Verkauft Carlyle die Klinikgruppe Ameos schon bald?

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27.01.21
Deals

Steht Carlyle vor dem Exit bei Ameos?

Der Finanzinvestor Carlyle soll Medienberichten zufolge einen Verkauf seines langjährigen Portfoliounternehmens Klinikgruppe Ameos vorbereiten. Ameos selbst dementiert aber mögliche Verkaufsprozesse.

Bahnt sich in der Private-Equity-Welt der nächste Exit an? Der Finanzinvestor Carlyle bereitet einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge einen Verkauf der Klinikgruppe Ameos vor. Demnach hat Carlyle die Investmentbanken J.P. Morgan und Macquarie mit dem kompetitiven M&A-Prozess, der schon in den kommenden Monaten initiiert werden könne, mandatiert. Reuters bezieht sich auf eine anonyme Quelle, die nicht näher genannt werden will.

Ameos könnte dem Bericht zufolge bei einem Verkauf mit bis zu 1,3 Milliarden Euro (inklusive Schulden) bewertet werden. Laut Reuters erwirtschaftet die Gruppe jährlich einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 110 Millionen Euro – die Bewertung entspräche damit einem Ebitda-Multiple von rund 12x. 

Carlyle wollte die angeblichen Verkaufspläne auf Nachfrage von FINANCE nicht kommentieren. Ameos hingegen dementiert, dass es einen strukturierten Verkaufsprozess gäbe. „Interessierte Investoren haben unter Berufung auf solche Gerüchte in jüngerer Vergangenheit Kontakt zum Unternehmen und zu den Gesellschaftern einschließlich dem Gründungsaktionär Dr. Axel Paeger aufgenommen. Einen Prozess, wie in den Gerüchten manchmal unterstellt, gibt es nicht“, heißt es seitens des Unternehmens.

Ameos sei derzeit an vielen Standorten und in vielen deutschen Bundesländern das Rückgrat bei der Bewältigung der Corona-Pandemie. „Ein strukturierter Prozess, wie er in den Gerüchten teilweise unterstellt wird, wäre allein deshalb objektiv nicht durchführbar.“ Für die Zeit nach der Bewältigung der Pandemie ziehe Ameos allerdings eine Fremdkapital-Refinanzierung in Betracht, wofür auch bereits schon Vorbereitungen getroffen worden seien.

PE-Investor Quadriga an Gründung von Ameos beteiligt

Der Klinikbetreiber Ameos wurde im Jahr 2002 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Zürich. An 52 Standorten betreiben die Schweizer 96 Akutkliniken und psychiatrische Krankenhäuser. Im Jahr 2019 setzte Ameos mit rund 15.700 Mitarbeitern 843 Millionen Euro um.

Ameos ist schon lange in Private-Equity-Hand. Im Herbst 2011 kochten Gerüchte hoch, dass mehrere Finanzinvestoren an Ameos interessiert seien, darunter Advent, CVC und Carlyle. Eigentümer bis dato waren der Private-Equity-Investor Quadriga Capital, der auch an Ameos‘ Gründung beteiligt war, sowie der Gründer und CEO Axel Paeger.

Um frisches Kapital für weiteres Wachstum einzusammeln, sollte ein neuer Investor ins Boot geholt werden. Doch wenige Wochen später stoppte Quadriga den Verkaufsprozess bereits, offenbar, weil sich der Finanzinvestor und die beiden verbliebenen Bieter Advent und Carlyle nicht beim Kaufpreis einig geworden waren. Die Übernahmefinanzierung hatten Banken damals schon zugesichert.

Carlyle ist seit neun Jahren an Ameos beteiligt

Mit geringer medialer Aufmerksamkeit stieg Carlyle im Dezember 2011 doch noch bei dem Klinikbetreiber ein. Wie das Online-Portal „PE News“ damals berichtete, beteiligte sich Carlyle gemeinsam mit Quadriga im Rahmen einer Kapitalerhöhung an Ameos. Alle drei Parteien – Carlyle, Quadriga und Paeger – hielten demnach nach der Transaktion mehr als 20 Prozent an dem Unternehmen.

