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EQT will die Mehrheit an der Schufa

Der Private-Equity-Investor EQT hat ein Auge auf die Schufa geworfen. Foto: nmann77 - stock.adobe.com
Der Private-Equity-Investor EQT hat ein Auge auf die Schufa geworfen. Foto: nmann77 - stock.adobe.com

Ungewöhnlicher M&A-Deal in der Private-Equity-Szene: EQT übernimmt knapp 10 Prozent der Anteile an der Schufa von der französischen Société Générale. Die Wirtschaftsauskunftei mit Sitz in Wiesbaden bewertet die Bonität von Personen. Ein Minderheitsanteil ist dem Finanzinvestor allerdings nicht genug: EQT plant, weitere Anteile der Schufa zu übernehmen, um letztlich auf einen Mehrheitsanteil zu kommen.

EQT wollte dies auf Nachfrage von FINANCE nicht kommentieren. Aus Finanzkreisen ist zu hören, dass die Verhandlungen bereits in einem fortgeschrittenen Stadium sind. Zuerst hatte das „Handelsblatt“ darüber berichtet.

Verkaufen auch Commerzbank und Deutsche Bank Schufa-Anteile?

Zu den Schufa-Anteilseignern gehören unter anderem auch die Commerzbank sowie die Deutsche Bank. Ob auch sie letztlich ihre Anteile verkaufen werden, ist noch offen. Bereits Ende März dieses Jahres kochten Gerüchte hoch, Finanzinvestoren könnten den beiden Banken ihre Schufa-Anteile abkaufen.

Die Gespräche angestoßen haben soll im Frühjahr dieses Jahres EQT, schrieb das „Handelsblatt“ damals. Auch der Private-Equity-Investor Hellman & Friedman soll damals an den Gesprächen beteiligt gewesen sein. Für nicht-europäische Finanzinvestoren dürfte es allerdings eine Herausforderung sein, kritische Themen wie Verbraucher- und Datenschutz vollumfänglich zu adressieren.

Darüber hinaus ist das Aktionariat der Schufa breit gefächert: 34,7 Prozent der Anteile entfallen auf Kreditbanken, 26,4 Prozent liegen bei Sparkassen. Privatbanken kommen auf einen Anteil von 17,9 Prozent. 13,1 Prozent der Anteile gehören dem Handel und weiteren Gesellschaften. Der geringste Anteil von 7,9 Prozent entfällt auf Genossenschaftsbanken. Welche Aktionäre konkret Teil dieser Gruppen sind, gibt die Schufa nicht bekannt.

Das hat EQT mit der Schufa vor

EQT bewertet die Auskunftei mit rund 2 Milliarden Euro. Bei einem Umsatz im Geschäftsjahr 2020 von rund 230 Millionen Euro entspricht die Bewertung einem Multiple von rund 8,7x.

Für diese stattliche Bewertung hat der Private-Equity-Investor mit der Schufa viel vor. Immer wieder wird Kritik laut, die Strukturen der Schufa seien veraltet und müssten reformiert werden, darüber hinaus sei eine Digitalisierung der Auskunftei dringend notwendig. Beide Aspekte stehen dem Vernehmen nach auf der Agenda von EQT. Auch die Transparenz der Schufa ist immer wieder ein Thema. Allerdings wurden in der Vergangenheit auch Stimmen laut, die befürchten, dass durch den Einstieg eines Finanzinvestors bei der Schufa Daten in falsche Hände geraten könnten.

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Wie aus Finanzkreisen zu hören ist, war EQT daher bereits im Vorfeld mit einem Umbauplan für die Schufa an Verbrauchervertreter und die Politik herangetreten, hatte diesen sichten lassen und daraufhin weiter verfeinert. Dass mit der Beteiligung an der Schufa der erste Schritt zu einer Komplettübernahme der Auskunftei gemacht ist, lässt daher den Schluss zu, dass EQTs Konzept grundsätzlich nicht auf taube Ohren gestoßen sein dürfte.

Für die Umbaupläne bei der Schufa muss EQT allerdings ordentlich investieren – ein weiterer Punkt, der für den Einstieg eines Finanzinvestors sprechen könnte: Dem Vernehmen nach sind die bisherigen Eigentümer der Schufa nicht daran interessiert, größere Summen in einen Umbau der Auskunftei zu stecken. Sie profitieren von den Dividenden, die die Schufa ausschüttet. Ein Finanzinvestor hingegen könnte mit frischem Kapital mehr bewegen.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.