Capex für strategische Projekte freisetzen

Unternehmen müssen langfristig investieren, um ihre Geschäftsmodelle anzupassen. Ein Capex-Modell kann helfen, ESG-Investitionen oder eine nachhaltige Bestandserweiterung schnell umzusetzen.

Die jüngsten Entwicklungen haben wirtschaftliche Megatrends weiter verstärkt. Laut einer branchenübergreifenden Studie von S&P Global (Industry Top Trends Midyear 2022, Jul-22) sind vor allem zwei Bereiche betroffen. Zum einen sind das die fragilen Lieferketten: Zur Abschwächung von Risiken investieren viele Unternehmen in ihren Aufbau, das erfordert zusätzliches Betriebskapital. Zum anderen sind es die Energiewende und -sicherheit: Energieversorger müssen umfangreiche langfristige Investitionen zugunsten erneuerbarer Energiequellen tätigen, und gleichzeitig müssen sie den kurzfristigen Preis- und Versorgungsdruck ausgleichen.

Diese Entwicklungen verlangen den Unternehmen sehr hohe Investitionsvolumen ab – und das in einer Situation, in der sich viele Unternehmen gerade erst von der Coronakrise erholen. Doch welche Möglichkeiten haben diese Unternehmen, an Kapital für die dringend benötigten Investitionen zu kommen?

Hier setzt das Capex-Model an. Es hilft Unternehmen dabei, Mittel neu zu allokieren, indem die Beschaffung von Capex und Projekten bis zur Inbetriebnahme verändert wird. Eine Trading-Firma agiert in dem Modell als „Engineering, Procurement and Construction“-Lieferant (Contractor) und verkauft die Anlage vor Inbetriebnahme nach vollständiger Abnahme durch den Kunden (siehe Grafik).

Zwei Anwendungsbeispiele

Ein großer Automobilzulieferer (Tier-1), der das in seinem Werkzeuggeschäft gebundene Betriebskapital freisetzen wollte, hat solch ein Capex-Modell in seine Beschaffung integriert. In dem Modell bestellt Tier-1 die Werkzeuge bei der Trading-Firma und nicht direkt bei seinem Lieferanten. Die Trading-Firma platziert die Aufträge dann beim Lieferanten und fungiert als Tier-2 zum Tier-1-Zulieferer, bezahlt den Lieferanten und verbucht die Werkzeuge bei jeder Etappenzahlung in ihrer Bilanz.

Auch ein Energieversorger wollte CO2-Kompensationszertifikate erwerben, ohne Betriebsmittel in Anspruch nehmen zu müssen. Die Trading-Firma lieferte eine Lösung, mit der die CO2-Zertifikate zu einem vorteilhaften Marktpreis gesichert und gleichzeitig die Anerkennung von Vermögenswerten hinausgezögert wurden, bis die Zertifikate benötigt wurden.

Solch ein Capex-Modell kann in verschiedenen Bereichen angewendet werden. Unternehmen werden so in die Lage versetzt, mehr in strategische Projekte zu investieren und bilanzielle Beschränkungen oder Cashflow-Engpässe zu überwinden.

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