Wie hoch die Anteile und die Kaufpreise damals konkret waren und ob Axel Paeger bei der Kapitalerhöhung ebenfalls frisches Kapital beigesteuert hat, ist nicht bekannt. Laut der Unternehmenswebsite ist Quadriga bis heute an der Klinikgruppe beteiligt. Carlyle selbst ist somit schon seit rund neun Jahren an Ameos beteiligt – eine unüblich lange Haltedauer für einen Private-Equity-Investor.

Add-on für Ameos scheiterte an Kartellbedenken

In diese Zeit fiel auch ein gescheiterter M&A-Deal. Im Jahr 2016 sollte ein Add-on folgen: Ursprünglich wollten die Finanzinvestoren eine Mehrheit an den Sana Kliniken erwerben, um sie mit Ameos zusammenzuschließen. Doch das Bundeskartellamt schaute sich den geplanten Deal genauer an und äußerte nach Abschluss des Hauptprüfverfahrens vorläufige Bedenken an der Transaktion – wegen fehlender Ausweichmöglichkeiten vor Ort, so Präsident Andreas Mundt damals.

Das Problem: Carlyle hatte sich, ebenfalls im Jahr 2016, minderheitlich an der Schön Klinik beteiligt. Dass Carlyle mit mehreren Kliniken in einer Region auf einen Marktanteil von über 50 Prozent gekommen wäre, hätte dafür gesorgt, dass die PE-finanzierte Klinikgruppe Ameos marktbeherrschend geworden wäre. Der Deal mit den Sana Kliniken platzte letztlich: Ameos hatte die Fusionsanmeldung nach Erhalt der Stellungnahme des Kartellamts zurückgenommen.

Dennoch hat Carlyle in den vergangenen Jahren ordentlich für Ameos zugekauft: Wie der Website von Ameos zu entnehmen ist, hat der Finanzinvestor in neun Jahren mindestens rund 20 Add-ons für die Schweizer gekauft, darunter hauptsächlich einzelne Kliniken. Zu den jüngsten Deals zählen die Übernahme der Lippschen Nervenklinik und des Katholischen Klinikums Oberhausen (KKO) im Jahr 2019.

Private Equity liebt Healthcare

Dass sich zahlreiche Finanzinvestoren in der Healthcare-Branche tummeln, ist nicht neu: Private Equity hat schon seit geraumer Zeit ein Auge auf Pflegeheime und Klinikbetreiber geworfen. In der Healthcare-Branche sind die Cashflow tendenziell stabil, der Markt ist immer noch sehr fragmentiert – eine offene Spielwiese für die beliebte Buy-and-Build-Strategie der Fonds.

Daran hat die Coronavirus-Krise nur bedingt etwas verändert: Der Sektor ist für Finanzinvestoren nach wie vor äußert attraktiv, einen besonderen Aufschwung erlebten im vergangenen Jahr vor allem die Unternehmen, die im weitesten Sinne bei der Bekämpfung und Eindämmung des Virus involviert waren und sind, etwa Hersteller von Schutzmasken oder Beatmungsgeräten.

Einige Healthcare-Unternehmen kommen allerdings schwerer durch die Krise, darunter vor allem Klinikbetreiber und Medizintechniker, die auf Behandlungen spezialisiert sind, die nicht notwendig oder überlebenswichtig sind. Diese Behandlungen mussten im vergangenen Jahr wegen der Coronakrise aufgeschoben werden, die entsprechenden Anbieter hatten somit mit teils erheblichen Auftragsrückgängen zu kämpfen.

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Auch Kliniken leiden unter Corona

Wie sich das auf die Geschäftszahlen der Ameos-Kliniken ausgewirkt hat, ist nicht bekannt. Anders bei der von Carlyle gehaltenen Schön Klinik, wie das Unternehmen bei der Vorlage der Halbjahreszahlen Mitte September 2020 mitteilte.

Die Gesamtleistung fiel vor allem Corona-bedingt verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 7 Prozent auf 431 Millionen Euro. Unter dem Strich stand ein negatives Betriebsergebnis (Ebit) von fast 20 Millionen Euro, nach einem Plus von etwas mehr als 5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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