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De-Risking von Pensionszusagen

Das Risiko von Pensionszusagen zu reduzieren ist ein wichtiger Schritt für Unternehmen und rückt gerade in Krisenzeiten wieder in den Vordergrund. Plan-Assets können dabei helfen.

Die deutschen Unternehmen stehen in der aktuellen Zeit unter vielfältigen Herausforderungen: Neben den durch das Coronavirus notwendigen umfangreichen Anpassungen in den Betriebsabläufen ist teilweise auch ein deutlicher Rückgang in den Auftragsbüchern der Unternehmen spürbar.

Aufgrund dieser weitreichenden Herausforderungen sowie einer angestrebten Verbesserung des Kreditratings haben viele Unternehmen das Thema Pensionszusagen und Pensionsverpflichtungen aktuell deutlich stärker ins Visier genommen. Gerade während Krisenzeiten ist oft der richtige Moment, um an historisch bedingt festgefahrenen Themen konstruktiv zu arbeiten und die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerinteressen zusammenzubringen.

Der erste Schritt zur Reduzierung von Risiken

Ein erster Baustein, mit dem Unternehmen künftige Risiken reduzieren können, ist der Wechsel von älteren, sogenannten leistungsorientierten Zusagen zu neueren, beitragsorientierten Zusagen. Während bei leistungsorientierten Zusagen das Investmentrisiko und das Langlebigkeitsrisiko komplett beim Unternehmen liegen, beschränkt sich das Investmentrisiko bei beitragsorientierten Zusagen lediglich auf die Auszahlung der ein­gezahlten Beiträge. Das Langlebigkeitsrisiko kann durch das Angebot einer Kapitalauszahlung oder alternativ einer Ratenauszahlung vermieden werden.

Doch auch Arbeitnehmer profitieren von der Implementierung beitragsorientierter Zusagen: Während ein definiertes Sicherheitsniveau durch die Garantie der eingezahlten Beiträge weiterhin vorhanden bleibt, haben Arbeitnehmer in solchen Modellen zusätzlich die Chance, eine attraktive Rendite zu erlangen. Anbieter setzen bei der Investmentstrategie zum Beispiel auf sogenannte Lebenszyklusfonds, bei denen der Mitarbeiter in jungen Jahren zu 100 Prozent in Aktien investiert ist. Mit fortschreitendem Alter wird automatisch mehr in Anleihen und kurz vor Rentenbeginn auch in den Geldmarkt umgeschichtet.

Der Fokus auf Aktien in den ersten Jahren der Ansparphase ermöglicht eine attraktive Rendite, während der Fokus auf Anleihen und Cash das Risiko in den letzten Jahren vor Renteneintritt deutlich reduziert. Mit solch einer intelligenten Kapitalanlage erhalten die Arbeitnehmer langfristige Renditen, die weit über der Rendite von versicherungsförmigen Produkten liegen. Ein weiterer Baustein für Unternehmen, um ihr Bilanzrisiko langfristig zu reduzieren, ist die Ausfinanzierung von Pensionsverpflichtungen.

Hierbei werden sogenannte Plan-Assets gebildet, die in der Handelsbilanz gegen bestehende Pensionsverpflichtungen saldiert werden können. Durch diesen Effekt erreichen viele Unternehmen ein verbessertes Kreditrating. Das ausfinanzierte Vermögen kann beispielsweise in einem Contractual Trust Arrangement (CTA) gehalten werden. Hier sind überbetriebliche Treuhandlösungen die einfachste und kostengünstigste Variante für Firmen, die kein eigenes CTA auflegen wollen.

„Ein weiterer Baustein für Unternehmen, um ihr Bilanzrisiko langfristig zu reduzieren, ist die Ausfinanzierung von Pensionsverpflichtungen.“

Historisch waren in Deutschland überdurchschnittlich viele Pensionsverpflichtungen innenfinanziert. Die aktuell im historischen Vergleich sehr niedrigen langfristigen Zinsen dürften ein weiteres Argument sein, zumindest teilweise auf die Innenfinanzierung zu verzichten und stattdessen Plan-Assets zu bilden.

Durch die aktuelle Kombination von Handlungsdruck aufgrund der Pandemieauswirkungen mit den langfristigen Niedrigzinsen ergeben sich für Unternehmen gleich zwei Gründe, warum sie Pensionszusagen neu ordnen sollten.

Über den Autor:

Claus Bittner

Claus Bittner ist Associate Director Workplace Investing bei Fidelity International in Kronberg im Taunus.
Kontakt: claus.bittner[at]fil.com

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