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ESG im Mainstream angekommen

An manchen Tagen gibt es am Primärmarkt inzwischen mehr ESG-Anleihen als herkömmliche Emissionen. Das zeigt, dass die nachhaltigen Anleihen in der Unternehmenswelt inzwischen zum Mainstream geworden sind.

Zu Beginn der Covid-19-Pandemie war die Sorge groß: In einer Krise – so die Annahme – werde das Thema Nachhaltigkeit an Bedeutung verlieren. Tatsächlich erwies sich die Sorge als unbegründet, wie ein Blick auf den Kapitalmarkt zeigt. So stieg das Emissionsvolumen im ESG-Segment, verglichen mit Ende 2019, im ersten Halbjahr dieses Jahres um 33 Prozent. Und damit nicht genug: Das Thema hat sich im Mainstream verankert. Mittlerweile gibt es Tage, an denen das ESG-Volumen am Primärmarkt höher ist als das der herkömmlichen Anleihen.

Und das könnte gut so weitergehen. Wie eine von der HSBC in Auftrag gegebene Umfrage unter 2.600 Firmen in 14 Ländern zeigt, wird das Thema ESG immer wichtiger. So gaben 91 Prozent der Befragten an, ihr Unternehmen in den kommenden Jahren nachhaltiger ausrichten zu wollen. Und auch der öffentliche Sektor setzt weiterhin auf nachhaltige Finanzierungen – ein prominentes Beispiel hierfür ist die grüne Bundesanleihe, die kürzlich an den Markt kam.

 

Entlang der Wertschöpfungskette

Unternehmensseitig stehen aktuell oft nachhaltigere Konzepte entlang der Wertschöpfungsketten im Fokus. So hat der global aufgestellte Konsumgüterkonzern Henkel jüngst eine Unternehmensanleihe im Wert von etwa 100 Millionen US-Dollar und mit einer Laufzeit von fünf Jahren privat platziert. Mit dem aufgenommenen Kapital werden innovative Verpackungslösungen mit dem Ziel entwickelt, bis 2025 alle Henkel-Verpackungen wiederverwendbar und recycelbar zu machen. Das Unternehmen leistet so seinen Beitrag dazu, Kunststoffabfälle zu vermeiden.

Damit sammelt Henkel am Kapitalmarkt potentiell einen Pluspunkt. Wie ein vor kurzem veröffentlichtes Papier von HSBC in Kooperation mit dem Sustainability Consortium der Universitäten Arizona und Arkansas zeigt, gewinnen Unternehmen, die sich umfassend mit der Ausbalancierung und Abfederung ihrer Lieferketten beschäftigen, für ihre Stakeholder an Attraktivität.

 

ESG in der Finanzbranche

Und wie sieht es in der Finanzbranche aus? Auch hier kommen mehr und mehr grüne Emissionen. Einer der Vorreiter ist die Berlin Hyp. Seit das Haus 2015 den weltweit ersten grünen Pfandbrief an den Markt gebracht hat, ist es den Weg in Richtung Nachhaltigkeit immer konsequenter weitergegangen. Heute ist die Berlin Hyp nach eigenen Angaben der aktivste europäische Banken­emittent von Green Bonds – und entwickelt den Markt laufend weiter, unter anderem durch den Übertrag der Namensrechte „Grüner Pfandbrief“ und „Green Pfandbrief“ an den Verband deutscher Pfandbriefbanken, verbunden mit der gemeinsamen Entwicklung von Mindeststandards für Grüne Pfandbriefe auf Ebene des Verbands im vergangenen Jahr.

Die Bank hat auch die eigene Strategie eng mit dem Thema Nachhaltigkeit verknüpft: Das Ziel, bis 2020 20 Prozent des Darlehensportfolios grün zu gestalten, wurde bereits Ende 2019 erreicht. Der neue Zielekanon ist nun noch einmal deutlich umfassender und wird unter anderem dazu führen, dass jeder zweite Euro im Neugeschäft zur Finanzierung von Gewerbeimmobilien künftig in Green Buildings fließt oder aber für die Finanzierung von Sanierungen bislang nichtgrüner Gebäude aufgewendet wird.

Gleichzeitig ist der öffentliche Sektor zunehmend aktiv – und zwar auch über das Thema Grün hinaus. So hat die NRW.Bank kürzlich ihren ersten Social Bond begeben. Die Anleihe soll unter anderem den Bau von Wohnprojekten und die Kreditvergabe nach sozioökonomischen Maßstäben finanzieren.

Über den Autor:

Ingo Nolden

Ingo Nolden ist Head of Debt Capital Management bei HSBC Deutschland in Düsseldorf.

Kontakt: ingo.nolden[at]hsbc.de

 

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