Das i-Tüpfelchen in Sustainable Finance

Sustainability-linked Derivate und Hedge Coordination sind zwei Trends im Treasury, denen man sich nicht entziehen kann. Die Kombination beider Themen gilt als i-Tüpfelchen einer nachhaltigen Finanzierung.

Nachhaltigkeit als Teilbereich im Corporate Finance fühlt sich für viele Treasurer und Marktteilnehmer auch heute noch befremdlich an, obwohl bereits im Jahr 2009 erste Sustainable-Banking-Teams bei Banken etabliert wurden. In den vergangenen drei Jahren vollzog sich aber ein dynamischer Wandel: Nachhaltigkeit gilt nun als unternehmerischer Erfolgsfaktor. Das machte das Thema Sustainable Finance vom Nischenthema zu einem strategisch wichtigen Teilbereich im Corporate Finance.

Nachhaltigkeit als Voraussetzung einer kostengünstigen Kapitalallokation von Investoren und Banken macht eine Nachhaltigkeitsstrategie mit klar definierten Nachhaltigkeitszielen, messbaren KPIs und einem verabschiedeten Sustainable Finance Framework unabdingbar. Lag anfangs der Fokus noch auf Green Bonds und der zweckgebundenen Verwendung der Erlöse für „grüne“ Projekte, haben sich seit 2020 der Markt und die Regulatoren auf die Entwicklung von ESG-linked Finanzierungslösungen konzentriert. Man spricht im Allgemeinen von Sustainability-linked Finanzierungen, bei denen die Höhe der Zinszahlungen des Unternehmens an ein Bonus-Malus-System geknüpft ist. Bei Erfüllung der Nachhaltigkeitsziele erzielt das Unternehmen einen vorher definierten Abschlag auf die Zahlung, bei Nichterfüllung wird ein entsprechender Aufschlag auf den Zinssatz fällig. Die Prüfung findet anhand klar festgelegter Kriterien statt, die interne KPIs sein können oder aber ESG-Ratings externer Agenturen.

Nach anfänglicher Orientierungsschwäche haben sich inzwischen klare Richtlinien herauskristallisiert, denen die Produkte und vor allem die definierten KPIs standhalten müssen: klar definiert, messbar, von Dritten nachvollziehbar, transparent, passend und signifikant.

Ein solches Bonus-Malus-System kann natürlich nicht nur auf das Finanzierungsinstrument selbst angewendet werden, sondern auch auf die anstehenden Zins- und Währungssicherungen, die ein Unternehmen im Zusammenhang mit der Finanzierung plant. Die Replizierung der bereits investierten Arbeit und die Anwendung desselben Mechanismus auf ein Sustainability-linked Derivat erscheinen geradezu logisch, um auch in der Sicherungsstrategie das Streben nach Nachhaltigkeit des Unternehmens zu verankern.

Bislang selten genutzt

Die bisherigen Erfahrungen im deutschsprachigen Raum zeigen jedoch, dass nur wenige Unternehmen auf Sustainability-linked Derivate zurückgreifen. Ein Grund könnte sein, dass bei jedem Geschäftsabschluss eines Derivats bislang ein Competitive Bidding praktiziert wird. Dies erweist sich aber bei Sustainability-linked Derivaten als schwer umsetzbar. Stattdessen wäre eine Hedge Coordination ratsam, die eine Trennung des Geschäftsabschlusses in eine Market Hedge Execution und eine zeitlich nachgelagerte Credit Auction inklusive Sustainability-linked Feature möglich macht.

Die Deutsche Glasfaser Group hat im März 2022 dem Corporate Treasury einen neuen Impuls gegeben, indem sie Teile der variablen Zinszahlungen des 5,75 Milliarden Euro hohen ESGlinked Loans über einen Sustainability-linked Euro-Zins-Swap und den Prozess einer Hedge Coordination absicherte.

Hiermit wurde erstmals der Abschluss eines Sustainability-linked Derivats in vollem Umfang mit einer Bank marktschonend exekutiert, um im Nachgang die Syndizierung an die definierte Bankengruppe auf Grundlage vorher verhandelter Credit Spreads und ESG-linked Features abzuwickeln. 

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