Earlybird

11.08.16
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So finden Private-Equity-Investoren das nächste Einhorn

Private-Equity-Häuser sollten Beteiligungen an Venture Capital kaufen, sagt VC-Investor Fabian Heilemann. So bekommen sie einen Eindruck von der Branche – und können zur richtigen Zeit Mehrheitsübernahmen stemmen.

Bislang zeigt sich die deutsche Private-Equity-Branche unbeeindruckt vom Start-up-Hype, der seit einigen Jahren durch Deutschland geht. Allenfalls die Deutschland-Sparten von großen internationalen Investoren wie KKR, Goldman Sachs Merchant Banking oder Permira schauen sich die hiesige Gründerszene an. Doch die klassischen deutschen Midmarket-Häuser lassen die Tech-Neugründungen bis auf wenige Ausnahmen nach wie vor weitestgehend links liegen.

Das ist ein Fehler, wenn man dem Wagniskapitalgeber und Gründer Fabian Heilemann glaubt. Er empfiehlt den Private-Equity-Häusern, schon in frühen Phasen in Start-ups zu investieren – und zwar über Wagniskapitalfonds.

Heilemanns Argumentation: Indem Private-Equity-Investoren Geld in Venture-Capital-Fonds stecken, können sie Jahre später potenzielle Übernahmeziele besser einschätzen. Und so vielleicht das nächste Start-up mit Milliardenbewertung – in Venture-Capital-Sprache Einhorn genannt – zu finden.

Earlybird-Partner Heilemann: PEs sollten in VC-Fonds investieren

„Der PE bekommt vom VC vierteljährliche Berichte, anhand derer er die Entwicklung von 20 bis 30 Portfoliounternehmen verfolgen kann“, sagt der Gründer des Venture-Capital-Fonds Earlybird. „Dadurch weiß er später, ob ein Unternehmen zum Beispiel gerade eine zwischenzeitliche Hochphase hat oder ob es seine Kennzahlen seit Jahren konstant verbessert.“

Aber das Investment in einen Venture-Capital-Fonds setzt das Private-Equity-Haus nicht nur über die Portfoliounternehmen ins Bild, sagt Heilemann. „Die PE-Investoren können auch nachfragen, welche Deals ein Venture-Capital-Investor ausgelassen hat – und warum. So erfahren sie über mögliche Schwachstellen von Firmen, die in einer späteren, größeren Finanzierungsrunde nach neuen Finanzierern suchen.“

Fabian Heilemann und sein Bruder Ferry haben ihren eigenen Venture-Capital-Fonds geleitet, bevor sie sich mit Earlybird-Gründer Christian Nagel über einen Zusammenschluss einig wurden. Schon einzeln waren beide Wagniskapitalgeber Schwergewichte in ihrer Branche – zusammengenommen haben sie ihre Macht potenziert. Doch trotz Größe und Renommee hat Earlybird „zur Zeit kein Private-Equity-Haus als Investor“, räumt Heilemann ein. Das könnte auch daran liegen, dass die Verträge der PEs mit ihren Geldgebern keine Investments in Start-ups vorsehen, schließlich würde das das gesamte Konzept eines Buyout-Fonds auf den Kopf stellen.

Start-up-Investments laufen bei Private Equity unterm Radar

„Im Großen und Ganzen läuft das Thema Early-Stage-Investments in dem Sektor noch etwas unter dem Radar – abgesehen von einigen großen internationalen Häusern“, sagt Heilemann. Die Midmarket-Investoren überlassen anderen strategischen Geldgebern das Feld, die Minderheitsinvestments nutzen, um die Start-ups im Blick zu behalten und auf potentielle Übernahmeziele zu prüfen: „Banken investieren auch bei uns sehr stark, sowohl aus eigener Bilanz als auch mit Kundengeldern. Das gleiche gilt für Unternehmen“, sagt Heilemann.

Er hofft, eine bisher kaum aktive Gruppe von möglichen Start-up-Geldgebern aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwecken – auch, weil er zwangsläufig Abnehmer braucht, wenn eins seiner Portfoliounternehmen wirklich erfolgreich wird. Denn Earlybird kann höchstens 12 bis 14 Millionen Euro in ein Unternehmen stecken. „Das reicht nicht, um bei der letzten Finanzierungsrunde vor dem IPO eines Wachstumsunternehmens der größte Investor zu sein.“

In das Banking-Start-up N26 (früher Number 26) etwa hat Earlybird in zwei frühen Finanzierungsrunden investiert. Die Runde im Juli, die kolportierte 40 Millionen Euro schwer war, hat dann der Hongkonger Risikokapitalgeber Li Ka-Shing angeführt. „Die Rolle von Ka-Shing hätte aber genauso gut ein deutscher Private-Equity-Investor spielen können“, sagt Heilemann. „Der Investor bekommt so einen viel tieferen Eindruck vom Unternehmen – und die Möglichkeit, das Asset später ohne Auktion zu übernehmen, weil er so nah an den anderen Eigentümern und dem Management ist.“

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

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