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Die Renaissance des Förderkredits

Es ist eine herausfordernde Zeit. Es stehen aber Budgets in nie dagewesener Höhe für Rettungsmaßnahmen der von der Pandemie betroffenen Unternehmen und zur Förderung von Investitionen bereit.

Derzeit trüben viele Wolken den Horizont: Corona hat die Ertragslage in vielen Branchen ins Bodenlose fallen lassen, und erneute wirtschaftliche Restriktionen stehen möglicherweise ins Haus. Handelskonflikte drohen zu eskalieren und könnten die global vernetzte deutsche Wirtschaft belasten. Diese Unsicherheiten erschweren eine belastbare Planung; der Aufschwung dürfte sich in vielen Branchen hinziehen. Außerdem wollen die meisten politischen Parteien die Wirtschaft zur Not auch auf Kosten des Wachstums grün gestalten, weil der Klimaschutz beim Wähler zunehmend Priorität genießt.

Die Nervosität auf den Geldmärkten infolge von Corona war nur von kurzer Dauer. Die Notenbanken im Allgemeinen und insbesondere die EZB stellen seit März zusätzliche Liquidität zur Verfügung. Gleiches gilt für die Kapitalmärkte, die maßgeblich vom ausgeweiteten Aufkaufprogramm der EZB beeinflusst werden. Deshalb zeigten Zinsen wie risikofreie Renditen kaum nachhaltige Ausschläge und pendelten sich wieder auf niedrigen Niveaus ein. Dennoch hat die Sorge um den Zugang zu Liquidität bei vielen Unternehmen spürbar zugenommen.

Der Langweiler der Sonnenjahre, die langfristige Liquiditätssicherung, ist wieder Thema geworden, denn Notenbanken mögen zwar genügend Liquidität bereitstellen, die Risikobereitschaft von Märkten und Banken hat sich aufgrund der konjunkturellen Unsicherheiten dennoch reduziert. Vielen Finanzinstituten sind aufgrund der Coronakrise nennenswerte Risiken in die Bücher gespült worden, die sie in ihrer Risikotragfähigkeit noch lange belasten werden. Hierauf können die Banken im aktuellen Markt­umfeld nur mit einer Einschränkung ihrer Kreditvergabe reagieren, zumal die Bankenbranche seit Jahren in einer Konsolidierungsphase steckt.

„Die Kfw-Corona-Programme stehen noch bis Jahresende 2020 zur Verfügung.“

Das deutsche Corona-Paket

Andererseits stehen Budgets in nie dagewesener Höhe für Rettungsmaßnahmen der von der Pandemie betroffenen Unternehmen und zur Förderung von nachhaltigen Investitionen in Forschung und Entwicklung, Infrastruktur, Gebäude und Produktionsanlagen zur Verfügung. Hiermit sollen die Klimaschutzziele 2030 erreicht werden. Stand Ende September 2020 machte Deutschlands Corona-Paket, das sich auf mehr als 1.000 Milliarden Euro beläuft, gut die Hälfte der gesamten europäischen Corona-Beihilfen aus, so die EU-Wettbewerbskommission.

Das Anfang Juni zusätzlich beschlossene Konjunkturprogramm von 130 Milliarden Euro beinhaltet das „Zukunftspaket“, das das schon 2019 verabschiedete Klimaschutzpaket um weitere 50 Milliarden Euro aufstockt. Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell den Anforderungen des Green Deals anpassen und investieren, finden somit beste Voraussetzungen vor.

Langfristige Kredite reduzieren das Refinanzierungsrisiko von Unternehmen, wappnen diese gegen unerwartete Kapitalmarktentwicklungen und erhöhen somit die Planungssicherheit. Das gilt insbesondere für Förderkredite mit Haftungsfreistellung. Die Corona-Programme der KfW stehen noch bis Ende des Jahres 2020 zur Verfügung. Investitionen in klimafreundliche Gebäude, Infrastruktur oder Produktionsanlagen sind über KfW-Darlehen nicht nur fristenkongruent refinanzierbar, sondern werden oft mit signifikanten Tilgungszuschüssen versüßt.

Über den Autor:

Jens Fröhlich

Jens Fröhlich ist Leiter Fördermittel der IKB Deutsche Industriebank AG in Düsseldorf.

Kontakt: jens.froehlich[at]ikb.de