch-schweizerischen Stahlkonzern nun endgültig abgeschlossen.

CFO Wiecha will High-Yield-Bond zurückkaufen

Schmolz+Bickenbach kann durch die Kapitalerhöhung einen Bruttoemissionserlös von 438 Millionen Franken (rund 356 Millionen Euro) verbuchen. Für CFO Hans-Jürgen Wiecha bietet das die Möglichkeit, die Finanzierungskosten zu drücken. Im Mai 2012 hat das Unternehmen einen High-Yield-Bond mit Zinsen von fast 10 Prozent begeben, auch eine von Wiecha im Frühjahr ausgehandelte Linienanpassung war mit Gebühren und Margenerhöhungen verbunden. So ist der Netto-Finanzaufwand des Konzerns im ersten Halbjahr 2013 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um mehr als ein Drittel auf 45 Millionen Euro gestiegen. Höchster Kostenpunkt ist der um 14,4 Millionen Euro gestiegene Zinsaufwand.

„Auf Dauer kann S+B diese hohen Finanzierungskosten nicht leisten“, sagte CFO Wiecha kürzlich gegenüber FINANCE (eine ausführliche Analyse der Lage bei Schmolz+Bickenbach lesen Sie in der Titelgeschichte der FINANCE September 2013) Eine Lösung deutete er ebenfalls an: In einem ersten Schritt könnte das Unternehmen bis zu 35 Prozent des High-Yield-Bonds zurückkaufen.

Verfehlte M&A-Strategie unter Michael Storm

Mit dem größeren finanziellen Spielraum rücken nun endlich auch die operativen Schwachstellen stärker in den Fokus. CFO und CEO werden unter anderem die Spuren beseitigen müssen, die eine verfehlte M&A-Strategie über die Jahre hinterlassen hat. Das Unternehmen hat zwischen 2003 und 2007 unter dem damaligen Chef des Verwaltungsrats Michael Storm im Jahresrhythmus zugekauft und dies über Eigenmittel und Kredite finanziert. Investitionen in die neuen Tochterfirmen über 1 Milliarde Euro folgten.

Mit dem Konjunktureinbruch nach der Lehman-Pleite wurden die Kredite zur untragbaren Belastung. Auch operativ hinterließen die M&A-Exzesse Spuren, die Integration der neuen Einheiten nach Abschluss der M&A-Deals fand oft allenfalls ansatzweise statt. In der Folge ist Schmolz+Bickenbach zu einem Konglomerat verschiedener Einheiten geworden. Synergien werden kaum genutzt, an vielen Stellen existieren Parallelstrukturen.

Integration steht auf der Agenda

Diese Strukturen wollen und müssen CEO Johannes Nonn und Wiecha nun vereinfachen. Zudem hat das Management im Sommer die neue operative Marschrichtung ausgegeben: Der Konzern soll nicht mehr Stahlhändler, sondern Produzent sein. Die Produktion macht inzwischen 75 Prozent der Wertschöpfung aus, die Margen sind dort höher als im Handelssegment. Für die Stahlhandelssparte in Deutschland, den historischen Ursprung des Konzerns, wird in der heutigen Form dann wohl kein Platz mehr sein. Beobachter gehen von einer tiefgehenden Restrukturierung oder einem Verkauf aus.  

Insgesamt wollen CFO und CEO bis 2016 auf Ebitda-Ebene Ergebnisverbesserungen von 230 Millionen Euro erzielen. Rund 100 Millionen Euro sollen durch Kostensenkungen eingespart werden. Mit Personalkosteneinsparungen über 23,3 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2013 gegenüber dem Vorjahreszeitraum hat der Restrukturierungsplan bereits erste Erfolge gezeigt. Die Rahmenbedingungen für weitere operative Anpassungen haben sich dank der stärkeren Eigenkapitalbasis nun deutlich verbessert.   

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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